Rekrut Foxx rückt in Armee ein

Rund 50 Hunde benötigt das Schweizer Militär jährlich. Einer, der den Einzug in die Armee dieses Jahr schaffen will, heisst Foxx. Eigentlich kann er schon alles, was gefordert ist. Aber er lässt sich noch zu leicht ablenken.

Perrine Woodtli
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Rosi Hasler und David Huber testen, wie gut Foxx auf die Befehle «Beissen» und «Bellen» reagiert und auf seine Besitzerin hört. (Bilder: Nana do Carmo)

Rosi Hasler und David Huber testen, wie gut Foxx auf die Befehle «Beissen» und «Bellen» reagiert und auf seine Besitzerin hört. (Bilder: Nana do Carmo)

FREIDORF. Foxx wartet ungeduldig und wedelt aufgeregt mit dem Schwanz. Heute kann er zeigen, was er drauf hat, denn er erwartet hohen Besuch. Adj Uof David Huber, der zuständig für die Hundeausbildung bei der Schweizer Armee ist, kommt vorbei für eine Inspektion. Foxx ist ein Deutscher Schäferhund, neun Monate alt, stammt aus Freidorf und gehört zu den ersten Diensthunden des Schweizer Militärs, der aus einer Schweizer Hundezucht stammt.

Einsatzkraft auf vier Beinen

Jedes Jahr beschafft die Schweizer Armee neue Vierbeiner, die zu Armeehunden für Einsätze in der Katastrophenhilfe, für den Schutzdienst auf Militärflugplätzen oder für die Militärpolizei ausgebildet werden. Die meisten Hunde wurden bisher im Ausland gekauft. «Wir kannten die Hunde und die Züchter kaum. In Zukunft legen wir Wert darauf, die Hunde und deren Aufzucht von Grund auf zu kennen», sagt David Huber. Damit künftig alle Diensthunde aus Schweizer Zuchten stammen, baue man nun den Kontakt zu den Hundezüchtern auf und motiviere diese, ihre Hunde für die Armee auszubilden. Mittlerweile werden 17 Hunde aus der Schweiz gezielt auf die Armee vorbereitet. Einer davon – und zudem noch der erste – ist Foxx aus der Zucht von Rosi Hasler in Freidorf. Hasler züchtet bereits seit über 15 Jahren Deutsche Schäferhunde auf ihrem Hof. Im Mai wurden die Hundezüchter zu einem Informationsanlass bezüglich der Militärhunde eingeladen. «Ich ging eher skeptisch dorthin», sagt Hasler. Dann aber überzeugte sie das Programm und sie entschloss sich, eine Leistungsvereinbarung abzuschliessen. Die Züchterin erhielt die Aufgabe, den damals zwei Monate alten Foxx zum Diensthund zu erziehen. Der Hund bleibe die ersten eineinhalb Jahre beim Züchter. In dieser Zeit müsse sich der Hund die Eigenschaften aneignen, die von einem Diensthund verlangt werden, erklärt Huber. «Wir wollen einen Hund, der arbeiten will. Dies muss der Züchter intensiv fördern.» Dass die Hunde erst mit eineinhalb Jahren an die Armee verkauft werden, hat einen guten Grund. «Die Leistung kann erst ab einem gewissen Alter beurteilt werden. Mit 18 Monaten sind das Wesen und der Charakter des Hundes gefestigt und man kann leichter Schwächen feststellen.»

Für die Finanzierung bekommen die Züchter vom Militär eine Entschädigung. «Lukrativ ist es sicher nicht. Aber die Züchter sollen es ja auch vorwiegend machen, weil sie Freude daran haben», sagt Huber. Wenn der Hund mit eineinhalb Jahren den Eignungstest besteht, kauft ihn die Armee. Danach kommt der Hund zu einem neuen Besitzer. «Unsere Hundeführer nehmen einen Hund auf, der dann nach erfolgreicher Absolvierung der Rekrutenschule ihnen gehört. Einmal im Jahr absolvieren die beiden einen Wiederholungskurs», so Huber. Die Anforderungen an den Hund seien hoch. «Zu Hause ist der Hund ein Familienhund. Im Einsatz muss er aber auf Knopfdruck zum Diensthund werden.»

Foxx brilliert – trotz Pubertät

Bis Foxx so weit ist, muss noch einiges getan werden. «Für mich ist das eine völlig neue Aufgabe und Herausforderung», sagt Hasler. Neben Gehorsamkeit stehen Aufgaben wie Bellen, Beissen, Unterordnung, Folgen, Vorausschicken und Spielen an. Zudem darf Foxx nicht vor Unbekanntem oder Dingen, die ihm im Weg stehen, zurückschrecken. Seit dem Welpenalter ist Foxx mit seiner Züchterin auf dem Hof und in der Stadt unterwegs, begleitet sie im Auto und auf Zugfahrten, damit er auf seine zukünftige Aufgabe vorbereitet ist. «Die Ausbildung ist eine sehr zeitaufwendige Aufgabe», so Hasler.

Auch für Huber bedeutet dies einen enormen Zeitaufwand. Regelmässig besucht er die Züchter, um nach den Tieren zu schauen. «Wenn ich sehe, wie sich der Hund anstellt, kann ich den Züchtern helfen», sagt Huber. Diese seien in ihrer Aufgabe oftmals noch unsicher. Heute klappt aber –meistens – alles gut. Foxx bellt, wenn er muss, rennt, wenn er muss, und beisst auch zu, wenn er muss. Manchmal will er aber doch lieber herumtollen. «Ich mache mir bei ihm überhaupt keine Sorgen wegen der Zwischentests. Man darf nicht vergessen: Er ist erst neun Monate alt und noch ein liebevoller Tollpatsch», sagt Huber. Dem stimmt Hasler zu. «Er ist gerade ein wenig in der Pubertät.» In drei Monaten steht bei Foxx der obligatorische Gesundheitscheck in Bern an. Dann wird der Hund untersucht, um festzustellen, ob er auch körperlich fit ist.

Helden aus dem Thurgau

50 Hunde benötigt die Schweizer Armee jährlich. Ideal wäre, 100 Hunde ins Aufzuchtsprogramm aufzunehmen, für den Fall, dass einige aufgrund gesundheitlicher oder leistungsmässiger Probleme aussteigen. «Das Problem ist nicht, den richtigen Hund zu finden, sondern den richtigen Hundeführer», so Huber. Viele würden sich für die Funktion als Hundeführer interessieren, würden dann aber zurückschrecken. «Vielen wird erst später bewusst, dass sie dann wirklich einen eigenen Hund besitzen. Das bringt natürlich viel Verantwortung mit sich.» David Huber ist zufrieden. «Das Gesamtbild bei Foxx stimmt definitiv.» Auch Rosi Hasler ist zuversichtlich und ins Armeehundefieber gekommen.

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