Rekord hellt miesen Sommer auf

REGION AM SEE. Die Schwimmbäder in der Region am See verzeichnen die schlechtesten Besucherzahlen seit über zwanzig Jahren. Einzige Ausnahme ist der Monat August, während dem beispielsweise in Rorschach und Goldach Rekordfrequenzen erzielt wurden.

Rudolf Hirtl
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Assistenzbadmeister Silvan Wick hat den Strand der Karibikinsel Dominikanische Republik mit dem Freibad Goldach getauscht. (Bilder: Rudolf Hirtl)

Assistenzbadmeister Silvan Wick hat den Strand der Karibikinsel Dominikanische Republik mit dem Freibad Goldach getauscht. (Bilder: Rudolf Hirtl)

Region am See. Vor Jahresfrist kämpfte er sich noch in der Surfer-Hochburg Cabarete in der Dominikanischen Republik durch die Brandung und liess sich von haushohen Wellen zurück ans Ufer tragen. Diesen Sommer, wenn dieser denn als solcher zu bezeichnen ist, kümmert er sich als Assistenzbadmeister um das Wohlergehen und die Sicherheit von Badegästen im Freibad Goldach. Die Rede ist vom 50jährigen Silvan Wick, der sich vor 25 Jahren aufgemacht hat, die Welt zu erkunden. Die vergangenen 20 Jahre verbrachte er auf der Karibikinsel, ehe er seinen Anteil eines Wassersportzentrums verkaufte und in die Heimat zurückkehrte.

In 26 Jahren noch nie erlebt

«Im Juli wurde mir klar, weshalb ich damals die Schweiz verliess», sagt Wick schmunzelnd und spricht damit den Umstand an, dass der Hochsommermonat am Bodensee einmal mehr ins Wasser fiel; sich die Sonne nur äusserst spärlich zeigte. «Der verregnete Juli hat bei Angestellten und auch bei Badegästen auf die Stimmung gedrückt. Zum Glück hat dann die kurze, aber kräftige Hitzewelle im August einiges wieder wettgemacht», sagt Wick. Mag das Wetter noch so gut sein, nach den Schulferien lässt der Andrang in den Schwimmbädern erfahrungsgemäss deutlich nach, ist die Lust der Menschen nach Sonne und Wasser gesättigt. Diesmal war es völlig anders; sorgte der August für Rekordfrequenzen. In Goldach etwa am zweiten Augustsonntag, als gegen 2600 Gäste ins Freibad strömten.

«Es war die schlechteste Saison, die ich hier jemals erlebt habe», sagt auch Claudio Filli, der im Strandbad Rorschach vor 26 Jahren die Leitung übernommen hat. Allerdings hellen die Besucherzahlen im August auch seine Miene auf, denn über 2000 Gäste noch Mitte August hat auch er noch nie erlebt. «Allerdings reichen diese paar guten Tage nicht, um das Saisonergebnis in <normale> Bereiche zu heben.» Zum Vergleich: Im Hitzesommer 2003 besuchten 85 000 Sonnenhungrige das Strandbad Rorschach, in durchschnittlich guten Jahren sind es 50 000, diesen Sommer werden es deutlich unter 50 000 sein.

Claudio Fillis letzte Saison

Im kommenden Jahr nimmt Filli seine 27. und letzte Saison in Angriff. «Ich bin nun 54, und es ist höchste Zeit für eine Veränderung», begründet er seinen Schritt, der ihn in die Nähe seiner Heimat (Unterengadin) führen wird. In Tschierv im Val Müstair übernimmt er eine kleine Pension, wird aber den Kontakt zum See nicht gänzlich verlieren, da er das Restaurant bei der Sportanlage Kellen auch nach seinem Abschied im Schwimmbad weiterführen wird.

Zufrieden ist Filli mit der Auslastung der dem Strandbad angegliederten Jugendherberge, wo sich die Aufbauarbeit der vergangenen Jahre in einer kontinuierlich guten Auslastung niederschlage. Die Monate Juni, Juli und August sind jeweils ausgebucht, und auch in der restlichen Zeit wird das Youth Hostel am Bodensee von Gästen aus aller Welt für Übernachtungen gebucht. Einziger Wermutstropfen ist laut Claudio Filli der starke Franken, der zu einem spürbaren Rückgang bei deutschen Gästen führt. Allerdings ist der Einbruch nicht so dramatisch, dass er die Gesamtbilanz trüben könnte.

Zum Abschied ein Anfang

«Die Saison ist nicht schlecht», sagt Badhütte-Leiterin Marialuisa Togni und schwimmt damit sozusagen gegen den Strom. Die Erklärung liefert sie gleich mit. «Die Seebadeanstalt wird in allen wesentlichen Reiseführern erwähnt. Dies führt dazu, dass wir auch bei schlechtem Wetter nicht nur auf unsere Stammkunden zählen können, sondern auch viele Gäste von weiter her begrüssen dürfen.» Marialuisa Togni ist freilich nicht ganz «unschuldig» an der Popularität der Badhütte. Spätestens nachdem ihr Schlagerstar Hansi Hinterseer einen Besuch abstattete und auf ORF und ARD vom Rorschacher Unikat schwärmte, ist die Badhütte-Leiterin in aller Munde. Ebenso wie im Strandbad Rorschach und im Freibad Rorschach wird die Badhütte-Leiterin am Bettag ihre letzte Saison abschliessen. Am Samstag, 17. September, gibt's einen Abschiedsapéro und eine Ausstellung zum Thema «Dreierlei» von Uschi Pedrazzini. Damit schliesst sich für Marialuisa Togni ein Kreis, denn bereits bei der Eröffnung ihrer ersten Saison im Jahr 2000 waren Werke dieser Künstlerin zu sehen.

Claudio Filli wird 2012 sein Engagement im Strandbad beenden.

Claudio Filli wird 2012 sein Engagement im Strandbad beenden.

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