Reicher Futtertrog für «Seekuh»

SEEREGION. Seebadenden schlingt das wuchernde Seegras um die Beine. Viele empfinden es als lästig, manche reagieren gar panisch. Der schwimmende Mäher hat der Plage in Steinach und Horn ein Ende bereitet – bald auch in Goldach und Rorschach.

Max Eichenberger/Lea Müller
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Bahn frei für Schwimmer: Am Ufer des Bodensees ist die «Seekuh» unterwegs und mäht unter Wasser hoch gewachsenes Seegras. (Bild: Max Eichenberger)

Bahn frei für Schwimmer: Am Ufer des Bodensees ist die «Seekuh» unterwegs und mäht unter Wasser hoch gewachsenes Seegras. (Bild: Max Eichenberger)

Seeregion. Staunende Blicke erntet das tuckernde Wassergefährt, das langsam im Uferbereich des Bodensees herumkurvt und an eine schwimmende Mondlandefähre erinnert. In der Kabine sitzt Peter Stirnemann und zieht stoisch seine Bahnen im See. Der Kesswiler Unternehmer grast die mit gelben Bojen markierte Badezone mit seiner Seegras-Mähmaschine ab. Die Schwimmer im See sind ihm dankbar: denn die schmalblättrigen Laichkräuter sind im Uferbereich zünftig in die Höhe geschossen. Begünstigt durch die Sonneneinstrahlung, die Temperaturen und den ruhigen See mit geringer Wasserzirkulation wuchern sie stellenweise bis an die Oberfläche. Viele Badende stören sich an den schlingenden Wasserpflanzen.

Zehn Kubik an einem Tag

Peter Stirnemann rückt dem Unterwasser-Gestrüpp mit seiner Seegras-Mähmaschine zu Leibe. Im Volksmund wird sie liebevoll «Seekuh» genannt. In der vergangenen Woche war sie in Romanshorn, Arbon, Steinach und Horn unterwegs. Das 7-Tonnen-Ungetüm ist ziemlich gefrässig: Allein an einem Tag hat Stirnemann zehn Kubikmeter Seegras abgeladen. «In der nächsten oder übernächsten Woche bringe ich die <Seekuh> nach Goldach und Rorschach», sagt Peter Stirnemann. «Hier ist das Seegras etwas weniger schnell gewachsen als am Ufer in Steinach und Horn. Ich warte ab, bis es die ideale Länge zum Mähen erreicht hat.»

Angefordert wird die «Seekuh» von Gemeinden, aber auch direkt von Hafen- und Badibetreibern am Oberseeufer von Kreuzlingen bis Rorschach. «Früher war die <Seekuh> überall im Einsatz», erzählt der Kesswiler. «Heute mäht sie nur noch auf Bestellung.» In Rorschach wird sie unter anderem vor dem Schwimmbad und im Hafen beim Seerestaurant zum Einsatz kommen.

Das Seegras-Mähen füllt derzeit den Arbeitsalltag des Bergungs-Unternehmers Peter Stirnemann aus. «Seit zwölf Tagen bin ich jetzt schon unterwegs», sagt er. Zwischendurch muss er seiner «Seekuh» eine Verschnaufpause gönnen und den Motor abstellen, wenn dieser heissgelaufen ist.

Wasser eher trüb

Das Oberflächenwasser des Bodensees ist gegenwärtig etwas trüb. Die Flüsse haben Dreck vom vergangenen Unwetter in den See gespült. «Momentan sind die Verhältnisse nicht ideal», sagt Stirnemann. «Aber wenn ich bis etwa 1,5 Meter unter die Oberfläche sehen kann, komme ich gut voran.» Wie beim Rasenmähen steuert Stirnemann Bahnen – parallel zum Ufer. Das Seegras-Mähboot hat auf die neue Saison ein Lifting erfahren: statt in Mintgrün fährt es jetzt in Blau.

Schnitt bis 1,85 Meter tief

Ein Schneidebalken kappt das hochgetriebene Gras. «Hydraulisch ist es stufenlos verstellbar bis in eine Tiefe von 1,85 Meter», demonstriert Peter Stirnemann seine Maschine. Mechanisch wird das geschnittene grüne Seegras über ein Band ins Boot befördert. Ausserhalb von Badeplätzen und Hafeneinfahrten bleiben die Wasserpflanzen stehen. Als «biologisches Klärwerk» hat die Vegetation in Flachwassergebieten nämlich eine wichtige Funktion für das ökologische Gleichgewicht des Sees. Auch sind Wasserpflanzen die «Kinderstube» der Fische.