Rehkitze vor dem Mäher retten

Die Jagdgesellschaft Schaugen-Guggeien hat am Samstag eine Wiese nach im Gras verborgenen Rehkitzen abgesucht. Ziel der Aktion: Jungtiere vor der Mähmaschine retten. Zum Einsatz kam dabei eine Wärmebildkamera. Für einen Versuch mit einer Drohne war der Wind zu stark.

Claudia Schmid
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Zu viel Wind für die Drohne: Mit der Wärmebildkamera zu Fuss in der zu mähenden Wiese unterwegs. (Bilder: pd)

Zu viel Wind für die Drohne: Mit der Wärmebildkamera zu Fuss in der zu mähenden Wiese unterwegs. (Bilder: pd)

Frühmorgens trafen sich die Pächter des Jagdreviers Schaugen-Guggeien am Samstag in ihrer Jagdhütte im Neuwald. Momentan stehe das Thema Rehkitzrettung ganz oben auf der Aktivitätenliste, erklärte Obmann André Mätzener. «Im Mai und Juni ist die Gefahr gross, dass beim Mähen einer Wiese die wenige Tage alten Tiere von den Messern der Mäher verletzt werden.»

Herzzerreissendes Wehklagen

Gemäss Pächter Peter Weigelt starben letztes Jahr allein im Jagdgebiet Schaugen-Guggeien fünf Kitze durch die Mähmaschine. «Und das waren nur diejenigen, die uns auch gemeldet wurden», betonte der passionierte Jäger. Das Wehklagen des verletzten Kitzes und der Muttergeiss sei herzzerreissend. «Oft verendet das junge Tier erst viele Stunden, nachdem es verletzt wurde.»

Die Rehgeiss versteckt ihren Nachwuchs gerne im hohen Gras, um ihn vor Feinden wie beispielsweise dem Fuchs zu verstecken. Die Jungtiere verströmen keinen Geruch und so sind sie in den ersten Lebenswochen mit ihrem gepunkteten Fell gut getarnt.

Im Gras aufspüren

Um vor dem Mähen sicher zu sein, dass sich im hohen Gras keine Kitze verstecken, gibt es verschiedene Methoden. Ein gemeinsames Flugblatt des kantonalen Amts für Natur, Jagd und Fischerei, der Revierjagd St. Gallen und des St. Galler Bauernverbandes machen darauf aufmerksam. So kann es hilfreich sein, ein kurzes Stück der Wiese anzumähen und dann die Maschine einige Zeit stehen zu lassen. So hat die Muttergeiss die Chance, die Wiese mit ihren Kitzen zu verlassen. Blinklichter oder weisse Tücher können die gleiche Wirkung haben.

Zu viel Wind für die Drohne

Am Samstag probierte die Jagdgesellschaft Schaugen-Guggeien eine weitere Methode zum Absuchen von Wiesen aus, weshalb Drohnenpilot Norbert Feldmann mit von der Partie war. Eine Wärmebildkamera, die am Fluggerät befestigt ist, soll die unsichtbaren Rehkitze im hohen Gras aufspüren. Der starke Wind verhinderte diesmal jedoch den Einsatz der Drohne. So machte sich die Gruppe mit der Wärmebildkamera zu Fuss auf, um die Wiese fast zwei Stunden lang abzusuchen.

Auf Fiepen reagiert

Die Suche blieb schliesslich ergebnislos. Es sei aber gut möglich, dass eine Muttergeiss ihr Junges während der Vorbereitung der Aktion unbemerkt in Sicherheit gebracht habe, erklärte André Mätzener. Kurz zuvor hatte er mit einer Pfeife das Fiepen eines Kitzes simuliert. Und prompt zeigte sich daraufhin eine Rehgeiss am Waldrand, um aber nach wenigen Sekunden wieder zu flüchten. Dies deute sehr darauf hin, dass sich ein Rehkitz im Gras aufgehalten habe, betonte Pächter Markus Bischof.

Viel Aufwand für die Hege

Das Jagdgebiet Schaugen-Guggeien im Osten der Stadt St. Gallen umfasst rund 650 Hektaren, wovon 160 Hektaren Wald sind. Der grösste Teil des Waldes gehört der Ortsbürgergemeinde St. Gallen. Vier Jagdpächter sind für das Gebiet zuständig. Die meisten Stunden ihres Einsatzes verbringen sie mit dem Hegen und Pflegen des Wildbestandes und des Lebensraums. «Das Bejagen der Tiere ist nur ein kleiner Teil unserer Arbeit», sagt Peter Weigelt. Das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei gibt vor, wie viele Tiere die Jäger in einem Revier pro Jahr erlegen müssen. Ziel ist es, eine gesunde Population zu erhalten.

Laut den Jagdpächtern gibt es im Gebiet Schaugen-Guggeien vor allem Rehe, Füchse und Dachse. Im Schaugentobel lebe aber auch eine kleine Population Gemsen, die man allerdings nicht bejage. Da der Wald als Naherholungsgebiet für die Stadtbevölkerung diene, werde das Wild im ganzen Gebiet oft ungebührlich stark gestört. Vor allem freilaufende Hunde gefährdeten die Tiere. Auf der Rehetobel- und der Martinsbruggstrasse unterhält die Jagdgesellschaft seit einigen Jahren Warngeräte, welche die Rehe, Füchse und Gemsen vor dem Überqueren der Strassen abhalten. Dadurch konnte das Fallwild reduziert werden.

Drohne mit Wärmebildkamera: Moderne Technik soll «das Vermähen» von Rehkitzen verhindern helfen.

Drohne mit Wärmebildkamera: Moderne Technik soll «das Vermähen» von Rehkitzen verhindern helfen.

Interpretationsbedürftig: Das Bild, das die Wärmebildkamera von der Wiese liefert.

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Wollen die Jäger verhindern: Ein Rehkitz, das 2014 «vermäht» wurde und dem dabei die Hinterläufe abgeschnitten wurden.

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