«Rehe sind sehr aggressiv»

Im Wildpark Peter und Paul gibt es keine Rehe. Warum eigentlich nicht? Wildhüter Walter Signer erklärt auf einem Rundgang, warum sie ihm nur Probleme bereiten würden.

Roger Berhalter
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Sieht aus wie Bambi, ist aber ein Hirsch: Weibliche Damhirsche im Wildpark Peter und Paul. (Bilder: Michel Canonica)

Sieht aus wie Bambi, ist aber ein Hirsch: Weibliche Damhirsche im Wildpark Peter und Paul. (Bilder: Michel Canonica)

Nein, das ist kein Reh. Auch wenn das Tier im Damhirschgehege aussieht wie Bambi aus dem Bilderbuch: dünne Beine, rotbraunes Fell, weiss gepunkteter Rücken. «Wir müssen das unseren Besuchern immer wieder erklären», sagt Parkwärter Walter Signer vom Wildpark Peter und Paul.

Seit den 1940ern nicht mehr

An diesem Mittwoch führt er mit seiner Frau Regula eine Handvoll Besucher durch den Wildpark, anlässlich der aktuellen Reh-Ausstellung im Naturmuseum. «Besuch bei den Verwandten» heisst die Führung, die von den Steinböcken über die Damhirsche bis zu den Murmeltieren führt. Dabei erklärt es Signer gerne noch einmal: Auch wenn sie kein Geweih tragen, handelt es sich bei den Tieren in den Hirschgehegen nicht um Rehe, sondern um weibliche Hirsche. Im Wildpark Peter und Paul gibt es seit den 1940er-Jahren keine Rehe mehr – und das ist laut Signer auch gut so: «Wir sind nicht traurig darüber. In der Haltung ist das Reh ein Problemtier.» Seine Frau Regula ergänzt: «Im Vergleich zum Reh sind Hirsche einfach zu halten.»

Scheue Feinschmecker

Der Laie mag darüber staunen, dass ausgerechnet ein so beliebtes und verbreitetes Tier wie das Reh im Wildpark nicht zu sehen ist. Doch der Profi weiss, warum. «Rehböcke sind sehr aggressiv gegenüber Pflegern», sagt Walter Signer. Im Tierpark Goldau im Kanton Schwyz zum Beispiel habe man die Böcke kastrieren müssen. «Damit sie ruhiger sind.»

Rehe sind nicht nur aggressiv, sondern auch anspruchsvoll, wenn es um das Futter geht. Im Gegensatz zu Hirschen geben sie sich nicht mit Heu zufrieden, sondern brauchen leicht verdauliche Knospen, Kräuter und junge Blätter. All das bereitzustellen, wäre für die Pfleger aufwendig und schwierig.

Es gibt noch weitere Unterschiede zwischen Reh und Hirsch: So sind Rehe viel kleiner, ihr Geweih ist viel leichter. Sie sind Einzelgänger und schliessen sich nur im Winter zu Rudeln zusammen. Schliesslich sind Rehe laut Signer äusserst scheue Tiere. «Sie brauchen Rückzugsmöglichkeiten. Hätten wir Rehe im Wildpark, wäre die Wahrscheinlichkeit sehr klein, dass sie sich untertags zeigen.»

Zucht funktioniert nicht

Aus all diesen Gründen zieht Signer ein klares Fazit: «Rehzucht funktioniert nicht. Ich kenne niemanden, dem das über die zweite Generation hinaus gelungen ist.» Deshalb kümmert er sich lieber um seine Hirsche. Und erklärt geduldig jedem Besucher, dass es sich dabei nicht um Rehe handelt.

Walter Signer Parkwärter Peter und Paul (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

Walter Signer Parkwärter Peter und Paul (Bild: Michel Canonica (Michel Canonica))

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