Reglement hat nichts verändert

Die Förderung des gemeinnützigen Wohnens ist in St. Gallen seit über einem Jahr reglementiert. So hat es das Stimmvolk an der Urne entschieden. Mehr Genossenschaftswohnungen gab es deswegen aber nicht.

Elisabeth Reisp
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Genossenschaftliches Wohnen, wie hier an der Schorenstrasse, gibt es in St. Gallen seit über hundert Jahren. (Bild: Olivia Hug)

Genossenschaftliches Wohnen, wie hier an der Schorenstrasse, gibt es in St. Gallen seit über hundert Jahren. (Bild: Olivia Hug)

Die Bürgerschaft hatte es im Herbst 2013 an der Urne so beschlossen: Die Massnahmen, welche die Stadt zur Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus ergreifen soll, sind nun reglementiert. Hat sich mit dem politischen Vorstoss überhaupt etwas verändert? «An den Massnahmen hat sich de facto nichts verändert», sagt Bausekretär Fredi Kömme. Die Massnahmen, welche die Initiative vorsah, wurden schon zuvor von der Stadt so umgesetzt.

«Stadt, ein guter Partner»

«Die Stadt hat immer wieder eigenes Bauland zu günstigen Bedingungen abgegeben», sagt Kömme. Auch war die Stadt bereits vorher an verschiedensten Genossenschaften und Stiftungen beteiligt und in deren Gremien vertreten. Zudem habe die Stadt schon früher mehrfach Finanzhilfen und Darlehen gewährt.

Ähnlich sieht man das auch bei der Wohnbaugenossenschaft Sektion Ostschweiz. Deren Geschäftsführer Jacques-Michel Conrad erkennt in der Reglementierung hauptsächlich den Wert der Verpflichtung: «Sollte das Engagement der Stadt diesbezüglich irgendwann nachlassen, könnten Genossenschaften auf das Reglement pochen.» Derzeit bestünde aber keinerlei Handlungsbedarf. «St. Gallen ist seit Jahren ein sehr guter Partner für Genossenschaften.»

Versicherungskassen bauen viel

In der Stadt gibt es 3040 genossenschaftliche Wohnungen und 33 gemeinnützige Wohnbauträger, die allermeisten als Rechtsform Genossenschaft.

Genossenschaftliche Grossprojekte werden in St. Gallen nur alle paar Jahre realisiert. «Dabei wäre dies wünschenswert», sagt Bausekretär Kömme. Derzeit sei ein grosses genossenschaftliches Projekt im Entstehen, die Wohnüberbauung Sturzenegg unterhalb des Gübsensees. Die Stadt sei sehr daran interessiert, dass Genossenschafter in St. Gallen aktiver werden. So, wie sie es etwa in Zürich und Bern sind. Hier gebe es vor allem Versicherungskassen, die bauen.

Die Stadt schreibt daher demnächst ein Grundstück an der Heimstrasse im Lerchenfeld aus, das genossenschaftlich überbaut werden soll. «Das Grundstück bietet Platz für 40 bis 50 Wohneinheiten», sagt Fredi Kömme und fügt an: «Dies wäre aber auch ohne Reglement geschehen.» Aktiver könne die Stadt auch mit dem Reglement kaum handeln. Es obliege den Genossenschaften, initiativ zu werden. Und dies tun sie im bisherigen Rahmen. Regelmässig stellt die Stadt bestehende Immobilien Genossenschaften im Baurecht zur Verfügung.

Eigeninitiative ist gefragt

Nach Ansicht von Jacques-Michel Conrad sollte es mehr gemeinnützige Wohnungen geben. «Nicht nur durch Neubau, sondern auch durch den Kauf bestehender Liegenschaften.» Zwar seien neue Genossenschaftswohnungen am Anfang nur unwesentlich günstiger. Da sie aber dem spekulativen Markt entzogen werden, zahle sich das nachhaltig aus. Conrad wünscht sich, dass auch Private die Initiative ergreifen und kleine Genossenschaften gründen. Der Bedarf sei ausgewiesen. Es gebe bereits Wartelisten für solche Objekte.