Regional statt kommunal

Die regionale Fachbehörde Kindes- und Erwachsenenschutz Region Rorschach ersetzt ab September die kommunalen Vormundschaftsämter in der Region. Ihren Sitz hat sie im Neubau am Breitenweg 5 in Goldach.

Andrea Sterchi
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In diesem Neubau am Breitenweg 5 in Goldach zieht die neue regionale Fachbehörde Kindes- und Erwachsenenschutz Region Rorschach ein. (Bild: Andrea Sterchi)

In diesem Neubau am Breitenweg 5 in Goldach zieht die neue regionale Fachbehörde Kindes- und Erwachsenenschutz Region Rorschach ein. (Bild: Andrea Sterchi)

REGION. Goldach und Rheineck sind die ersten von zehn Gemeinden, die an der Bürgerversammlung dem Beitritt zum Zweckverband Kindes- und Erwachsenenschutz Region Rorschach zugestimmt haben – oppositionslos. Eine Zustimmung ist auch in den anderen Gemeinden zu erwarten. Mit der neuen regionalen Fachbehörde erfüllen die Gemeinden eine Vorgabe des Bundes. Das seit 1912 bestehende Vormundschaftsrecht ist bei der Revision des Zivilgesetzbuches modernisiert worden, das neue Kindes- und Erwachsenenschutzrecht tritt am 1. Januar 2013 in Kraft.

Fachkenntnisse für Abklärung

Das neue Recht wertet vor allem den Grundrechtsschutz, das Recht auf Selbstbestimmung und die Hilfe zur Selbsthilfe stärker. Dies macht vertiefte Abklärungen nötig und fordert entsprechende Fachkenntnisse. Deshalb ersetzt eine regionale, interdisziplinäre Fachbehörde die bisherigen kommunalen, nebenamtlichen Vormundschaftsbehörden. Wegen der hohen Anforderungen und aus Kostengründen können und wollen vor allem kleine Gemeinden die Aufgabe nicht selbst erfüllen. Im Kanton St. Gallen sind deshalb neun regionale Organisationen geplant. In unserer Region haben sich Goldach, Rorschach, Rorschacherberg, Untereggen, Tübach, Steinach, Mörschwil, Berg, Thal und Rheineck zum Zweckverband Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde zusammengeschlossen. Unter dem Vorbehalt, dass in allen Gemeinden an den Bürgerversammlungen dem Beitritt zugestimmt wird.

Zentraler Standort

Die neue regionale Behörde nimmt ihre Arbeit Anfang September auf. Ihren Sitz hat sie am Breitenweg 5 in Goldach. Dort bezieht sie die Räume im Erdgeschoss und eine Wohnung im ersten Stock. Dass die Behörde in Goldach residiert, ist laut Gemeindepräsident Thomas Würth «ein praktischer Entscheid. Es war klar, das sie zentral gelegen sein muss. Da kamen nur Rorschach, Rorschacherberg und Goldach, eventuell noch Thal, in Frage.» In den anderen Gemeinden habe sich nichts Passendes gefunden.

Schlanke Organisation

Organisiert ist der Zweckverband wie folgt: Oberstes Gremium ist die Delegiertenversammlung. Gemeinden mit bis 3000 Einwohnern stellen einen Delegierten, solche mit bis 6000 zwei, solche mit über 6000 drei Delegierte. Die Delegiertenversammlung wählt den Verwaltungsrat. Goldach, Rorschach, Rorschacherberg und Thal stellen je drei Vertreter, Rheineck, Mörschwil, Steinach, Tübach, Berg und Untereggen je zwei. Der Verwaltungsrat führt den Zweckverband. Die eigentliche Fachbehörde ist der sogenannte Spruchkörper, der die heutigen Vormundschaftsbehörden ersetzt. Ihm gehören Fachpersonen aus der Rechtswissenschaft, Psychologie, sozialen Arbeit, aus Medizin und Pädagogik an. Der Präsident der Behörde sowie die Leitung der Bereiche Kindes- und Erwachsenenschutz und Berufsbeistandschaft, die ebenfalls im Zweckverband geführt wird, sind bereits benannt. Die Ausschreibung für die weiteren Mitarbeiter läuft. Geplant sind neun bis zehn Vollzeitstellen, verteilt auf zehn bis fünfzehn Personen.

Kostenanteil nach Grösse

Der Zweckverband führt eine eigene Rechnung. Das Budget rechnet vorerst mit einem Aufwand von 1,6 Millionen Franken. Die Verbandsgemeinden tragen die Kosten zu 65 Prozent im Verhältnis ihrer Einwohnerzahl und zu 35 Prozent im Verhältnis der tatsächlichen Fälle am Stichtag (siehe Tabelle). Den grössten Anteil trägt die Stadt Rorschach mit 380 000 Franken, den tiefsten Berg mit 24 000 Franken. Jede Gemeinde leistet zusätzlich einmalig eine Zahlung über die Hälfte ihres Jahresbeitrags. Nicht enthalten sind die Kosten für die Massnahmen.