Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

REGION: Wittenbacher Wirt pachtet Dorfbeiz in Oberbüren

Qaisar Butt, Pächter des «Hirschen», übernimmt auch den «Sonnenhof» in Oberbüren. Geführt wird die Landbeiz von einem Ehepaar, das im «Hirschen» ausgebildet wurde.
Adrian Lemmenmeier
Pachtet neu auch den «Sonnenhof» in Oberbüren: Qaisar Butt, hier vor dem Hirschen in Wittenbach. (Bild: Michel Canonica)

Pachtet neu auch den «Sonnenhof» in Oberbüren: Qaisar Butt, hier vor dem Hirschen in Wittenbach. (Bild: Michel Canonica)

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

Restaurants mit verrammelten Türen gehören auf dem Land mittlerweile fast genauso zum Ortsbild wie Geranien auf Fensterbrettern. Viele Beizer zieht es in die Stadt. Aber nicht alle: Qaisar Butt, Pakistani aus Winterthur, geht den umgekehrten Weg. Seit vergangenem Mai pachtet er den Wittenbacher «Hirschen», neu auch den Oberbürer «Sonnenhof».

Der «Sonnenhof» ist ein Folgeprojekt des «Hirschen». Dort bildet der gelernte Hotelier Butt Quereinsteiger zu Gastronomen weiter. Sie machen ein Praktikum und erhalten neben 2200 Franken Monatslohn eine Ausbildung an der Ostschweizer Gastronomiefachschule finanziert. Für Ernst und Marjorie Bleiker ist die Weiterbildung im «Hirschen» bereits beendet. «Sie können jetzt ohne Weiteres selber ein Restaurant führen», sagt Qaisar Butt. Ab Mai kochen und bedienen die beiden im «Sonnenhof». Butt tritt als Geschäftsführer auf. Das Restaurant wird ohne Unterbruch weitergeführt.

Mehlsuppe predigen, Mehlsuppe kochen

Genau wie im «Hirschen» setzt Qaisar Butt auch im «Sonnenhof» auf gute bürgerliche Schweizer Kost. Rösti und Rosenkohl statt Pizza oder Pide. «Wir bilden unsere Leute im ‹Hirschen› im Bereich der traditionellen schweizerischen Küche aus», sagt Butt. Es sei nur konsequent, wenn sie danach jene Gerichte anbieten würden, die sie gelernt hätten. «Wir wollen nicht Mehlsuppe predigen und Pekingente servieren.»

Das Restaurant Sonnenhof in Oberbüren. (Bild: Philipp Stutz)

Das Restaurant Sonnenhof in Oberbüren. (Bild: Philipp Stutz)

Qaisar Butt, im pakistanischen Lahore aufgewachsen und seit 20 Jahren in der Schweiz, kennt die hiesige Gastroszene. Er hat an der Ostschweizer Gastronomiefachschule seinen ersten Vorkurs gemacht und später die Hotelfachschule in Thun absolviert. Butt weiss, wie es um die Beizen steht. Er weiss, wie schwierig es für manchen Wirten ist, eine Nachfolge für den Betrieb zu finden. «Viele junge Leute in der Schweiz sind nicht daran interessiert, ein Restaurant zu führen», sagt er. Das liege hauptsächlich daran, dass einem das Wirten wenig Freizeit lasse. «Oft muss man an Wochenenden arbeiten.»

In seinem Unternehmen will Butt Nachfolgerinnen und Nachfolger für Beizen ausbilden. «Wir haben immer wieder Anfragen, ob wir jemanden in unserem Betrieb hätten, der bereit sei, ein Restaurant weiterzuführen.» Derzeit werden im Wittenbacher «Hirschen» vier Leute ausgebildet. Beraten wird Qaisar Butt von Josef Müller-Tschirky, dem ehemaligen Kantonalpräsidenten von Gastro St.Gallen. Müller-Tschirky zufolge deckt diese Ausbildung eine Nische ab: Die Praktikanten könnten so ein eidgenössisches Diplom erwerben, ohne grosse Summen in die Hand zu nehmen.

Ein Mittagsmenü statt drei

Wie schwierig es ist, eine Landbeiz erfolgreich zu führen, erfährt Qaisar Butt derzeit am eigenen Leib. «Der ‹Hirschen› läuft nicht erwartungsgemäss», sagt der Hotelier. «Es gibt gute Tage, da ist das Restaurant am Mittag voll», sagt Butt. Manchmal aber seien nur zwei Gäste da. «Wir haben deshalb Anpassungen machen müssen», sagt Butt. Diese betreffen die Speisekarte. Im letzten Jahr habe man jeden Tag drei verschiedene Mittagsmenüs angeboten. Jetzt ist es noch eines – neben anderen Gerichten, die man à la carte bestellen kann.

Wenn bereits der «Hirschen» unter den Erwartungen bleibt, ist Butt dann nicht besorgt, dass es auch mit dem «Sonnenhof» schwierig wird? «Nein», sagt er. «Es geht nicht darum, reich zu werden, sondern darum, dass die Kosten gedeckt sind und die Löhne ausbezahlt werden.» Das sei im Hirschen nach wie vor der Fall. «Wir machen weiter», sagt Butt. Er könne sich sogar vorstellen, noch ein weiteres Restaurant zu betreiben. Aber es müsse eine traditionelle Beiz mit Schweizer Küche sein. «Wenn möglich im Kanton St.Gallen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.