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REGION: Warmer Januar: Frühlingsgefühle beflügeln nicht alle

Des einen Freud, des anderen Leid. Das gilt auch für den bisher zu milden Winter. Während sich viele Menschen über die Märzstimmung im Januar freuen, bräuchte die Natur dringend eine Kälteperiode.
Corinne Allenspach
Saftig grüne Wiesen und Temperaturen wie im März: Das lockt dieser Tage Mensch und Tier nach draussen, hier beim Schloss Watt in Mörschwil. (Bilder: Hanspeter Schiess (29. Januar))

Saftig grüne Wiesen und Temperaturen wie im März: Das lockt dieser Tage Mensch und Tier nach draussen, hier beim Schloss Watt in Mörschwil. (Bilder: Hanspeter Schiess (29. Januar))

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Der Hasel blüht, Schneeglöckchen und Krokusse ebenfalls, und wer dieser Tage im Gartencafé sitzt, kann die Winterjacke getrost über die Stuhllehne hängen. Märzstimmung im Januar, die herrscht bei Mensch und Natur. Im langjährigen Mittel kann man im Mittelland im Januar gemäss «SRF Meteo» rund acht Tage mit Dauerfrost erwarten. Dieses Jahr gab es vielerorts noch keinen einzigen Eistag. Als solchen bezeichnet man einen Tag, an dem die Temperatur ganztags nicht über null Grad steigt. Dabei wären Frost und Schnee für viele Tiere und Pflanzen überlebenswichtig. So sind sich in der Region St.Gallen vom Wildhüter über den Förster bis zu Vertretern aus Naturschutz und Landwirtschaft alle einig: «Wir wären froh, wenn die Kälte im Februar noch käme», sagen sie.

Zwei tote Dachse eingesammelt

Überbewerten will die milden Januar-Temperaturen aber niemand. «Das gab es auch in früheren Jahren schon», sagt Wildhüter Mirko Calderara. Für die Tiere im Wald sei der milde Winter eher positiv. So haben es viele derzeit einfacher, an Nahrung zu kommen als in schneereichen Wintern. Die Rehe etwa mit den Brombeeren. Trotzdem müsse man beachten, dass die Tiere ihre Ruhe bräuchten, damit sie so wenig Energie wie nötig aufwenden müssen. Denn Nahrung ist im Winter generell nicht allzu reichlich vorhanden. Mirko Calderara beobachtet auch, dass einige Tiere aktiver sind als normalerweise im Winter. Etwa der Dachs, der sonst um diese Zeit Winterruhe hält und am Schlafen wäre. «Ich musste kürzlich auf Stadtgebiet gleich zwei überfahrene Dachse einsammeln», sagt Calderara. Auch Jonas Barandun vom Naturmuseum St.Gallen hat bereits vereinzelt Tiere gesehen, die nicht am Schlafen sind. «Das ist nicht gesund», sagt er. «Wenn Tiere nicht richtig schlafen können, verbrauchen sie unnötig Energie.» Daher könne es sein, dass die Sterblichkeitsrate dieses Jahr bei gewissen Tierarten höher sei als üblich.

Mäuse sind eher Verlierer, die Vögel Gewinner

Dramatisieren will aber auch Barandun die Situation nicht. «Wir haben schon etliche Jahre mit milden Wintern erlebt.» Ausserdem habe es ja zwischendurch immer wieder eine Frostnacht gegeben. Und wie immer in der Natur, gebe es Gewinner und Verlierer. Profiteure des aktuellen Wetters sind gemäss Barandun beispielsweise die Vögel, inklusive Raub- und Wasservögel. Eher am Leiden seien die Amphibien und die Mäuse. Letzteren geht es am besten bei durchgehender Schneedecke. Dann sind sie vor Raubvögeln und Katzen geschützt und können sich ungestört vermehren.

Eine längere Kälteperiode mit «ein, zwei Wochen richtigem Frost», das wünscht sich auch Benjamin Gautschi, Revierförster im Forstrevier Rorschach-Sitter. In erster Linie für die Natur, denn es gebe Baumarten wie Fichten oder Lärchen, deren Samen Frost brauchen, um keimen zu können. Auch wenn Laien denken, zumindest all jene, die draussen arbeiten, hätten Freude am milden Wetter: Dem ist nicht so. «Minus fünf Grad und kein Schnee, das wäre unser Wunschwetter», sagt Gautschi. Denn bei durchgehend gefrorenem Boden mache man nichts kaputt beim Holzen. Warm und feucht hingegen, wie aktuell, sei schlecht für den Schutz des Bodens. Darum müsse man derzeit bei gewissen Arbeiten wie etwa dem Holzschlag an Waldrändern umdisponieren oder sie gleich ganz um ein Jahr verschieben. Generell, so betont Gautschi, sei der milde Januar eher für die Menschen ein Problem als für die Natur: «Auch deshalb, weil wir nicht das Gefühl haben, es sei Winter.»

Pilze und Schädlinge mögen’s warm

Auch beim Landwirtschaftlichen Zentrum Salez will man noch nicht von einem Problem sprechen. «Wir warten erst einmal den Februar ab», sagt Rolf Künzler von der Fachstelle Gemüsebau. Ob und wie sich der bisher milde Winter auf die Landwirtschaft auswirke, könne man noch nicht beurteilen. Sicher ist: Auch in der Landwirtschaft wäre man um eine Kälteperiode froh. Und zwar möglichst rasch und nicht erst im Frühling. Was dann passiere, habe man vergangenes Jahr gesehen mit dem späten Schnee im April. Bleiben die Temperaturen im Februar so mild wie bisher, müsste man gemäss Künzler damit rechnen, dass es Auswirkungen auf das Wachstum von Pilzen und Schädlingen habe. Denn für gewisse Insekten gilt: Je höher die Temperatur, desto höher ist ihre Vermehrungsrate. Auch Pilze mögen es lieber wärmer. Aber eben, für derlei Aussagen sei es im Moment schlicht noch zu früh. Und die Wetterprognosen der kommenden Tage lassen ja für die Natur Gutes erhoffen: Der Winter schafft es dieses Jahr wohl doch noch ins Flachland.

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