«Region Rorschach ist gefragt»

Als Standortförderer unterstützt, berät und überzeugt der Goldacher Beat Ulrich neue und ansässige Firmen, in den Kanton St. Gallen zu ziehen oder hier zu bleiben. So auch die Würth-Gruppe, die in Rorschach am See baut.

Andrea Sterchi
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Beat Ulrich bei seiner Rede anlässlich des Spatenstichs zum Bau des Verwaltungsgebäude und Ausbildungszentrums der Würth-Gruppe. (Bild: pd)

Beat Ulrich bei seiner Rede anlässlich des Spatenstichs zum Bau des Verwaltungsgebäude und Ausbildungszentrums der Würth-Gruppe. (Bild: pd)

goldach. Würth, Sigma-Aldrich, Aldi oder Stürm, Trunz, Vogel Fenster, sie alle haben eines gemeinsam – sie sind von ihrem Firmenstandort im Kanton St. Gallen überzeugt. Oder überzeugt worden. Von Beat Ulrich beispielsweise, Leiter der Standortpromotion beim Kanton. «Unsere Philosophie ist es, unser Produkt, den Wirtschaftsstandort Kanton St. Gallen, weiterzubringen und zu vermarkten.» Um neue Firmen in den Kanton zu holen und um bereits ansässige hier zu behalten.

Liste geeigneter Immobilien

Sucht eine Firma einen Standort für eine neue Niederlassung oder um zu erweitern, muss Beat Ulrich geeignete Immobilien «parat» haben. «Dafür haben wir mit den Wirtschaftsregionen und den Gemeinden eine Web-Lösung erarbeitet, die auflistet, wo welche Fläche oder Gebäude vorhanden sind, wo gebaut werden kann, wo umgezont werden müsste.» Ebenfalls erfasst ist der Grad der Verfügbarkeit. «Wir müssen schnell handeln können», sagt Ulrich. Nur wer bei einer Anfrage entsprechend anbieten könne, bleibe im Auswahlverfahren.

Anfrage von Würth

So war es auch bei der Würth-Gruppe. «Beim ersten Kontakt anfangs 2007 zeigte sich: wenn der Kanton in Frage kommt, dann in der Nähe des Business Airports», erzählt Ulrich. Es sei wichtig gewesen, rasch ein Angebot erarbeiten und mögliche Standorte vorschlagen zu können. Dabei kam auch der Standort am See in Rorschach bald ins Spiel. «Als Goldacher wusste ich, dass die Stadt und die SBB in einer gemeinsamen Planung für eine neue Nutzung waren.» Ein grosser Vorteil, deshalb standen bereits Unterlagen für die nächsten Schritte zur Verfügung.

Kontakt zu Firmen suchen

Doch nicht nur die Immobilie ist entscheidend, wichtig ist auch der persönliche Kontakt. Regelmässig besucht Beat Ulrich Unternehmen, um zu erfahren, welche Investitionen sie planen, wie ihre Immobiliensituation ist, ob Neuentwicklungen anstehen. Rund 200 Gespräche führen er und seine Kollegen im Jahr. «Meine Rolle ist es sicher nicht, am Schreibtisch zu sitzen», lacht er.

Region schmackhaft gemacht

Auch um die Würth-Gruppe für Rorschach zu gewinnen, setzte Beat Ulrich auf die persönliche Beziehung. Er war zusammen mit Vertretern der Stadt in Deutschland, empfing Delegationen, fuhr mit ihnen durch die umliegenden Gemeinden, zeigte ihnen, was die Region zu bieten hat.

Geld fliesst keines

Beat Ulrich und sein Team überzeugen die Firmen mit Argumenten und raschem Service, nicht mit Geldgeschenken. «Das Standortförderungsgesetz sieht dies nicht vor.» Gemäss Steuergesetz sind Steuererleichterungen möglich. «Für neue wie für ansässige Firmen gelten die gleichen Bedingungen. Sie sind im Grundsatz möglich, wenn die Firmen für den Kanton Innovation bringen und eine volkswirtschaftliche Bedeutung haben.» Entscheiden würde die Regierung. Bei 127 Neuansiedlungen zwischen 2007 und 2010 hätten steuerliche Erleichterungen bei den wenigsten eine Rolle gespielt, sagt er. «Die Steuern sind nicht der wichtigste Faktor, zumal in der Schweiz die Besteuerung im Vergleich zum Ausland ohnehin attraktiv ist.»

Und wie würde er die Region Rorschach verkaufen? «Hohe Lebensqualität mit dem See und der Nähe zur Stadt St. Gallen, Immobilien zu vernünftigen Preisen, gute Verkehrsanbindung mit Airport, Bahn und Strasse», zählt er auf. Neuansiedlungen wie die der Würth-Gruppe oder Bauten einheimischer Firmen wie der Stürm AG lösen eine positive Bewegung in der Region aus. Seiner Meinung nach hat die Wahrnehmung der Region gedreht. «Die Bevölkerung wird als sehr offen angesehen. Eine Zustimmung von 89% bei der Würth-Neuansiedlung ist nicht selbstverständlich.» All dies zeige: «Die Region Rorschach ist gefragt.»