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REGION RORSCHACH: Ein neuer Anwalt für den Wald

Revierförster Reto Bless verlässt nach knapp sechs Jahren das Forstrevier Rorschach. Sein Nachfolger Hanspeter Müller hat heute seinen ersten Arbeitstag. Der 53-Jährige setzt auf eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes.
Linda Müntener
Der ehemalige Rorschacher Revierförster Reto Bless (l.) zeigt seinem Nachfolger Hanspeter Müller das Waldgebiet. (Bild: Linda Müntener)

Der ehemalige Rorschacher Revierförster Reto Bless (l.) zeigt seinem Nachfolger Hanspeter Müller das Waldgebiet. (Bild: Linda Müntener)

REGION RORSCHACH. Es ist ruhig an diesem Morgen im Goldacher Witenwald. Die Sonne strahlt durch die Baumkronen, ein Spaziergänger biegt gerade in den Waldweg ein. Ab heute ist dies der Arbeitsplatz von Hanspeter Müller. «Ich kann mir keinen schöneren Arbeitsplatz vorstellen», sagt er. Der 53-Jährige ist ab heute offiziell neuer Revierförster des Forstreviers Rorschach.

Als Revierförster ist Müller Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Wald. Im Forstrevier Rorschach betreut er rund 800 Hektaren Wald, verteilt auf sieben Gemeinden. Die Umgebung ist für den diplomierten Förster noch neu. Er war in seiner beruflichen Laufbahn als Revierförster im Kanton Basel-Stadt und zuletzt als Rundholzeinkäufer eines Grosssägewerks im Berner Oberland tätig. Im Büro fehlten Müller die Natur und die Arbeit im Freien. «In keinem anderen Beruf kann man derart aktiv Einfluss auf die langfristige Entwicklung der Natur nehmen», sagt er. So zog es ihn zurück in den Wald und damit in die Region Rorschach.

Kontakt zu Waldbesitzern

Hanspeter Müller tritt die Nachfolge von Reto Bless an. Dieser wechselt nach knapp sechs Jahren im Forstrevier Rorschach ins Forstrevier Kaltbrunn. «Ich hatte hier eine schöne, spannende Zeit und nehme viele gute Erfahrungen mit», sagt Bless. In den sechs Jahren sei der Wald «wahnsinnig gewachsen» und befinde sich in einem guten Zustand. 40 000 Kubikmeter Holz wurden in dieser Zeit genutzt – das entspricht einem beladenen Holz-Güterzug auf der Strecke von Rorschach bis St. Fiden. In guter Erinnerung bleiben Bless auch die Waldführungen mit Schulklassen, der Waldspielgruppe oder anderen Interessierten. Genauso wie die Zusammenarbeit mit den über 600 Waldeigentümern. «Den Kontakt zu den Waldeigentümern habe ich sehr geschätzt», sagt Bless. Diese Zusammenarbeit ist auch Hanspeter Müller ein Anliegen. Denn auf die Gestaltung des Privatwaldes hat der Revierförster nur indirekt Einfluss. Im Gegensatz zum Schutzwald ist er hier beratend tätig, nimmt sozusagen die Funktion des Anwalts für den Wald ein. Deshalb ist es Müller wichtig, ein Vertrauensverhältnis zu den Waldeigentümern aufzubauen. Einige hat er bereits kennengelernt. «Ich habe den Eindruck, dass sie sich sehr für die Waldpflege interessieren und mir gegenüber offen sind.»

Finanzielle Lage ist angespannt

Eine gute Voraussetzung für die Arbeit in einer angespannten Zeit für die Branche. «Der finanzielle Druck ist gross», sagt Müller. Seit der Aufhebung des Euromindestkurses sind die Schweizer Holzpreise stark gesunken. Auch durch die zunehmende Globalisierung werde der Import finanziell interessant. «Wenn der Waldbesitzer letztlich draufzahlt, kann man ihn nicht dazu zwingen, seinen Wald zu pflegen», sagt Müller. Als Revierförster fühle man sich machtlos. Er könne den Waldbesitzern bei der Holzvermarktung lediglich beratend zur Seite stehen und Öffentlichkeitsarbeit leisten. So spricht er sich etwa dafür aus, dass in Ausschreibungen von Bauprojekten der öffentlichen Hand Schweizer Holz als Kriterium festgelegt wird. «Wir haben in der Schweiz ein wertvolles, jahrelang gepflegtes Produkt. Das sollten wir nutzen.»

Viele Anspruchsgruppen

Der Wald hat aber nicht nur einen wirtschaftlichen Nutzen, sondern auch eine Schutzfunktion. Der Witenwald in Goldach ist ausserdem ein beliebtes Ausflugsziel und Naherholungsgebiet in der Region. Spaziergänger, Jogger, Hundehalter oder Biker stellen dabei Ansprüche an «ihren Wald». Diese gilt es für den Revierförster, unter einen Hut zu bekommen. «Allen recht machen kann man es nie», weiss Reto Bless. Entscheidend sei, dass man als Revierförster auf seiner Linie bleibe. «Jeder Förster hinterlässt seine eigene Handschrift im Wald», sagt Bless. Seine «Handschrift» und die seines Nachfolgers ähneln sich vor allem in einem Punkt: Sie beide wollen den Wald nachhaltig bewirtschaften und nicht grossflächig Bäume fällen – damit der Wald auch künftigen Generationen als Erholungsraum zur Verfügung steht.

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