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REGION RORSCHACH: Bahnübergange: 19 Minuten warten pro Stunde

In der Region raubt so manche Bahnschranke Autofahrern den Nerv. Gefühlt, sind die Barrieren ständig geschlossen. Ein Selbstversuch zeigt aber, dass die gesetzliche Vorgabe gar nicht ausgereizt wird.
Arcangelo Balsamo
Autos und Fussgänger müssen warten; der Zug darf fahren. (Bild: Arcangelo Balsamo)

Autos und Fussgänger müssen warten; der Zug darf fahren. (Bild: Arcangelo Balsamo)

Arcangelo Balsamo

arcangelo.balsamo

@tagblatt.ch

Die Lichtsignale blinken. Das akustische Signal ertönt. Die Bahnschranken bewegen sich langsam nach unten. Eine Minute später stehen bereits mehrere Autos vor dem Bahnübergang in Goldach und warten auf den Zug. Nach drei Minuten passiert der Eurocity in Richtung Zürich die Stelle. Unter den Autofahrern keimt Hoffnung auf, dass sie ihre Fahrt wieder aufnehmen können – vergeblich. Die Schranken bleiben unten. Die Autokolonne wächst weiter. Es vergehen weitere drei Minuten und 20 Sekunden, ehe der Eurocity in entgegengesetzter Richtung vorbeifährt. Die Barriere bewegt sich auch danach um keinen Millimeter, denn 35 Sekunden später fährt bereits der nächste Zug in Richtung St. Gallen. Sieben Minuten vergehen, bis sich die Schranken wieder in vertikaler Position befinden. Dann können Fussgänger, Velo- und Autofahrer die Gleise passieren. Dieses Szenario wiederholt sich in Goldach täglich zwischen 10.33 und 10.40 Uhr sowie um 19.33 und 19.40 Uhr.

Für gewöhnlich passieren acht Personenzüge pro Stunde die Bahnübergänge auf der Strecke zwischen Rheineck und Goldach. Bereits dies raubt Autofahrern den Nerv und führt zu Kolonnen vor den Barrieren. Zwischen 10 und 11 Uhr, beziehungsweise 19 und 20 Uhr, sind es aufgrund der zwei zusätzlichen Schnellzüge sogar zehn. Während eines Selbstversuchs am Bahnübergang in Goldach zeigt sich, dass die Barrieren zwischen 10.15 und 11.15 Uhr sechs mal schliessen. Die Gesamtwartezeit während der besagten Zeitspanne beträgt 19 Minuten. Die längste Wartezeit am Stück beläuft sich auf sieben Minuten. Für Autofahrer, die womöglich unter Zeitdruck stehen, dauert jede Minute vor dem geschlossenen Bahnübergang eine gefühlte Ewigkeit. Deshalb nerven sich Autofahrer aus der Region regelmässig und fragen sich, wieso die Barrieren zwischen den Zügen nicht für wenige Minuten geöffnet werden, statt abzuwarten.

Gesetz schreibt Abläufe bei Bahnübergängen vor

SBB-Mediensprecher Olivier Dischoe sagt, dass das Gesetz vorschreibe, wie die Bahnschranken funktionieren müssen. Die Ausführungsbestimmungen zur Eisenbahnverordnung des Bundesamtes für Verkehr (AB-EBV) sieht vor, dass die Bahnschranken mindestens fünf Sekunden bevor der Zug den Bahnübergang passiert, geschlossen sein müssen.

«Die Barriere senkt sich früh genug, damit sich niemand mehr auf den Bahnübergang verirren kann. Und sie hebt sich erst wieder, wenn der ganze Zug durchgefahren ist», so Dischoe. Dies dauere an jedem Bahnübergang unterschiedlich lange. Der Selbstversuch zeigt, dass sich die Barrieren meist deutlich früher als fünf Sekunden vor der Zugdurchfahrt in geschlossenem Zustand befinden. Dischoe erklärt dies folgendermassen: «Sind die Barrieren nicht geschlossen, so muss gewährleistet werden, dass der Zug noch vor dem Bahnübergang anhalten kann.» Aufgrund der langen Bremswege der Züge bedinge dies vorgängig einen gewissen Zeitbedarf, so Dischoe. Heisst konkret: Sollte die Barriere aus irgendwelchen Gründen nicht geschlossen werden können, muss der Lokführer rechtzeitig den Bremsvorgang einleiten können, so dass der Zug noch vor dem Bahnübergang zum Stillstand kommt. Der SBB-Mediensprecher fügt zudem an, dass die Barrieren zwischen zwei Zügen nicht immer geöffnet werden, um die Gesamtschliesszeit zu optimieren.

Zielvorgabe sind 150 Sekunden

Wie lange eine Schrankenanlage pro Zugfahrt oder Rangierbewegung gesperrt sein soll, ist in der AB-EBV aufgeführt. Die Sperrzeit soll kurz gehalten werden und nicht zweieinhalb Minuten überschreiten. Heisst bei zehn Zugfahrten in der Stunde: 25 Minuten und somit sechs mehr als während des Selbstversuchs.

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