REGION: Der Hirse den Kampf angesagt

Das heisse Wetter stellt derzeit die perfekten Bedingungen für die Hirse dar. Landwirtschaftsgärtner und Gemüseproduzenten versuchen das Unkraut loszuwerden. Auch die Trockenheit bereitet Sorgen.

Perrine Woodtli
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Die wärmeliebende Hirse hat sich im Rorschacherberger Hörnlibuck breitgemacht. (Bild: Perrine Woodtli)

Die wärmeliebende Hirse hat sich im Rorschacherberger Hörnlibuck breitgemacht. (Bild: Perrine Woodtli)

Perrine Woodtli

redaktionot

@tagblatt.ch

Die Hitze macht derzeit vielen zu schaffen. Jemand aber liebt genau diese Temperaturen: die Hirse. Je trockener und heisser, desto besser. Das Unkraut gedeiht in diesen Tagen wo es nur kann. Ganz zum Missfallen der Landschaftsgärtner und Gemüseproduzenten. Pascal Rubin, Inhaber der Rubin Gartenbau AG in Rorschach, bestätigt, dass durch die aktuellen Temperaturen die Hirse ein «effektives Problem» sei. «Die Hirse treibt derzeit viel schneller als Gras», sagt Rubin. «So gibt es nun an gewissen Stellen einen Hirseteppich anstelle eines Rasenteppichs.»

Im Hörnlibuck habe man beispielsweise vor rund eineinhalb Monaten neu gesät. Weil es auf einmal so heiss und trocken wurde, dominiert die Hirse nun teilweise jene Grasfläche. «Wir mähen und jäten regelmässig und versuchen, die Hirse so abzutöten.» Um die Hirse bereits vorbeugend zu bekämpfen, spritzt Rubin jeweils ein sogenanntes Vorauflaufherbizid.

Spritzen, kleinhacken und jäten

Auch Roman Fässler, Besitzer des Sonderegger Gartenbaus in Goldach, hat seine Methoden. «Wächst die Hirse stark an einem Ort, dann wässern und mähen wir den Rasen regelmässig, um diesen zu fördern», sagt Fässler. Auch er benutze Unkrautbekämpfungsmittel. «Die Frage ist jedoch, ob das wirklich etwas bringt», sagt Fässler. Für Neusaaten müsse man bis Herbst abwarten. Für die Hirse sei es dann nämlich zu kühl, um zu keimen, sagt Fässler. Jetzt aber würde das Gras nicht richtig spriessen, die Hirse aber dafür umso mehr.

Die Hirse ist nicht nur für den Rasen ein Problem. Im Gemüseanbau bekämpft man ebenso das Ungras. So klein wie möglich hacken und jäten ist täglich angesagt beim Goldacher Gemüseproduzent Filipp Fässler. «Wir benutzen im Gemüsebau zudem ein spezielles Herbizid, das nur auf Gräser wirkt und den Feldfrüchten nicht schadet», sagt Fässler. «Ohne dieses Mittel hätten wir sonst ein Problem.» Was das ihm aber noch mehr zu schaffen macht, sind die Hitze und die Wasserkosten. «Wir verhandeln momentan mit den umliegenden Gemeinden über den Wasserpreis für die Landwirtschaft. Das Wasser ist einfach zu teuer», sagt Fässler. Wegen der Temperaturen musste er zudem die Bewässerungszeiten in die Nacht verlegen, da sonst zu viel Wasser verdunsten würde. Fässler möchte aber nicht nur das Negative sehen. «Das Wetter hat auch seine guten Seiten. Wir verkaufen derzeit viel Gemüse und Salate über den Handel an die Gastronomie.» Und weil es keine Niederschläge gab, gibt es keine Krankheitsschäden.

Abkühlung erwünscht

Auch Biobauer Andreas Andermatt in Steinach musste seine Arbeitszeiten den Temperaturen anpassen. «Am Tag ist es vor allem in den Gewächshäusern einfach zu heiss. Für unsere Leute ist es sehr streng und ermüdend», sagt Andermatt. Deshalb beginnen die Arbeiten nun jeweils früher am Morgen, und es gibt eine längere Mittagspause. Und natürlich spriesst auch bei ihm die Hirse. Als Biobauer darf er hingegen keine chemischen Mittel spritzen. «Wir mähen die Hirse und jäten von Hand», sagt Andermatt. Da man dieses Jahr schon früh damit begonnen habe, sei man nun einigermassen nach mit der Arbeit. «Die Hirse ist jedes Jahr ein Thema. Wir wissen, was zu tun ist. Aber dieses Jahr hat sie es sehr gut, weil es bereits so lange so heiss und trocken ist», sagt Andermatt. «Gegen eine Abkühlung hätte ich nichts.»