Regierung will keine Matura-Quoten

Der Kanton St.Gallen weist schweizweit die tiefste Maturitätsquote auf. Die Regierung will diese nun "massvoll erhöhen", wie sie in einem Bericht schreibt. Dies soll aber ohne direkte Eingriffe geschehen.

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Kantonsschule am Burggraben: Die Regierung hält eine massvolle Erhöhung der Zahl der Maturandinnen und Maturanden für erstrebenswert. (Bild: Ralph Ribi)

Kantonsschule am Burggraben: Die Regierung hält eine massvolle Erhöhung der Zahl der Maturandinnen und Maturanden für erstrebenswert. (Bild: Ralph Ribi)

Im Moment besuchen im Kanton St.Gallen knapp 4500 Schülerinnen und Schüler eine Mittelschule. Die gymnasiale Maturitätsquote liegt bei 14,2 Prozent - das ist wenig, das schweizerische Mittel liegt bei 20,2 Prozent. Auch bei den Berufs- und den Fachmaturitäten liegt der Kanton St.Gallen unter dem Durchschnitt. In einem Postulat forderten darum vier Kantonsräte von SP, FDP, CVP und BDP im November 2014 die Regierung auf, einen Bericht zu erstellen zur Entwicklung der Maturitäten im Kanton und allfällige Massnahmen vorzuschlagen. Dieser Bericht wurde nun veröffentlicht.

Starke Berufsbildung behalten, Maturitäten fördern

In ihren Ausführungen nennt die Regierung mehrere Ursachen für die tiefe Maturitätsquote: Die wichtigste ist laut Bericht der hohe Stellenwert und das attraktive Aus- und Weiterbildungsangebot der dualen Berufsbildung. Diese sei eine Stärke im gewerblich-industriell geprägten Kanton St.Gallen, heisst es in einer Mitteilung der Staatskanzlei. Sie soll allerdings kein Hindernis sein, das Potenzial der Jugendlichen zu nutzen. Die Regierung hält darum eine massvolle Erhöhung der Zahl der Maturandinnen und Maturanden für erstrebenswert. Die Ausbildungswege sollen aber nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Chancen eröffnen, nicht aber Ansprüche senken

Zielwerte für Quoten hält die Regierung jedoch für falsch. Auch Massnahmen, um das regionale Gefälle zu beseitigen, stehen nicht im Vordergrund. Dass es in urbanen Gebieten mehr Maturanden hat als in ländlichen Gebieten ist gemäss Mitteilung nicht nur im Kanton St.Gallen so, sondern eine gesamtschweizerische Tatsache. Im Zentrum steht für die Regierung das Eröffnen und Nutzen von Chancen. Darunter fallen für sie Massnahmen, um jene Schülerinnen und Schüler vermehrt in weiterführende Ausbildungen zu bringen, welche das Potential dazu mitbringen, von diesem aber heute nicht Gebrauch machen. Die wichtigsten Mittel dazu sind Information und Beratung.

Progymnasiale Ausbildungsgänge an den Oberstufen prüfen

Als Massnahme zur Begabtenförderung will die Regierung progymnasiale Klassenzüge an Oberstufenschulen prüfen. Solche Klassen mit erhöhten Anforderungen könnten einerseits auf gymnasiale Lehrgänge vorbereiten und würden damit die gleiche Funktion übernehmen wie das traditionelle Untergymnasium an der Kantonsschule am Burggraben in der Stadt St.Gallen. (pd/mbu)

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