Regierung setzt auf die Empa

ST.GALLEN. Die St.Galler Regierung erklärt ihre zweifach erfolglosen Bemühungen um einen Ostschweizer Standort im nationalen Innovationspark. Sie will nun die Kontakte zu Wirtschaft und Forschung vertiefen und «Innovationscluster» bündeln.

Marcel Elsener
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Ausstrahlungskraft bis in den Westen der Schweiz: Die St. Galler Empa ist ein Motor für Innovationen. (Bild: Ralph Ribi)

Ausstrahlungskraft bis in den Westen der Schweiz: Die St. Galler Empa ist ein Motor für Innovationen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Ostschweiz hat vorläufig keinen Standort im nationalen Innovationspark: Bekanntlich scheiterte im vergangenen Juni auch der zweite Anlauf für einen Platz im Netzwerk. Der Flop müsse aufgearbeitet werden, forderten in der Folge St.Galler Politiker von der Regierung; die Fraktionen von SP-Grüne und FDP verlangten in ihren Vorstössen in der Septembersession Antworten auf kritische Fragen nach der fehlenden Verknüpfung von Hochschulen und Wirtschaft oder nach dem Einbezug der Empa (Ausgabe vom 24. September).

In ihren – logischerweise weitgehend übereinstimmenden – Antworten auf die beiden Interpellationen erklärt die St.Galler Regierung die geleisteten Arbeiten für einen Netzwerkstandort (NWS) Ost und benennt die Schwachstellen. Die Regierung hat sich im September mit der Empa-Leitung in einer Klausur dem Thema angenommen. In einer «ersten Lagebeurteilung» lasse sich sagen, dass der «Fokus relativ breit» war, was schwierig zu kommunizieren gewesen sei. «Die Erfahrung zeigt, dass Innovationsprojekte dann nachhaltig etabliert werden können, wenn neben Politik und Forschung auch die Wirtschaft ganz konkret und praktisch Teil des anvisierten Geschäftsmodells ist», schreibt die Regierung.

«Nicht ausreichend dargestellt»

Obwohl die Kontakte mit der Wirtschaft «sehr intensiv waren», habe dies «nicht ausgereicht». Besonders am Fachhochschulstandort St.Gallen müsse die Vernetzung vertieft werden, heisst es. Regierung und Empa wollen diese Anstrengungen verstärken und haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt. In der knappen Zeit sei es nicht gelungen, eine genügend grosse Anzahl Unternehmen aus der Region hinter das Projekt NWS Ost zu bringen, bedauert die Regierung. Ein Grund: Der Mehrwert einer gemeinsamen Forschungs- und Innovationsplattform habe «gegenüber der produzierenden Industrie nicht ausreichend plausibel dargestellt» werden können. Deshalb müssten nun unter Einbezug der Wirtschaft und der Forschung «Themenbereiche zu aussagekräftigen Innovationsclustern gebündelt werden» – als Grundlage für neue Projekte. Erst wenn die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft etabliert worden sei, könne eine erneute Eingabe zur Aufnahme als Netzwerkstandort geprüft werden.

Mut macht sich die Regierung mit dem Hinweis auf innovative Leuchttürme. Unabhängig vom Projekt NWS Ost habe der Kanton St.Gallen «eine sehr gute Forschungs- und Innovationslandschaft», aufgezählt die Beispiele HSG, Empa, FHSG, HSR, NTB, inspire, RhySearch und weitere Innovationszellen. Auch konnte der Umsatz im Technologietransfer ständig gesteigert werden. Allerdings müsse «dieses Portfolio besser bekannt» gemacht werden, heisst es.

ETH- und weitere Projekte

Gemäss Strategie des ETH-Rats für fortgeschrittene Produktionsverfahren wird die Empa in den Jahren 2017 bis 2020 voraussichtlich die Bereiche Beschichtungen, additive Fertigung sowie Industrie 4.0 an ihren drei Standorten (Dübendorf, St.Gallen, Thun) gezielt stärken. Im Gespräch sind der Aufbau von einem oder mehreren Center(s) of Advanced Manufacturing, die zusammen mit den Kompetenzzentren in Biel oder Neuenburg ein Netzwerk zur Entwicklung von Produktionsverfahren darstellten. «Mit dieser Strategie ist ein wichtiger Teil des Konzepts des NWS Ost abgedeckt», meint die Regierung erfreut. Ebenfalls unterstütze man das vom Bund geförderte Technologiekompetenzzentrum inspire AG; dessen Bereich «Additive Fertigung» ist am Empa-Standort St.Gallen. Inspire ging kürzlich eine strategische Partnerschaft mit dem Forschungs- und Innovationszentrum Rheintal RhySearch ein.

«Insgesamt würde dieser Bereich gut in ein schweizweites Produktionsnetzwerk im Bereich Advanced Manufacturing passen», meint die Regierung und unterstützt diese Bestrebungen. Im übrigen habe sie die Digitalisierung in der Fertigung in ihrem Aktionsplan «Wirtschaftsstandort 2025» als Schwerpunkt verankert. Folgeprojekte seien in Diskussion, die allenfalls über die Neue Regionalpolitik (NRP) mitfinanziert werden können.

Neuerliche Eingabe offen

Auf die Frage nach einem «Satellitenstandort» antwortet die Regierung, dass dieser Begriff im Zusammenhang mit dem Innovationspark noch nicht definiert sei. Jedoch sei die Empa St.Gallen «in den Hubstandort des schweizerischen Innovationsparks in Dübendorf bereits mit eingebunden». Die Stärkung des eigenen Empa-Standorts sei für die Regierung «generell ein zentrales Anliegen», heisst es. Und: Die im Sonderkredit für die Aufbaukosten des NWS Ost eingestellten Finanzen bleiben für Projekte in der Innovationsförderung reserviert.