Regeln gelten auch für die Spitex

Pflegerinnen der Spitex Rorschach-Rorschacherberg beklagen sich über eine Zunahme von Parkbussen. In den Gemeinden der Region macht der Ordnungsdienst beim Wildparkieren aber keine Ausnahme für die Spitex.

Valentin Schneeberger
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Ein Fahrzeug der Spitex Rorschach-Rorschacherberg steht auf einem Parkplatz in der Eichenstrasse. (Bild: Valentin Schneeberger)

Ein Fahrzeug der Spitex Rorschach-Rorschacherberg steht auf einem Parkplatz in der Eichenstrasse. (Bild: Valentin Schneeberger)

REGION. Es ist Dienstagabend, 17 Uhr, als die Spitex-Pflegerin Carolyn Buschor mit ihrem Dienstauto in die Eichenstrasse in Rorschacherberg einbiegt. Sie ist auf dem Weg zu einem Kurzbesuch bei einem Klienten. Da in der Eichenstrasse keine Parkplätze mehr frei sind, stellt sie ihr Fahrzeug ausserhalb der Parkfelder ab. Etwas mehr als 20 Minuten dauert ihr Besuch beim Klienten. Als sie wieder in ihr Auto steigen will, bemerkt sie die Busse, die hinter ihrem Scheibenwischer klemmt.

Es ist nicht die einzige Busse in diesen Tagen, die einer Spitex-Mitarbeiterin im Einsatz ausgestellt wird. Carolyn Buschors Kollegin Melanie Müller kassiert nach eigenen Aussagen kurz nacheinander drei Strafzettel – alle drei an der Eichenstrasse.

Keine Jagd auf Pflegerinnen

Der Frust bei den Spitex-Mitarbeiterinnen sitzt tief. «Es scheint, als ob es der Ordnungsdienst auf uns abgesehen hätte», sagt Carolyn Buschor. An besagtem Dienstagabend seien die nächstgelegenen freien Parkplätze 500 Meter entfernt gewesen. «Ich hätte meinen Koffer und den Infusionsständer von der Pestalozzistrasse bis zur Wohnung des Klienten schleppen müssen», sagt sie. Ihr Auto habe ausserhalb der Parkfelder niemanden behindert oder gar gefährdet, beteuert sie. Die Busse sei deshalb unverhältnismässig.

Philipp Hengartner, Gemeinderatsschreiber von Rorschacherberg, versichert, dass der Ordnungsdienst keine Jagd auf Spitex-Fahrzeuge mache. Aber: «Für die Spitex gelten dieselben Verkehrsregeln wie für alle anderen Verkehrsteilnehmer auch», sagt er. Die Stadt Rorschach handhabt die Situation gleich wie Rorschacherberg. Stadtschreiber Bruno Seelos sagt: «Wenn die Pflegerinnen ihre Autos korrekt parkieren, haben sie keine Busse zu befürchten.»

Selbst die Polizei wird gebüsst

Auch in Goldach büsst der Ordnungsdienst falsch abgestellte Fahrzeuge der Spitex. «Wenn Pflegerinnen ihr Fahrzeug ausserhalb der markierten Parkfelder abstellen, kann der Ordnungsdienst eine Busse ausstellen», sagt der Goldacher Gemeinderatsschreiber Richard Falk. Für die Spitex Goldach-Mörschwil-Untereggen gebe es keine Ausnahmeregelung. «Das würde auch bei privaten Pflegediensten Begehrlichkeiten wecken.» Deshalb behandle die Gemeinde alle Anbieter von Hausbesuchen gleich. Ähnlich tönt es bei den Gemeinden Thal und Rheineck. «Der Ordnungsdienst würde auch Polizisten büssen, wenn diese ihr Fahrzeug ohne zwingenden Grund falsch abstellen würden», sagt Gabriel Macedo, Stadtschreiber von Rheineck.

Spitex fordert mehr Kulanz

Rudolf Stambach, Präsident der Spitex Rorschach-Rorschacherberg, findet das Vorgehen der Ordnungsdienste unfair: «Die Pflegerinnen stehen häufig unter Zeitdruck. Sie müssen deshalb die Möglichkeit haben, grenzwertig zu parkieren.» Auch Spitex-Teamleiterin Martina Czernek hat kein Verständnis für die ausgestellten Strafzettel: «Es kann immer wieder vorkommen, dass die Pflegerinnen ihre Fahrzeuge ausserhalb der Parkfelder abstellen müssen.» Nur so könnten sie mehrere Minuten Fussweg einsparen.

Czernek fordert mehr Fingerspitzengefühl von den Ordnungsdiensten. «Die Spitex-Autos sind durch ihre Beschriftung als solche zu erkennen. Solange die Fahrzeuge niemanden behindern oder gefährden, sollte es möglich sein, auch einmal ein Auge zuzudrücken», sagt sie.