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Reformierte bauten für Katholiken

Zeitgleich zum EM-Spiel Schweiz – Rumänien haben etwa 20 Personen an einer Führung durch die Kirche St. Notker in Häggenschwil teilgenommen. Dabei lernten sie auch den 200jährigen Knochenmann kennen.
Fejsal Sulejmani
Johannes Huber erzählt über die katholische Kirche in Häggenschwil. (Bild: Fejsal Sulejmani)

Johannes Huber erzählt über die katholische Kirche in Häggenschwil. (Bild: Fejsal Sulejmani)

HÄGGENSCHWIL. Rund 20 Interessierte trafen sich vorgestern abend in der katholischen St. Notker-Kirche in Häggenschwil. In einem einstündigen Vortrag berichtete der St. Galler Historiker Johannes Huber über die Zeit im Spätmittelalter und den Aufbau der Häggenschwiler Kirche.

Der Baubeginn 1728

Die Rede des in St. Gallen wohnhaften Professors begann mit der Krise in der Fürstabtei St. Gallen, die durch die Reformation entstanden war. Wie angespannt im 17. Jahrhundert das Verhältnis zwischen Katholiken und Reformierten war, davon zeugt auch der sogenannte Bildersturm. Im Bildersturm waren viele Kirchen geschändet worden, und die Innenausstattung vieler Gotteshäuser landete auf dem Scheiterhaufen. Nach dieser Zeit folgte die Gegenreformation der Katholischen Kirche. Diese wollte verlorene Gläubige zu sich zurückholen. Die Einwohner von Häggenschwil besuchten die katholischen Kirchen in Berg und St. Fiden. Doch zu jener Zeit dauerte der Weg in die Nachbardörfer lange.

Irgendwann beschlossen die Bewohner und die Fürstabtei, eine Kirche in Häggenschwil selber zu bauen. 1728 war es so weit, der Bau des Gotteshauses begann. Der Bau der Kirche Häggenschwil und die Gründung der Pfarrei bildeten einen Teil der gegenreformatorischen Bestrebungen der Abtei St. Gallen zur konkreten Verbesserung der Seelsorge.

Interessanterweise wurde die katholische Kirche von Angehörigen der Familie Grubenmann aus Teufen gebaut. Diese waren reformiert. Das Innere der Kirche wurde erst 1780 von Fachleuten wie Johann Ferdinand Beer aus Vorarlberg gefertigt. Das grosse Deckengemälde, in der Art eines himmlischen Theaters gestaltet, wurde 1780 von Antony Dick gefertigt. Durch die prachtvollen Bilder, den Weihrauch und die inhaltliche Vermittlung durch den Priester tauchten die Gläubigen in eine virtuelle Welt ein; sie konnten sich in die Gemälde hineinversetzen.

Der Knochenmann Theofilos

Die St. Notker-Kirche weist auch viele Figuren auf. So sieht man den heiligen Sebastian, den Bekämpfer der Pest, sowie die Apostel Petrus und Paulus auf dem Altar. Von den St. Galler Heiligen Gallus und Otmar, aber auch von Notker, wurden für Häggenschwil Einzelanfertigungen gemacht. Was auch auffällt, ist ein im Glas liegender Knochenmann. Dabei handelt es sich um den Märtyrer Theofilos. Seit 1824 ist er mittlerweile in Häggenschwil. Übrigens: In der Region der ehemaligen Fürstabtei St. Gallen sind laut Johannes Huber schweizweit die meisten Knochenmänner in Kirchen aufzufinden. Im Spätmittelalter wurden sie auf die Felder für eine erfolgreiche Ernte mitgetragen.

Im Anschluss an Hubers Erzählung hatten die Anwesenden die Gelegenheit, ihm Fragen zu stellen und die Kirche und ihre vielen Objekte aus der Nähe zu betrachten.

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