REFORMATIONSJAHR: Eintauchen in das Buch der Bücher

Die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen will ein Riesenbuch auf Tournée durch die Stadt schicken. Das Projekt erinnert an eine heisse Kunstdebatte in den 1990er-Jahren.

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6×5×1,5 Meter, 22 Tonnen Holz, Stahl und Beton: das Riesenbuch bei der Uni-Bibliothek in einer Planskizze. (Bild: Visualisierung: Josef Geier)

6×5×1,5 Meter, 22 Tonnen Holz, Stahl und Beton: das Riesenbuch bei der Uni-Bibliothek in einer Planskizze. (Bild: Visualisierung: Josef Geier)

Die Nummer 54707 ist ein Baugesuch der etwas speziellen Art. Gesuchsteller ist die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen, Planverfasser der Künstler und Restaurator Josef Geier. Hinter der HSG-Bibliothek wollen sie eine sechs Meter hohe Buchskulptur aufstellen. Das weckt Erinnerungen: Vor 25 Jahren hätte in der gleichen Wiese der Backsteinwürfel «Cube» des amerikanischen Konzeptkünstlers Sol LeWitt plaziert werden sollen. Nach heftiger Debatte und dem Widerstand der Nachbarn verzichtete die HSG darauf.

Diesmal liegt die Sache etwas anders. Das Riesenbuch soll nicht das Kunstprogramm der HSG ergänzen, sondern ist ein befristetes Projekt zum Reformationsjahr. Von Mai bis Oktober soll es bei der Uni stehen, weitere Stationen sind der Stiftsbezirk, das Vadiandenkmal und der Bahnhofplatz mit der Bibliothek in der Hauptpost. Alles Orte mit einem Bezug zu Büchern.

Veranstaltungen rund um das Riesenbuch

Geiers Buch der Bücher ist begehbar. «Im dunklen Innern führen 14 Stufen in die Höhe, wo der Blick durch ein Loch ins Freie geht, auf die Welt, auf die Schöpfung», erklärt der Künstler. Dadurch werde das Eintauchen in ein Buch physisch wahrnehmbar. Geier spricht von einem Dialog zwischen Mensch und Skulptur, zwischen Wissen und Verständnis auch.

Mit seiner Idee war er an die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen herangetreten. Diese nahm sie als «eines der grossen Projekte» in ihr Programm zum Reformationsjahr auf, wie der Kommunikations­beauftragte Andreas Ackermann sagt. An den vier Standorten bespielen die beteiligten Institutionen wie HSG oder katholische Kirche das Buch mit Veranstaltungen. Was nach der Tournée mit der Skulptur aus Holz, Stahl und Beton geschieht, ist laut Ackermann noch offen. (Hn.)