REFORMATIONSJAHR: Ein Nachmittag mit Tiefgang

Senioren haben im reformierten Kirchgemeindehaus Rorschach die Hintergründe der Reformation erfahren.

Werner Nef
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Unter dem etwas provokativen Slogan «super – ich bin reformiert» gestaltete Pfarrer Pius Helfenstein im reformierten Kirchgemeindehaus in Rorschach am Donnertag den ökumenischen Seniorennachmittag 55+, als Einstimmung zum Reformationsjahr. Er liess durchblicken, dass er mit «reformiert» eigentlich Reform oder Renovation oder Erneuern meinte.

Nach einem kurzen Abriss über die Zeit und Beweggründe Luthers, zeigte Helfenstein an Hand der Gedächtniskirche in Speyer, die 1904 zur Erinnerung an die Protestation der luthertreuen Fürsten erinnert, den Weg der Reformation auf. Sie wollten 1529 am zweiten Reichstag zu Speyer nicht hinnehmen, dass mit einer Abstimmung über die Religionsfreiheit entschieden wird und der Glaube so zum Politikum wurde. Dabei kam es zur Trennung von Katholiken und Protestanten, wie die evangelisch Reformierten heute noch genannt werden. Die Kirche beherbergt Glasfenster, die den Weg und die Konsequenzen der Reformation auf eindrückliche Weise zeigen. Sie erinnern uns, dass auch Jesus mit der Bergpredigt die zehn Gebote, die Moses von Gott empfangen durfte, nicht ausser Kraft setzte, sondern sie neu erklärte, ergänzte, teils radikalisierte und so erneuerte. Helfenstein zeigte, dass wir uns auch heute immer wieder umbauen müssen, damit wir weiter kommen. Das gilt für alle Gläubigen, egal welcher Konfession oder Religion sie anhangen. Der Slogan «super – ich bin reformiert» heisst demnach nichts anderes als, «ich habe mich erneuert», oder «ich bin auf dem neuesten Stand und für die Zukunft bereit».

Schon als Kind Kontakt zum Glauben

Im zweiten Teil forderte der Pfarrer die Senioren auf, über ihre Schlüsselerlebnisse zu berichten, die sie zu einem christlichen Leben bewogen. Die Früchte des Evangeliums legte Helfenstein symbolisch in einen Korb. Anfangs fanden ein paar Herren zögernd den Mut. Plötzlich taute das Eis und auch Seniorinnen meldeten sich zu Wort. Auffallend war, dass die meisten schon als Kind mit dem christlichen Glauben in Kontakt traten und so vom Elternhaus einen Schatz fürs Leben mitnehmen durften, der ihnen bis ins hohe Alter Schutz, Halt und eine Geborgenheit im oft turbulenten Leben sichert.

Werner Nef

redaktionot@tagblatt.ch