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Reformation braucht Lieder

In St. Gallen ist 1533 das erste evangelische Kirchengesangbuch der Schweiz erschienen: eine kulturgeschichtlich bedeutsame Tat. Mit einer neuen Edition wird sie in ihrer Bedeutung bewusstgemacht.
Josef Osterwalder
Frank Jehle mit dem von ihm neu herausgegebenen Kirchengesangbuch von 1533; um ihn der Chor der Kirchenmusikschule St. Gallen (Bild: Urs Jaudas)

Frank Jehle mit dem von ihm neu herausgegebenen Kirchengesangbuch von 1533; um ihn der Chor der Kirchenmusikschule St. Gallen (Bild: Urs Jaudas)

Worte sprechen an, Musik aber geht zu Herzen. Wer Menschen wirklich bewegen will, greift darum zur Musik. Das galt auch von der Reformation. Auch sie brauchte das Lied, wenn sie nachhaltig wirken wollte.

Das haben die führenden Köpfe der St. Galler Reformation früh erkannt. Bereits 1533 erschien ein Kirchengesangbuch mit 28 Liedern, angeregt durch Dominik Zili, der als Schulmeister und späterer Pfarrer der Kirche St. Laurenzen mithalf, die Reformation einzuführen.

Auf ihn und sein Kirchengesangbuch ist Frank Jehle aufmerksam geworden, als er für das Historische Lexikon der Schweiz einen Eintrag über Zili verfassen konnte. Die Bedeutung des ersten Kirchengesangbuchs wird also auch über St. Gallen hinaus gewürdigt. Anlass genug, das Werk durch eine Neuedition einem breiteren Interessentenkreis zugänglich zu machen.

Selbstbewusste St. Galler

Am Mittwochabend wurde das Buch im Waaghaus vorgestellt, erläutert und zum Klingen gebracht. «Das Kirchengesangbuch ist der St. Galler Beitrag zur Lockerung zwinglianischer Strenge», sagte Hanspeter Spörri bei der Begrüssung. Als Vertreter der Verlagsgemeinschaft St. Gallen (VGS), die das Werk herausbrachte, sprach er gleich das Auffallendste an diesem Gesangbuch an: Zur gleichen Zeit, da Zwingli in Zürich das Lied aus der Kirche verbannte, wurde der Gesang von den St.

Galler Reformierten ganz bewusst gepflegt. Um 1527 mussten die Kinder bereits das Lied zum 130. Psalm auswendig lernen.

Das ist ein deutlicher Hinweis, dass sich die St. Galler Reformation nicht einfach als Anhängsel Zürichs verstand, sondern ihren eigenen Weg ging. Am Ende des 16. Jahrhunderts wurde endlich auch in Zürich die Musik wieder zugelassen.

Passend darum, dass für die Neuausgabe der Theologische Verlag Zürich (TVZ) zur Partnerschaft eingeladen wurde.

Stunde der Gefahr

Auch Stadtrat Nino Cozzio ging bei seinem kurzen Grusswort auf diese erstaunliche Eigenständigkeit des damals kleinen, aber selbstbewussten St. Gallen ein.

Frank Jehle wies als Herausgeber auf die Zeitumstände hin, die den Hintergrund zum Erscheinen des Kirchengesangbuchs bildeten. 1533 war das Werk der Reformation aufs höchste gefährdet.

1531 hatten die Reformierten die Schlacht bei Kappel und mit ihr auch Zwingli verloren. 1532 gewann der Fürstabt die Herrschaft im Fürstenland zurück. In diesem Augenblick der Gefahr war es wichtig, den Zusammenhalt zu stärken und sich auch mit Liedern Mut zu machen.

Die Gesänge in Zilis Kirchengesangbuch entsprechen dieser Stimmungslage. In der Mitte steht die ernste Busse und nicht das fröhliche Gotteslob.

Einen musikalischen Eindruck vermittelte der Chor der Kirchenmusikschule St. Gallen unter der Leitung von David Bertschinger. Im Liedvortrag zeigte sich der eigene Reiz der Sprachmelodie, die zwischen Dialekt und Schriftsprache pendelt. Im Osterlied zum Beispiel:

«Die den Herren lieben / werdend ewig blyben / Der tod wirt sy nit nagen…»

«Tradition und Aufbruch»

Für Kirchenratspräsident Dölf Weder zeigt das Kirchengesangbuch Zilis wie bedeutsam die Musik «als Gabe Gottes und Nahrung für die Seele» ist. Zili setzte bei der Tradition an und bereicherte sie mit neuen Erfahrungen, Auch in der heutigen Kirchenmusik gehe es um die Kunst, Tradition und Moderne, Anlehnung und Aufbruch miteinander zu verbinden.

Die Stimmung vermittelt

Ein Buch also, das kultur- und kirchengeschichtliche Bedeutung hat. Wichtig darum, dass es Jost Hochuli als Buchgestalter gelungen ist, seinen Gehalt auch optisch aufzuschliessen. Die Schrift der Liedtexte gibt die Stimmung von Zilis Edition wieder; die diskret gesetzten Erläuterungen wirken nicht wie editorischer Ballast, sondern sind als echte Lesehilfen den Texten zugeordnet.

Dominik Zili: «Zu Lob und Dank Gottes», VGS/TVZ. Fr. 38.–

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