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RECYCLING: Manche tun nur so, als ob sie zahlen

Nicht alles kann gratis entsorgt werden. Nicht nur bei der Zingg AG wird immer wieder illegal Abfall deponiert. Dabei entwickeln die Leute kreative Lösungen, die Bezahlung zu umgehen.
Marlen Hämmerli
Bei der Zingg AG kann nicht alles gratis entsorgt werden. Die fehlende Überwachung nutzten manche aus. (Bild: Michel Canonica (14. Juli 2016))

Bei der Zingg AG kann nicht alles gratis entsorgt werden. Die fehlende Überwachung nutzten manche aus. (Bild: Michel Canonica (14. Juli 2016))

Marlen Hämmerli

marlen.haemmerli@tagblatt.ch

Der neue Fernseher war gut verpackt. Styropor, Karton und Plastik sind ein ganzer Haufen Abfall, und daneben steht der alte Fernseher. Alles muss entsorgt werden, was in St. Gallen und Umgebung bei einer Reihe Firmen möglich ist. Ein Beispiel ist die Zingg AG an der Grenze Mörsch­wil/Tübach. Dort, wie auch bei den weiteren Entsorgungsfirmen in der Region, kann vieles gra- tis abgegeben werden. Karton, Papier, Glas oder Elektroschrott: Für jeden Abfalltyp steht ein Container an der Hallenwand. Ganz links hat es einen weiteren Behälter, nebenan ist eine Kasse angebracht und über ihr hängt ein grosses Schild. Für alle brenn­baren Materialien, Kunststoffe und Holz wird eine Gebühr verlangt. Und hier liegt das Problem. «Immer mehr Leute entsorgen Abfall, ohne dafür zu zahlen», sagt Stefan Müller, Kundenberater bei der Zingg AG.

Seit drei Wochen werden die Container und Besucherparkplätze ständig mit zusätzlichen Videokameras überwacht. «Mit den bisherigen Kameras kontrollierten wir primär, ob die Last­wagen vollständig auf der Waage stehen und um welches Fahrzeug es sich handelt.» Auf den alten Bildern sind die Container und die Autonummern der Kunden nur schlecht zu sehen. Die fehlende Überwachung machten sich einige Leute zunutze. «Manche taten nur so, als würden sie etwas in die Kasse werfen. Andere warfen Holz in den Container für Papier.»

Um einen versehentlichen Fehlwurf macht Müller kein Aufhebens. Ihm geht es um die wenigen Leute, die bewusst Abfall illegal entsorgen. «Für die Verwertung der brennbaren Materialien zahlen wir eine Gebühr. Werden solche Abfälle vermehrt illegal deponiert, entsteht uns ein Schaden.» An der Sammelstelle verdiene die Zingg AG wenig. Sie sei knapp selbsttragend. Das Angebot ist laut Müller zur Entlastung der Hallenmitarbeiter sowie als Service gedacht. Dieser wird gut genutzt: «Täglich entsorgen bis zu 100 Leute hier ihren Abfall.» Doch bringen weder die ­Kameras, persönliche Aufforderungen noch eine allfällige Verzeigung Besserung, muss die Sammelstelle laut Müller geschlossen werden: «Zum Bedauern aller. Aber für andere Lösungen fehlt uns der Platz, und ein Mitarbeiter, der die Container überwacht, ist zu teuer.»

Auch bei anderen Entsorgungsfirmen in St. Gallen und Umgebung wird Abfall illegal entsorgt. Das Problem ist aber nicht so gross wie bei der Zingg AG. Beim «easydrive» in Gossau sei immer ein Mitarbeiter vor Ort, sagt Urs Corradini, Mediensprecher des Zweckverbandes Abfallverwertung Bazenheid. Dieser sorge für Ordnung und helfe den Leuten. «Die Hemmschwelle, etwas illegal zu entsorgen, liegt dadurch höher.» Zudem wird die Halle videoüberwacht. «Auf ein Telefon hin reagieren die wenigen fehlbaren Kunden in der ­Regel anstandslos.»

In Engelburg durchstöbern Kunden das Alteisen

Die Schnider AG in Engelburg hat laut Geschäftsführer Reto Schnider das Problem, dass Leute das Alteisen durchsuchen. Sehr schlimm sei es aber nicht. «Ich nehme an, bei uns spielt die soziale Kontrolle unter den Kunden. Darum wird wohl auch kaum Abfall illegal entsorgt.» Ausserdem weise man die Leute aktiv darauf hin, dass für manche Abfälle bezahlt werden muss. Was aber, wenn künftig mehr Leute ihren Abfall illegal ablagern? Dann müssten laut Schnider die Öffnungszeiten der ­Annahmestelle eingeschränkt werden. «Was schade wäre.»

Die Gossauer Solenthaler ­Recycling AG betreibt im Westen von St. Gallen eine Sammelstelle. «Stellenweise kommt es vor, dass Leute absichtlich Abfall hinter die Mulde legen oder etwas in den falschen Container werfen», sagt Mitarbeiter Marco Del Grosso. Bisher sei es aber kein grösseres Problem.

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