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RECHTSSTREIT: Was sonst noch geschah

Der «Freihof» bleibt dem Mörschwiler Zentrum, zumindest vorerst, erhalten. Nach einem jahrelangen Hickhack sucht die Gemeinde eine neue Lösung.
Noemi Heule
Die einen sehen im «Freihof» einen Schandfleck, andere wollen das Bauwerk schützen. (Bild: Michel Canonica)

Die einen sehen im «Freihof» einen Schandfleck, andere wollen das Bauwerk schützen. (Bild: Michel Canonica)

2001 Die Gemeinde Mörschwil kauft das ehemalige Restaurant «Freihof» und nutzt es als Asylunterkunft.

2006 Die Bürgerversammlung spricht sich für einen Abbruch des «Freihofs» aus. Stattdessen soll ein Platz entstehen.

2008 Das Baugesuch liegt öffentlich auf. Es gehen drei Einsprachen ein. Sie werden abgewiesen.

2009 Die Einsprecher erheben Rekurs beim kantonalen Baudepartement. Sie erhalten Recht. Die Gemeinde ficht den Enscheid vor Verwaltungsgericht an.

2010 Das Verwaltungsgericht entscheidet, dass der «Freihof» nicht ersatzlos abgebrochen werden darf, da er für das Ortsbild wesentlich sei.

2010–2012 Die Arbeitsgruppe «Freihof - wohin?» sucht nach Nutzungsmöglichkeiten für das Gebäude.

2013 Die Bürgerversammlung stimmt dem Abbruch mit Ersatzbau zu. Zur Debatte stand auch eine Sanierung des «Freihofs». Gleichzeitig genehmigt sie einen Kredit von 150000 Franken für einen Architekturwettbewerb. 52 Bewerbungen gehen ein. 14 werden ausgewählt, um einen Neubau zu entwerfen.

2014 Eine Zehnköpfige Jury kürt das Projekt «Moerswil» des Architekten Beat Consoni zum Sieger. Die Kantonale Denkmalpflege wird eingeschaltet. Sie schlägt Änderungen vor, die in die Entwürfe einfliessen.

2015 Das Baugesuch für das überarbeitete Projekt liegt auf. Es geht eine Einsprache ein.

2016 Die Gemeinde weist die Einsprache ab. Beatrice Mülli legt beim kantonalen Baudepartement Rekurs ein.

Juli 2017 Das Baudepartement entscheidet zu Gunsten der Einsprecherin. Die Gemeinde leitet vorsorglich eine Beschwerde vor Verwaltungsgericht ein.

August 2017 Die Gemeinde zieht die Beschwerde zurück

Mörschwiler «Freihof» eckt weiter an

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Er war einst Schmuckstück, galt dann als Schandfleck und ist vor allem Streitobjekt. Der «Freihof» in Mörschwil, der zusammen mit dem «Adler» und dem «Ochsen» das Dorfzentrum markiert. Für viele ist der markante Bau längst zum Makel verkommen. Ginge es nach einer Mehrheit der Stimmbürger, sollte die einstige Brauerei denn auch längst aus dem Ortsbild getilgt sein. Doch der «Freihof» übersteht einen weiteren Abrissversuch. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit resigniert die Gemeinde und lässt das Projekt «Moerswil» fallen.

Die Pläne sahen vor, das Giebelhaus durch einen Kubus zu ersetzen. Gegen Abbruch und Neubau hatte die Anwohnerin Beatrice Mülli Einsprache erhoben und den Fall vor das kantonale Baudepartement gezogen. Dieses gab ihr im Juli recht mit der Begründung, der Entwurf von Architekt Beat Consoni füge sich nicht in das geschützte Ortsbild ein (Ausgabe vom 13. Juli). Die Gemeinde, welche die gesamten Verfahrenskosten zu tragen hat, reichte vorsorglich Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein. Nun zieht sie diese zurück. Damit ist ein Neubau vom Tisch. Zumindest vorerst.

Denkmalpflege nimmt zwiespältige Rolle ein

Das Urteil sei aus denkmalpflegerischer Sicht eindeutig ausgefallen , begründet der Gemeinderat den Entscheid im Mitteilungsblatt. «Eine ‹Nachbesserung› des Projektes ist weder möglich noch zielführend.» Auch geht er davon aus, dass das Verwaltungsgericht den Entscheid stützen würde. Mehr will Gemeindepräsident Paul Bühler derzeit nicht sagen. Er lässt sich einzig zu einer Aussage hinreissen: «Es herrscht eine gewisse Enttäuschung.» Diese Worte sind an die kantonale Denkmalpflege gerichtet, die im jahrelangen Hickhack eine ambivalente Rolle einnahm.

Der Entwurf von Beat Consoni ging 2014 als Sieger aus einem Architekturwettbewerb hervor. Der Gemeinderat hatte die Denkmalpflege damals eingeladen, in der Jury Einsitz zu nehmen. Sie lehnte ab. Im gleichen Jahr klopfte der Rat erneut bei der Denkmalpflege an. «Um auf Nummer sicher zu gehen», verlangte er eine Stellungnahme zum Projekt. Michael Niedermann, Leiter der kantonalen Denkmalpflege, attestierte dem Entwurf zwar eine hohe architektonische Qualität, bezeichnete den Bau aber als «ortsfremd».

Daraufhin wurde das Projekt angepasst: Statt Beton wurde Holz für die Fassade gewählt und die Höhe verringert. Der Entwurf landete erneut auf dem Schreibtisch der Denkmalpflege. Sie blieb bei ihrem Urteil, bezeichnete das Gebäude als «kompromisslos und problematisch». Dennoch versicherte sie: Sie werde sich nicht gegen den Neubau stemmen, sollte sich die Gemeinde entschlossen dafür einsetzen. Niedermann meidet seither eine öffentliche Stellungnahme. Verwies er in der Vergangenheit auf das laufende Verfahren, führt er nun hängige Gespräche mit Beteiligten ins Feld.

Einsprecherin verspricht Fortsetzung

Die Gemeinde wird nun in ihrer Planung um Jahre zurückgeworfen. Wie weit, kann Paul Bühler nicht sagen. So könnte etwa ein anderer Entwurf aus dem Architekturwettbewerb aus der Schublade gezogen werden. Erst jüngst forderte eine Gruppe per Flugblatt, dass das zweitplatzierte Projekt in Betracht gezogen werde (Ausgabe vom 5. August). Für Einsprecherin Beatrice Mülli, die seit 13 Jahren für den «Freihof» kämpft, kommt einzig eine Sanierung des Gebäudes in Frage. «Ich werde mich auch in Zukunft gegen einen Abriss ­wehren.»

Der jahrelange Streit um den «Freihof» hat wohl noch nicht die letzte Wendung genommen. Derweil steht der geschichtsträchtige Bau wie gehabt etwas quer im Mörschwiler Dorfkern, ragt mit einer Ecke gar fast in die Strasse hinein. Und eckt weiter an.

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