RAUMPLANUNG: Coop baut nicht für sich allein

Das Stadtparlament hat das Land im Eichen nicht kaufen wollen. Jetzt kommt Coop zum Zug und startet die Planung für ein Neubauprojekt. Die Stadt Gossau wird dazu eingeladen.

Daniel Wirth
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Mit hohem Tempo will Coop Ostschweiz-Ticino hier ein Verkaufsgeschäft mit Mantelnutzung bauen. (Bild: Claudio Heller)

Mit hohem Tempo will Coop Ostschweiz-Ticino hier ein Verkaufsgeschäft mit Mantelnutzung bauen. (Bild: Claudio Heller)

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Nachdem das Stadtparlament Gossau am Nikolaustag Nein gesagt hat zur Ausübung eines Vorkaufsrechts über 5614 Quadratmeter Industrie- und Gewerbeland im Eichen im Westen der Stadt, kann Coop Ostschweiz-Ticino der Hastag St. Gallen Beton AG das Areal für 4,77 Millionen Franken abkaufen. Das Geschäft war im Stadtparlament umstritten (Tagblatt vom 8. Dezember). Coop will dort für rund 13 Millionen Franken ein zweigeschossiges Gebäude hinstellen. Doch das entspricht nicht ganz dem Stadtentwicklungskonzept, das vom Parlament im November verabschiedet wurde. Denn darin steht behördenverbindlich geschrieben, dass der Detailhandel das Zentrum von Gossau stärken und nicht am Stadtrand expandieren soll.

«Der Kanton begrüsst das Konzept zur Entwicklung von Gossau», sagt Ueli Strauss, Leiter des Amtes für Raumentwicklung und Geoinformation, auf Tagblatt-Anfrage. Bei der Beurteilung des Baugesuches werde der Kanton allerdings aussen vorgelassen, sagt Strauss. Intervenieren könnte der Kanton nur in Zusammenhang mit dem Verkehr. Der Kantonsplaner geht davon aus, dass für ein Bauprojekt von Coop ein Verkehrsgutachten eingeholt werden muss; das hänge allerdings stark davon ab, wie gross der Detailhändler im Eichen bauen wolle. Ueli Strauss kennt die Pläne nicht en détail.

Coop Ostschweiz-Ticino will seinen zweiten Verkaufsstandort in Gossau im Frühling 2019 eröffnen, wie der Leiter der Verkaufsregion, Ivo Dietsche, gestern auf Anfrage sagte. Anfang nächsten Jahres, noch bevor mit der Ausarbeitung eines Baugesuches begonnen werde, kämen die Coop-Planer und der Stadtrat zusammen, sagt Dietsche. Coop wolle die Stadt ins Boot holen. Um was geht es bei diesem Treffen? «Um die so genannte Mantelnutzung», sagt Dietsche. Coop wolle im zweigeschossigen Neubau lediglich das Erdgeschoss für das Retailgeschäft nutzen. Die obere Etage solle vermietet werden. «An Dienstleistungsunternehmen mit Büros oder allenfalls auch an produzierende Firmen», sagt Ivo Dietsche. Darüber wolle man sich mit dem Stadtrat unterhalten, sagt der Coop-Kadermann. Und darüber, wer in diesem Zusammenhang die nächsten Schritte unternehme.

Auch beim Gossauer Gewerbe will Coop die Pläne nach einer Zusammenarbeit im Gebiet Eichen jetzt konkret formulieren. Die Handels- und Industrievereinigung Gossau (HIG) werde ebenfalls begrüsst, sagt Dietsche. Die HIG hatte sich öffentlich und vehement dagegen gewehrt, dass die Stadt Coop das Land der Hastag St. Gallen Beton AG mit der Ausübung des Vorkaufsrechts wegschnappt – mit Erfolg.

Mantelnutzung brächte zusätzliche Arbeitsplätze

Geht es nach Coop Ostschweiz-Ticino, soll das Baugesuch im Frühherbst nächsten Jahres eingereicht werden. Im besten Fall dauert es dann laut Dietsche ein halbes Jahr, bis die Baubewilligung vorliegt. Im besten Fall heisst: Wenn keine Einsprachen eingehen und die Stadt das Gesuch bewilligt. Die SP der Stadt Gossau hatte im Nachgang zur Parlamentsdebatte verlauten lassen, sie fordere vom Stadtrat, dass dieser das Bauprojekt von Coop nicht bewillige – das Vorhaben sei mit dem Stadtentwicklungskonzept nicht vereinbar.

Die SP hatte sich im Stadtparlament dafür eingesetzt, dass die Stadt das Areal Eichen kauft, um dort später arbeitsplatzintensives Gewerbe ansiedeln zu können. Die 30 Arbeitsplätze von Coop, von denen ein beachtlicher Teil Teilzeitstellen seien, seien zu wenig, argumentierten die SP und die Flig (Freie Liste Gossau).

Mit der Mantelnutzung kämen weitere Arbeitsplätze hinzu. Wie viele, ist derzeit unklar.