RAUMNOT: Mörschwil prüft Wohn­container für Flüchtlinge

Wohin mit den Flüchtlingen? Die Wohnungsfrage beschäftigt Gemeinden seit langem. Mörschwil stellt als erste Gemeinde der Region vielleicht bald Wohncontainer auf.

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Schulpräsident Guido Etterlin (v. l.) und die Schulräte Nelly Bischof, Ariane Thür Wenger und René Nater. (Bild: ZVG)

Schulpräsident Guido Etterlin (v. l.) und die Schulräte Nelly Bischof, Ariane Thür Wenger und René Nater. (Bild: ZVG)

Die Region ist multikultureller geworden in den vergangenen Jahren. Und die anfängliche Skepsis gegenüber den Flüchtlingen ist vielerorts einer Hilfs­bereitschaft und Solidarität ge­wichen. In fast allen Gemeinden der Region kümmern sich auch Freiwillige um Asylsuchende. Etwa mit Deutschunterricht oder Freizeitaktivitäten. Trotzdem: Die Herausforderungen bleiben gross. Gerade was die Wohn­situation angeht. So kritisierte das Solinetz Ostschweiz im Sommer die Asylunterkunft Edelweiss in Mörschwil wegen «menschen­unwürdiger Wohnbedingungen», im Herbst führte die Aktion «Zunder» eine Demo durch. Inzwischen hat der Eigentümer die Liegenschaft saniert. «Er hat viel Geld investiert», betont Mörschwils Gemeindepräsident Paul Bühler. Jetzt sei praktisch ­alles neu: Küche, sanitäre Anlagen, Böden, Anstriche.

Vor dem Umbau wohnten knapp 30 Asylsuchende im «Edelweiss». Um die beengte Wohn­situation weiter zu entschärfen, habe der Gemeinderat die Obergrenze neu auf 16 Personen festgelegt. So viele sind kürzlich ins «Edelweiss» zurückgekehrt. Ein weiteres Dutzend Asylsuchende wohnt bis auf Weiteres in der für 100 Mann ausgelegten Truppenunterkunft ALST gegenüber der Sporthalle Seeblick. Mit der Armee habe man ausgehandelt, die Unterkunft bis Anfang März nutzen zu können, sagt Bühler. Bis dahin werde das ­Sozialamt – wie seit langem – wöchentlich den Wohnungsmarkt checken und sich auf jedes Inserat bewerben.

Schmerikon macht gute Erfahrungen

Viel Hoffnung hat Bühler allerdings nicht. Erstens gebe es nur wenige Mietwohnungen im Dorf und zweitens generell kaum leere Wohnungen. «Zudem finden die Eigentümer in der Regel andere Mieter und Käufer.» Flüchtlinge seien oft nicht die bevorzugte Klientel. Mörschwil prüft darum jetzt das Aufstellen von Wohncontainern für Flüchtlinge. «An zwei Standorten sind wir ernsthaft im Gespräch mit Grundeigen­tümern», sagt Bühler. Wo, könne er nicht sagen, bis definitiv entschieden sei. Die Wahrscheinlichkeit sei aber gross, dass im Dorf bald solche mobilen Wohneinheiten stehen. Dazu brauche es nebst Zustimmung der Grundeigentümer eine Baubewilligung und Anschlüsse für Ver- und Entsorgung. Auf die gleiche Lösung setzt seit rund einem Jahr die St. Galler Gemeinde Schmerikon am oberen Zürichsee. Das Dorf hat viel Ähnlichkeit mit Mörschwil: rund 3600 Einwohner, steuergünstig, mit Seesicht, wenig Mietwohnungen und generell wenig Leer­wohnungen. So habe man trotz langer Suche keine verfügbaren Wohnungen finden können, sagt Heinz Hickert, Leiter Liegenschaften in Schmerikon. «Die Wohncontainer sind für uns auf lange Sicht die beste Lösung.» Zumal man die «Rolls Royce»-Variante gewählt habe mit acht Mehrbettzimmern, Wohnküche, Teppichböden, Kühlschrank in jedem Zimmer und Isolationswerten wie bei einem Einfamilienhaus. Ein Dutzend Asylsuchende seien so mitten im Dorf unter­gebracht. Das trage auch zur Integration bei. «Bisher haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht», sagt Hickert.

In der Region St. Gallen dürfte Mörschwil die erste Gemeinde sein, die auf eine Containerlösung setzt. «Wir haben bisher zum Glück immer wieder preislich angemessene Wohnungen gefunden», heisst es beim Sozialamt Gaiserwald. Für Muolens Gemeindepräsident Bernhard Keller wären Wohncontainer eine zu prüfende Variante, falls Wohnraum fehlen würde im 1200-Einwohner-Dorf. Für die aktuell zwölf Asylsuchenden habe man aber seit längerem ein ganzes Haus gemietet. Auch in Häg­gensch­wil mit seinen 1260 Ein­wohnern konnte bisher stets genug Wohnraum gefunden werden, wie Ratschreiberin Dorryn Schafflützel sagt. In Wittenbach mit seinen 9600 Einwohnern bestand gemäss Gemeindepräsident Fredi Widmer bisher ebenfalls kein Bedarf für Wohncontainer. Diskutiert habe man das Thema aber auch schon. Für die aktuell 96 Asylsuchenden mietet die Gemeinde Wohnungen. «Künftig werden solche vermutlich nur noch im höheren Preissegment zu finden sein», sagt Widmer. Das könnte dazu führen, dass die Kostendeckung nicht mehr gewährleistet sei.

In Wittenbach und Mörschwil bleibt die grösste Heraus­forderung mit Asylsuchenden die Suche nach Wohnraum. In Gaiserwald, Häggenschwil und Muolen hingegen, die Flüchtlinge zu beschäftigen.

Corinne Allenspach

corinne.appenspach@tagblatt.ch