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Rathaus-Attentäter in Zelle gestorben

ST.GALLEN. Der Mann, der 1999 das St.Galler Rathaus mit Benzin in die Luft sprengen wollte, ist tot. Gemäss Angaben der St.Galler Kantonspolizei ist der 57-Jährige am Donnerstagmorgen leblos in seiner Zelle in der Strafanstalt Saxerriet aufgefunden worden.
Sarah Gerteis
Mit einem Kleinbus raste der Mann 1999 in die Eingangshalle des Rathauses. (Bild: Keystone/Archiv)

Mit einem Kleinbus raste der Mann 1999 in die Eingangshalle des Rathauses. (Bild: Keystone/Archiv)

Laut Polizei gibt es Anzeichen für einen Suizid, eine Dritteinwirkung wird ausgeschlossen. Das Institut für Rechtsmedizin wird die Todesursache abklären. Hans Peter Eugster, Mediensprecher der Kantonspolizei, rechnet mit ersten Ergebnissen in drei bis vier Tagen. Fest steht, dass die Zelle des 57-Jährigen am Mittwochabend um 18.15 Uhr vorschriftsgemäss abgeschlossen und erst am Donnerstag um 6 Uhr wieder aufgeschlossen wurde .

Mit Feuerzeug nachgeholfen
Der Mann war im September 1999 mit seinem Lieferwagen, beladen mit Benzin, in die Eingangshalle des St.Galler Rathauses gefahren, um dieses in die Luft zu sprengen. Grund für die Tat waren Ärger mit den Behörden sowie Steuerschulden. Er konnte es nicht verstehen, dass er während seines Scheidungsverfahrens aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen musste. Zudem verlangte die Stadt von dem eidgenössisch diplomierten Buchhalter die Tilgung einer Steuerschuld in Höhe von 40'000 Franken. Daraufhin kaufte der Mann im Abtwiler Säntispark zwei Benzinkanister, die er mit 20 Litern Benzin füllte, und schrieb seinem Treuhänder einen Abschiedsbrief mit den Zeilen «Ich gehe in knapp zwei Stunden den Kamin hoch. Dabei werde ich einigen Schaden verursachen und so genannte Unschuldige treffen». Den Brief gab er bei der St.Galler Hauptpost auf, stieg in den Lieferwagen und raste durch die Glasfront des Rathauses. Doch der Anschlag misslang: Ein Kanister kippte um, das Benzin lief aus, nichts explodierte. Als der Täter das Benzin schliesslich mit einem Feuerzeug anzünden wollte, wurde er von einem Polizisten daran gehindert.

Blinder Hass gegen den Staat
Nach einem Gang durch alle Instanzen bis zum Bundesgericht wurde der Attentäter schliesslich wegen versuchten mehrfachen Mordes und versuchter qualifizierter Brandstiftung zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Er habe aus Rache für einen geringfügigen Anlass und aus blindem Hass gegen staatliche Institutionen töten wollen und dabei gehofft, auch andere Personen zu ähnlichen Anschlägen ermuntern zu können, befand das Bundesgericht 2004. «Dies rückt ihn in die Nähe des Mörders, der aus religiösem oder politischem Fanatismus tötet.»

Vorzeitige Entlassung möglich
Der 57-Jährige verbüsste seine Freiheitsstrafe in der Strafanstalt Saxerriet. Laut Hans Peter Eugster hätte er Ende dieses Jahres die Möglichkeit gehabt, vorzeitg entlassen zu werden.

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