Raser im Guinnessbuch

Ein Mörschwiler Millionär schaffte es mit einer Busse von 299 000 Franken wegen Schnellfahrens ins Guinnessbuch der Rekorde. Dies, obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Eine Nachfrage klärt, wie der Eintrag zustande kam.

Mario Pavlik
Drucken
Zweifelhafte Ehre: Der Eintrag der Rekordbusse im aktuellen Guinnessbuch der Rekorde. (Bild: Mario Pavlik)

Zweifelhafte Ehre: Der Eintrag der Rekordbusse im aktuellen Guinnessbuch der Rekorde. (Bild: Mario Pavlik)

Mörschwil. Die längste Hundezunge, der grösste Schraubenzieher oder der jüngste Schwertschlucker: Im Guinnessbuch wimmelt es von Superlativen. Wie die Zeitung «20 Minuten» berichtete, schaffte es im vergangenen Jahr auch ein Ostschweizer ins Buch der Rekorde. Wie er gegenüber «20 Minuten» sagt, sei er «nicht gerade stolz» auf seinen Rekord: «Höchstes Bussgeld für einen Tempoverstoss» heisst es auf Seite 126 der aktuellen Ausgabe.

Mehrfacher «Verkehrsrowdy»

Das «höchste Bussgeld» beträgt 299 000 Franken und wurde vom St. Galler Kantonsgericht als Strafe für zu schnelles Fahren ausgesprochen. Die Busse ging an einen Temposünder aus Mörschwil, der innerorts mit fast 90 km/h und ausserorts mit über 130 km/h geblitzt wurde. Ausserdem fuhr er auf der Autobahn ohne Vignette und hatte einen Kreisel verlassen, ohne den Richtungsblinker zu betätigen. Hinzu kommt, dass es sich beim Raser um einen Wiederholungstäter handelt.

Das St. Galler Kantonsgericht bezeichnete ihn deshalb als einen «Verkehrsrowdy» und beschuldigte ihn, er habe sich aus reiner Lust an der Geschwindigkeit über Vorschriften hinweggesetzt und andere in Gefahr gebracht. Das Gericht verurteilte den Raser schliesslich aufgrund seines Vermögens zu rekordverdächtigen 130 Tagessätzen à 2300 Franken. Der Temposünder akzeptierte die Busse nicht und ging vor das Bundesgericht. Dieses gab dem Angeklagten teilweise recht und wies die Klage zurück ans Kantonsgericht. Dort ist das Urteil zurzeit noch hängig (siehe Kasten).

Meldung auf BBC-News

Nun die Überraschung: Obwohl die Busse noch nicht rechtskräftig ist, gebührt das Guinnessbuch dem Raser bereits in der diesjährigen Ausgabe einen Rekordeintrag. «Wir gehen davon aus, dass sich an der Höhe der Rekordbusse nicht mehr viel ändern wird», sagt Olaf Kuchenbecker, Chefredaktor der deutschsprachigen Ausgabe des Guinnessbuchs. «Auch wenn die Busse vom Gericht nachträglich nach unten korrigiert wird, den Rekord wird der Schweizer ziemlich sicher halten.» Die bisher höchste Busse für einen Temposünder betrug 217 000 US-Dollar und wurde in den Vereinigten Staaten ausgesprochen. Laut Olaf Kuchenbecker erfuhr die Guinnessbuch–Redaktion von der Busse des Mörschwilers über die englischen BBC-News Online. «Dort erschien am 7. Januar eine Meldung über die hohe Busse. Der Betrag war auffällig hoch und deutlich über dem bisherigen Rekord». Ob es einer seiner Mitarbeiter war, der die Meldung entdeckt hat, weiss Kuchenbecker nicht mehr. Die Rekorde werden nebst den redaktionellen Mitarbeitern nämlich auch von externen Beobachtern aufgespürt. «Alle halten ständig die Augen offen», sagt Kuchenbecker. Wie er bestätigt, kommt ein Grossteil der Einträge im Guinnessbuch aber direkt von den Rekordhaltern selbst.

Rekord bleibt für ein Jahr

Ein Rekord wie derjenige des Mörschwiler Rasers werde laufend überprüft, sagt Kuchenbecker. «Es ist damit zu rechnen, dass weiterhin reiche Lenker mit hohen Bussen bestraft werden.»

Sollte das Kantonsgericht nun während des aktuellen Verfahrens die Busse massiv herabsetzen und der Betrag, entgegen den Erwartungen, unter den bisherigen Rekord fallen, würde der Eintrag im Guinnessbuch erst nächstes Jahr verschwinden. «Aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen drucken wir pro Jahr jeweils nur eine Auflage», sagt Kuchenbecker. Der Mörschwiler Raser wird also sicher für ein Jahr offizieller Rekordhalter bleiben.

Aktuelle Nachrichten