RARITÄTEN: Kunst am Tannenbaum

Der St. Galler Künstler David Bürkler hat 40 Jahre lang Weihnachtsschmuck gesammelt. Das Historische und Völkerkundemuseum zeigt nun die besten Stücke.

Elisabeth Reisp
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Monika Mähr in der Weihnachtsschmuckausstellung, die Dank einer Schenkung von David Bürkler zustande kam. (Bild: Sabrina Stübi)

Monika Mähr in der Weihnachtsschmuckausstellung, die Dank einer Schenkung von David Bürkler zustande kam. (Bild: Sabrina Stübi)

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp

@tagblatt.ch

David Bürkler war ein Künstler, der sehr präzise, konkrete und reduzierte Kunst schuf. Ob Bild oder Installation: Seine Werke waren schnörkellos und frei von Kitsch. Umso überraschender, dass Bürkler offensichtlich eine anhaltende Leidenschaft für Christbaumschmuck hegte. Während mehr als vierzig Jahren sammelte er Schmuck aus allen Epochen. Nach seinem Tod im vergangenen Jahr vermachte er die wertvolle Sammlung dem Historischen und Völkerkundemuseum, welche sie nun in einer charmanten Ausstellung aufbereitet hat.

Bis zu 400 Franken pro Stück

Die Ausstellung ist geordnet nach Themengebieten. In kleineren und grösseren Gruppen hängen die Ornamente hinter Plexiglas. Zu wertvoll sind einzelne Stücke, als dass sie ungeschützt gezeigt werden könnten. «Wie wertvoll die Sammlung ist, wissen wir aber noch nicht», sagt Kuratorin Monika Mähr. Auf Antiquitätenmärkten würden solche Stücke Preise von bis zu 400 Franken erzielen.

Christbaumschmuck ist nicht so alt, wie man meinen könnte. «Erst in der Biedermeierzeit hielten Christbäume Einzug in die Stuben», sagt Mähr. Zu Beginn wurde vor allem Essbares an die Zweige gehängt. Als der erste Schmuck aus Glas hergestellt wurde, nahmen die Glasbläser diese Tradition auf und stellten nebst Kugeln, Nüsse und Äpfel aus Glas her.

Jede Region und Zeit habe aber ihren eigenen Stil gehabt. In Nürnberg wurde der Zinkschmuck geschaffen, im tschechischen Gablonz wurden die Glasfäden erfunden, die für die Flügel von Engelsfiguren verwendet wurden. Aus Böhmen stammt der Perlenschmuck. Und der Schmuck aus den 1960er- und 1970er-Jahren zeugt von der Studioglasbewegung, die auf den amerikanischen Glaskünstler Harvey Littleton zurückzuführen ist. Natürlich fehlt in dieser Ausstellung auch ein Christbaum nicht. Geschmückt ist der prächtige Baum in Weiss und Silber – eine Reminiszenz an die Biedermeierzeit, als Weiss eine Trendfarbe war.

35 Bananenschachteln voller Raritäten

Die Sammlung zeigt nur eine kleine Auswahl der umfassenden Sammlung Bürklers. Wie viele Stücke es genau sind, weiss Mähr selbst noch nicht genau. «Über ein Jahr lang hat ein Mitarbeiter die Sammlung inventarisiert und er ist noch nicht ganz fertig.» Es seien jedenfalls 35 Bananenschachteln voller Schmuck gewesen, die das Museum als Schenkung entgegen nehmen durfte.

Die Sammlung von Bürkler wurde bereits vier mal ausgestellt. Das erste Mal 1984 im Historischen und Völkerkundemuseum, damals war es noch eine Leihgabe. Und damals fehlten die Stücke aus der Gegenwart, die Bürkler ganz ohne Scheu und mit dem Gespür eines akribischen Sammler hinzufügte: Eine Discokugel, Stöckelschuhe und Handys – das, was man heute eben so an einen Christbaum hängt.