Rapperswil plant Pfahlbauzentrum

Der Stadtrat von Rapperswil-Jona möchte, dass das Weltkulturerbe für die Bevölkerung fassbar wird. Er diskutiert bereits über ein Erlebniszentrum in der Nähe des Holzsteges am Zürichsee.

Marc Allemann
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Zwischen der Insel Ufenau (vorne) und Hurden auf dem Seedamm liegen Tausende Pfähle im See – es sind die Überreste von Brücken zwischen den beiden Seeseiten. (Bilder: Kantonsarchäologie Zürich)

Zwischen der Insel Ufenau (vorne) und Hurden auf dem Seedamm liegen Tausende Pfähle im See – es sind die Überreste von Brücken zwischen den beiden Seeseiten. (Bilder: Kantonsarchäologie Zürich)

Zu sehen sind sie nicht, die Reste der Pfahlbausiedlungen im Zürichsee vor Rapperswil-Jona. Wer einen Blick auf die 3500 Jahre alten Pfähle werden möchte, muss zum Seegrund tauchen. Doch damit gibt sich die Stadt nicht zufrieden. Sie will ihr Weltkulturerbe sichtbar machen. «Das Weltkulturerbe-Label verpflichtet uns, diese wichtige Fundstätte für die Bevölkerung erlebbar zu machen», sagt Marianne Aguilera. Die Stadträtin bestätigt, dass der Stadtrat die Pfahlbausiedlung beim Holzsteg mit einem Erlebniszentrum würdigen möchte.

Bauplatz in Seenähe

Noch ist nicht sicher, wo das Erlebniszentrum gebaut werden kann. Denn das Land um den Seedamm ist Naturschutzgebiet. Und auf dem Grundstück beim Holzsteg ist die Hochschule für Technik angesiedelt. Das Erlebniszentrum müsse in der Nähe des Sees entstehen, darin sind sich Aguilera und Kantonsarchäologe Martin Schindler einig.

Möglich sei, eine begehbare Stätte im Freien zu realisieren, die anschaulich vermitteln würde, wie die Pfahlbauer beim Technikum gelebt hätten. Obwohl es weitere Fundstätten am Zürichsee gibt, hat die Stadt vor, im Alleingang ein Erlebniszentrum zu verwirklichen. «Wir wollen unseren Standort stärken und auf unser Kulturerbe aufmerksam machen», erklärt Aguilera. Auch der St. Galler Kantonsarchäologe Martin Schindler ist von der Idee eines Erlebniszentrums angetan. Es müsse aber beim See stehen, damit der Bezug zu den Fundstellen hergestellt werden könne.

Museum für Archäologie?

Zusammen mit den Nachbarkantonen Schwyz und Zürich wird auch die Idee eines grösseren Zentrums erörtert, das nicht gezwungenermassen auf Rapperswiler Boden stehen würde. «Das Schönste wäre ein Freilichtzentrum für Archäologie», schwärmt Franziska Moor, Kulturbeauftragte von Rapperswil-Jona. Wegen den Uferschutzzonen sei ein solches Projekt aber äusserst schwierig realisierbar. Schon bei früheren Projektideen habe sich schnell Widerstand formiert. Ein grösseres Projekt werde sich nicht über Nacht realisieren lassen, betont Moor. Archäologe Schindler ergänzt: «Die Pfähle waren über 3500 Jahre im Wasser. Die grossen Ideen können jetzt ruhig ein paar Jährchen reifen.»

Die Unesco hat am Montag 111 Pfahlbaustationen zum Weltkulturerbe erklärt. 56 Fundstätten liegen in der Schweiz. Darunter befinden sich zwei Fundstätten in Rapperswil-Jona (Ausgabe vom Dienstag).

Feier fürs Welterbe

Am Sonntag, 3. Juli, findet um 11 Uhr auf der Rapperswiler Seite des Holzsteges bei der Hochschule die offizielle Feier zur Auszeichnung mit dem Unesco-Welterbe-Label statt. Die Ansprachen halten Regierungsrat Benedikt Würth und die Vizepräsidentin des Stadtrates Marianne Aguilera. Anschliessend bietet die Kantonsarchäologie Führungen an.

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