RAPPERSWIL-JONA: Der «Mister X» der CVP

In Rapperswil-Jona lanciert die CVP Peter Göldi anstelle von Erich Zoller für den zweiten Wahlgang. Sicher im Rennen sind bis jetzt vier Kandidaten. Klar ist: Die Allianz zwischen CVP und FDP bröckelt.

Patrizia Kuriger, Eva Pfirter
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Peter Göldi soll das Stadtpräsidium von Rapperswil-Jona für die CVP retten. (Bild: David Baer)

Peter Göldi soll das Stadtpräsidium von Rapperswil-Jona für die CVP retten. (Bild: David Baer)

RAPPERSWIL-JONA. SVP-Ortsparteipräsident Kurt Kälin ist «verblüfft», FDP-Vizepräsident Rolf Dürr nimmt's «zur Kenntnis». Dass die CVP mit einem neuen Kandidaten in den zweiten Wahlgang für das Stadtpräsidium steigt, ist offenbar von vielen in der Stadt entlang des gesamten politischen Spektrums erwartet worden. Und auch der Name Peter Göldi kommt für manchen nicht ganz überraschend, ist Göldi doch bereits als der geheimnisvolle «Mister X» ins Spiel gebracht worden. Erstaunlich sei es trotzdem, dass Göldi nun tatsächlich antrete, sagen Kälin und Dürr übereinstimmend. Offenbar hat Göldis frühere Aussage, er wolle nicht als Gemeindepräsident von Gommiswald pensioniert werden, bei vielen den Eindruck entstehen lassen, der 53-Jährige hege keine Ambitionen auf ein Exekutivamt mehr.

Für FDP-Stadtpräsidiumskandidat Martin Stöckling – nach dem Rückzug von Bruno Hug für viele wohl der aussichtsreichste Bewerber – ist Peter Göldi als Auswärtiger ein «Verlegenheitskandidat» der CVP. Er hätte erwartet, dass die CVP vor der Nominierung allfälliger neuer Kandidaten das Gespräch mit jenen Parteien suche, die Erich Zoller im ersten Wahlgang unterstützt hätten. «Doch das ist nicht passiert», sagt Stöckling.

«Stöckling hat keine Exekutiverfahrung»

Die CVP ihrerseits sah offenbar eine Notwendigkeit, einen aussichtsreichen Gegenkandidaten zu Martin Stöckling aufzustellen. «Wir sind der Überzeugung, dass Martin Stöckling schlecht ist für die Stadt», sagt CVP-Ortsparteipräsident Thomas Hofstetter. Stöckling habe keine Erfahrung in einem Exekutivamt und verfüge über kein Netzwerk im Kanton St. Gallen, lautet die Einschätzung der Partei. «Es wäre für die zweitgrösste Stadt im Kanton fahrlässig, wenn man ihn zum Stadtpräsidenten wählen würde. Dafür haben wir in Rapperswil-Jona zu viele wichtige Dossiers.» Erich Zoller doppelt nach: Martin Stöckling würde sein Amt unter einem unglücklichen Stern antreten, sagt der amtierende CVP-Stadtpräsident. «Aufgrund seiner Nähe zu Bruno Hug würde sich jeder fragen: <Wer regiert da eigentlich?> Das ist keine gute Basis.» Gegen Peter Göldi hege er keinen Groll. Angesichts der Konkurrenz aus der eigenen Partei zollt GLP-Präsident Nils Rickert dem amtierenden Erich Zoller Respekt. «Ich finde seine Reaktion souverän.»

Überraschend findet Hubert Zeis den Kurswechsel der CVP. Dieser sei Ausdruck der Machterhaltungspolitik der Partei, findet der parteilose Stadtpräsidiumskandidat. Die CVP übernehme damit keine Verantwortung für den Entscheid, den sie vor fünf Jahren getroffen habe, als sie Zoller portierte. Für ihn selbst ändere sich nichts, sagt Zeis: Er tritt zum zweiten Wahlgang an.

SP will ihren Sitz im Stadtrat halten

Auf die Stadtratswahlen konzentrieren will sich hingegen die SP. Für die Partei stehe im Vordergrund, dass Pablo Blöchlinger im zweiten Wahlgang die Wiederwahl schaffte, sagt Co-Präsident Robert Hegi. «Wir werden dabei keine politischen Spielchen spielen», sagt Hegi mit Blick auf die Stadtpräsidiumswahlen. Will heissen: Die Partei werde nicht einfach aus taktischen Überlegungen Martin Stöckling unterstützen, weil bei seiner Wahl zum Stadtpräsidenten ein weiteres Stadtratsmandat – jenes von Stöckling, der bereits gewählt ist – frei würde. Vielmehr will die SP alle Kandidierenden Mitte Oktober zum Hearing einladen und gestützt darauf entscheiden, wen sie zur Wahl empfiehlt. Nicht zu den neusten Entwicklungen äussern wollte sich gestern die UGS.

Bereits heute Abend beraten will sich die GLP. Die Partei hatte im ersten Wahlgang Zoller unterstützt. Angesichts des jetzigen Kandidatenfeldes sei der Ausgang des zweiten Wahlgangs wieder offener, glaubt Nils Rickert.

Die SVP hatte sich bereits am Montag für Martin Stöckling ausgesprochen. Für die SVP sei wichtig, dass in Rapperswil-Jona ein Stadtpräsident amtiere, der auf kantonaler Ebene das Potenzial zu Höherem habe, sagt Kälin. Stöcklings Wahlchancen seien intakt, glaubt der Präsident der SVP Rapperswil-Jona. Ob Bruno Hugs Stimmen aus dem ersten Wahlgang aber einfach zu Martin Stöckling wandern, das ist für Nils Rickert fraglich. «Es hängt davon ab, ob die Wähler diese Rochade goutieren.»