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Quartiergeschichte im Flugbild

Eine Villa, die zerlegt und an der Hochwachtstrasse neu aufgestellt wurde. Ein marodes Schulhaus und Verkehrsfragen. Die HSG-Führung ins Riethüsli sprach Geschichte und aktuelle Probleme dieses Quartiers an. Und wartete als Überraschung mit einem hochinteressanten Bild auf.
Reto Voneschen
Das Riethüsli auf einer Luftaufnahme von Walter Mittelholzer vom 14. Mai 1924. Dort, wo heute in der Bildmitte Schulhaus, Kirche und neuere Wohnhäuser stehen, und auch auf Oberhofstetten wird das Gebiet durch die grosse Gärtnerei Wartmann geprägt. Vorne ist der «Scheffelstein» (mit Terrasse und Turm) und der Nestweier, gegenüber am rechten Bildrand der «Klotz» der Textilfabrik zu erkennen. An der Strasse, die links am «Scheffelstein» vorbeiführt, liegt das Restaurant Nest, dort, wo die Strasse ins Riethüsli abbiegt. (Bild: ETH-Bibliothek Zürich)

Das Riethüsli auf einer Luftaufnahme von Walter Mittelholzer vom 14. Mai 1924. Dort, wo heute in der Bildmitte Schulhaus, Kirche und neuere Wohnhäuser stehen, und auch auf Oberhofstetten wird das Gebiet durch die grosse Gärtnerei Wartmann geprägt. Vorne ist der «Scheffelstein» (mit Terrasse und Turm) und der Nestweier, gegenüber am rechten Bildrand der «Klotz» der Textilfabrik zu erkennen. An der Strasse, die links am «Scheffelstein» vorbeiführt, liegt das Restaurant Nest, dort, wo die Strasse ins Riethüsli abbiegt. (Bild: ETH-Bibliothek Zürich)

Führungen zur Baugeschichte von Städten haben überall ihr Publikum. In St. Gallen hat diese Art Spaziergänge derzeit allerdings Hochkonjunktur (siehe Kasten). Selten wartet aber einer davon mit einer solchen Trouvaille auf, wie die Exkursion im Rahmen des öffentlichen HSG-Programms am Dienstag vor einer Woche: einer Luftaufnahme des Riethüsli vom 14. Mai 1924 (grosses Bild). Sie wurde von keinem Geringeren angefertigt als vom St. Galler Flieger- und Fotopionier Walter Mittelholzer.

Gärtnerei statt Quartierzentrum

Fredi Hächer, Mitarbeiter im Stadtarchiv und Bewohner des Riethüsli, fand die Luftaufnahme im elektronischen Bildarchiv der ETH-Bibliothek in Zürich. Ganz einfach war das wohl nicht: Unter den Stichworten «St. Gallen» und «Riethüsli» taucht sie nämlich bei der Suche nicht auf. Der Bildtitel lautet vielmehr «St. Gallen, Gärtnerei Wartmann». Man muss die Geschichte des Quartiers ziemlich gut kennen, um das entschlüsseln zu können.

Die Gärtnerei Wartmann, später Wartmann-Buchmüller, gab es gemäss Fredi Hächler bis in die 1970er-Jahre hinein. Danach wurde der Betrieb aufgegeben, das Land Stück für Stück überbaut. Heute stehen darauf auch die Kirche, das Primarschulhaus und etliche Wohnhäuser. Auch der Hang Richtung Oberhofstetten, wo sich heute Einfamilienhäuser aneinanderreihen, gehörte damals zur riesigen Gärtnerei.

Erhalten geblieben ist das Hauptgebäude dieses Betriebs, ein rustikales Holzhaus, unten an der Teufener Strasse. Darin residiert heute Quartiervereinspräsident Hannes Kundert mit Teilen seines Elektrikerbetriebs. Und auch der eine oder andere schöne grosse Baum im Gebiet verdankt seine Existenz der ehemaligen Gärtnerei-Nutzung.

Als der «Scheffelstein» brannte

Auf der historischen Flugaufnahme sind natürlich auch noch andere historische Bauten im Riethüsli zu erkennen. Etwa der heute noch stehende «Scheffelstein», 1904 als Restaurant und Hotel erbaut, 1943 durch ein Feuer teilweise zerstört und wieder aufgebaut. Oder die Textilfabrik Wegelin zwischen Hochwacht- und Solitüdenstrasse. Der markante «Klotz» wurde in den 1950er-Jahren abgebrochen – nachdem darin auch noch eine Weile Riri-Reissverschlüsse und Happy-Betten (heute in Gossau zu Hause) produziert wurden.

Auf dem Rundgang mit Hächler, Stadtbaumeister Doguoglu sowie den Stadtarchivaren Marcel Mayer und Stefan Sonderegger sowie ihrer Mitarbeiterin Dorothée Guggenheimer gab's auch bauhistorische Kuriositäten zu bestaunen. Etwa die Villa Malta an der Hochwachtstrasse 15. Sie war 1883 für den Stickereiexporteur Eduard Kürsteiner an der Ecke St. Leonhard- und Gutenbergstrasse erbaut worden. 1911 wurde sie in ihre Einzelteile zerlegt, an die Hochwachtstrasse geschafft und hier wieder aufgebaut, und zwar um 180 Grad gedreht und anderthalb Meter aufgestockt.

Schul- und Verkehrsfragen

Revue passierten auf der HSG-Führung auch aktuelle Fragen, die das Quartier bewegen. Wenig Freude herrscht hier ob der Verschiebung des Neubaus des Primarschulhauses, dessen ursprünglich geplante Sanierung sich nicht mehr lohnt. Hauptproblem des Riethüsli-Quartiers bleibt aber der Durchgangsverkehr. Die Eisenbahn wird in den nächsten Jahren zwischen Ober- und Demutstrasse in den Ruckhalde-Tunnel verlegt. Gleichzeitig werden die Gleise im «Dorfzentrum» weg von der Teufener Strasse verlegt – was Platz für eine attraktivere Neugestaltung entlang der Hauptstrasse bieten soll. Fürs Quartier lästiger als die Eisenbahn ist aber der tägliche motorisierte Durchgangsverkehr vom und ins Appenzellerland. Kein Wunder, finden sich hier viele Befürworter eines Autotunnels vom Güterbahnhof bis in die Liebegg, wie er derzeit in Zusammenhang mit dem Projekt der Teilspange diskutiert wird.

Der «Scheffelstein» wurde 1904 als Restaurant und Hotel erbaut.

Der «Scheffelstein» wurde 1904 als Restaurant und Hotel erbaut.

Das «Nest» an der Verzweigung Obere Bernegg- und Neststrasse in den 1930er-Jahren. Vorne der Saal, hinten das Restaurant und die Pension.

Das «Nest» an der Verzweigung Obere Bernegg- und Neststrasse in den 1930er-Jahren. Vorne der Saal, hinten das Restaurant und die Pension.

Der Nestweier auf einer Postkarte vor 1932. Er figuriert erstmals auf einem Plan von 1830. Wann genau und wieso er gebaut wurde, ist unklar.

Der Nestweier auf einer Postkarte vor 1932. Er figuriert erstmals auf einem Plan von 1830. Wann genau und wieso er gebaut wurde, ist unklar.

Textilfabrik 1906. Die Zufahrt lag an der Hochwachtstrasse. (Bilder: Sammlung Reto Voneschen)

Textilfabrik 1906. Die Zufahrt lag an der Hochwachtstrasse. (Bilder: Sammlung Reto Voneschen)

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