Quartier lieber der Stadt angliedern

«Eine Oberstufe für alle», Ausgabe vom 22. November

Christian Nagel Vorder-Espenstrasse 10, 9008 St. Gallen
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Mein bisheriges Verständnis von Demokratie war, beide Parteien zu Wort kommen zu lassen, um danach ein objektives Urteil zu fällen. Mit einem einseitigen, von Halbwahrheiten durchsetzten Vortrag hat Herr Gladig als Präsident des Schulrates seine Argumente dem Parlament unterbreitet. Die Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner aus unserem Quartier hat man nicht gehört oder verstanden. Oder war es auch absolut egal, was wir zu sagen hatten?

Tatsächlich sind wir eingebettet in die Stadt und dort bereits voll integriert. Ja, Herr Schmidhauser, Ihnen blutet das Herz, aber bei mir kocht das Blut. Dieses Quartier gehört seit über 100 Jahren zur Stadt. Der Strom, das Gas und selbst die Postadresse kommt von der Stadt. Wir erhalten regelmässig Wahlwerbung aus der Stadt, aber keine aus Wittenbach.

Frau Leitner-Frei hat von Gleichberechtigung gegenüber den Bergern und den Muolern gesprochen. Aus diesen Gemeinden geht jeweils der ganze Jahrgang geschlossen ins Oberstufenzentrum. Von unserem Quartier sind es nur ein bis zwei Kinder, die aus einer Klasse in eine ganz neue und für sie völlig fremde Umgebung verpflanzt werden. Und es betrifft ja nicht nur die Schule. Sie dürfen dann auch nicht mehr den Musikunterricht in der Stadt be­suchen. Das soziale Umfeld, welches durch gemeinsam durchgeführte Anlässe entstanden ist, wird aufgebrochen. Auch alle anderen ausserschulischen Aktivitäten verwandeln sich zu einem logistischen Albtraum für die Eltern. In Zukunft wird es nur noch mit dem Elterntaxi möglich sein, die Termine von Schule und Freizeitangebot unter einen Hut zu bringen. Das soll zum Wohle des Kindes sein? Klar geht es hier nur ums Geld. Aber auch wir zahlen Steuern.

Das Schulparlament hat die Aufgabe, den Schulrat zu unterstützen. Das Parlament darf dabei jedoch das Wohl der Kinder nie aus den Augen verlieren. Ich würde es sehr begrüssen, wenn die eine Hälfte dieses Quartiers, welche politisch derzeit noch zu Wittenbach gehört, an die Stadt abgetreten würde.

Christian Nagel Vorder-Espenstrasse 10, 9008 St. Gallen