QUARANTÄNE: Norovirus legt Rorschacher Altersheime lahm

Im Rorschacherberger «Haus zum Seeblick» hat sich das Norovirus ausgebreitet. Im Altersheim Rorschach leiden 25 Bewohner an einer Magendarmgrippe. Besuche sind nun nicht mehr gestattet.

Linda Müntener
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Das betroffene Altersheim in Rorschach. (Bild: Rudolf Hirtl)

Das betroffene Altersheim in Rorschach. (Bild: Rudolf Hirtl)

«Es ist der ungünstigste Zeitpunkt», sagt Rorschachs stellvertretender Stadtschreiber Erich Lowiner. Eigentlich herrscht zu dieser Zeit des Jahres ein Kommen und Gehen im Altersheim Rorschach. Nun ist es geschlossen. Quarantäne. Eine Magendarmgrippe hat sich ausgebreitet. 25 Bewohner leiden an Durchfall und Erbrechen. Die Symptome deuten auf das Norovirus hin. Diese hochansteckende Krankheit führt über Viren zu Erbrechen und Durchfall, verbunden mit Bauch-, Muskel- und Kopfschmerzen. Sie verbreitet sich dort, wo viele Menschen auf engstem Raum leben. «Ob es sich in unserem Fall um das Norovirus handelt, wurde bisher nicht ärztlich bestätigt», sagt Lowiner.

Das «Haus zum Seeblick» in Rorschacherberg hat hingegen schon Gewissheit. Im Altersheim  grassiert das Norovirus. Geschäftsführer Hans Rudolf Dürst schätzt die Zahl der Betroffenen auf aktuell 15 bis 18. «Das schwankt stetig», sagt er. Auf das Norovirus gebe es nur eine richtige Reaktion der Heimleitung: «Schliessen.» Denn das Virus sei erst durch Besuche ins Altersheim getragen worden. Solche sind nun nicht mehr gestattet. Sämtliche bevorstehenden Veranstaltungen im «Haus zum Seeblick» wurden zudem abgesagt. Auch das öffentliche Restaurant bleibt bis auf weiteres geschlossen.
 
Hygienevorschriften wurden verschärft
Wie sich die Magendarmgrippe im Rorschacher Altersheim ausbreiten konnte, ist unklar. «Wir gehen davon aus, dass ein Bewohner die Viren während des Verwandtenbesuchs an den Feiertagen aufgeschnappt hat», sagt Erich Lowiner. Zur Weihnachtszeit sei der Austausch intensiver. Hinzu komme, dass viele Betagte während der Wintermonate ohnehin anfälliger für eine Grippe seien. Obwohl nicht geklärt ist, ob es sich auch in Rorschach um das hochansteckende Norovirus handelt, besteht ein Verbreitungsrisiko. Besuche sind deshalb nicht mehr erlaubt. Wann das Heim wieder geöffnet wird, kann Lowiner derzeit nicht sagen. «Frühestens dann, wenn 48 Stunden am Stück keine Symptome mehr aufgetreten sind.» Die Angehörigen der Betroffenen habe man bereits informiert. Man hoffe auf deren Verständnis.

Diese Vorsichtsmassnahme betrifft auch einen Teil des Heimpersonals. Es werden nur jene Mitarbeitenden aufgeboten, die zwingend vor Ort sein müssen. Die Heim-Coiffeuse muss ihre Termine verschieben. Erkrankte bleiben wenn immer möglich auf ihrem Zimmer. Die Mahlzeiten nehmen sie alleine und nicht mit den anderen Heimbewohnern im Gemeinschaftssaal ein. Auch die Hygienevorschriften wurden verschärft. So wird etwa die Wäsche der Erkrankten separat gewaschen. «Es ist eine herausfordernde Situation für die Heimleitung», sagt Lowiner. Diese ist derart eingespannt, dass sie zu den Fragen keine Stellung beziehen kann.
 
Verdachtsfälle in benachbarten Heimen
Im regionalen Pflegheim PeLaggo in Rorschacherberg hat man bereits Erfahrung mit dem Norovirus. Die Krankheit legte Ende des Jahres 2014 das Heim lahm. 50 Bewohner und 45 Angestellte erkrankten damals am aggressiven Brechdurchfall. Nicht nur deshalb lässt man im Heim derzeit besondere Vorsicht walten. Einen Verdachtsfall auf das Norovirus habe es in diesen Tagen gegeben, heisst es auf Anfrage. Dieser habe sich nach einem Bluttest aber nicht bestätigt. Dennoch trifft das PeLago Sicherheitsmassnahmen. Angehörigen wird von einem Besuch vor kommendem Sonntag abgeraten. Das Seniorenzentrum LaVita in Goldach ist derzeit hingegen noch geöffnet. Einzelne Bewohner leiden zwar unter Übelkeit, heisst es auf Anfrage. Das Norovirus konnte aber auch in Goldach bisher nicht bestätigt werden.