Qualität verrottet nicht

Ihr Ende wird der gedruckten Zeitung schon seit Jahren vorausgesagt. Sterben will sie aber nicht. Das Tagblatt will nicht mal verrotten, wie unlängst bewiesen wurde. Bei der Valida an der Sömmerliwaldstrasse wird gebaut.

Elisabeth Reisp
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Das Tagblatt vom 2. April 1965 – nicht mehr ganz druckfrisch. (Bild: pd)

Das Tagblatt vom 2. April 1965 – nicht mehr ganz druckfrisch. (Bild: pd)

Ihr Ende wird der gedruckten Zeitung schon seit Jahren vorausgesagt. Sterben will sie aber nicht. Das Tagblatt will nicht mal verrotten, wie unlängst bewiesen wurde. Bei der Valida an der Sömmerliwaldstrasse wird gebaut. Um den Untergrund zu prüfen, wurde an einer Stelle ein Loch gebaggert, denn unter der Wiese, das wissen die älteren St. Galler noch, war früher eine Abfalldeponie, der «Gallemischt».

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Bis 2,5 Meter war der Boden in Ordnung. Bereits wähnten sich die Baumeister auf der sicheren Seite, doch um ganz sicher zu gehen, sollten noch zwei Schaufeln Erde abgetragen werden. Zum Vorschein kam ein Hohlraum, in dem ein Bündel Zeitungen mit dem Datum 2. April 1965 lagen. Zwar etwas feucht und am Rande etwas angenagt, doch in der Mitte des Bundes durchaus leserlich. Gefunden hat man sie ganz scherzfrei am 1. April 2015. Fast auf den Tag genau 50 Jahre nach ihrem Druck.

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Abgesehen von Bauwerken ist nur das gedruckte Wort so beständig. Es gibt Bücher, Pergament- und Papyrusrollen, die sind Jahrhunderte oder Jahrtausende alt. Kürzlich erst erklärte ein Historiker und Archivar den Unterschied zwischen digitalen und analogen Medien. Digitale Medien abzuspeichern sei ein immenser Aufwand. Ständig müssen die Formate auf ihre Kompatibilität mit der aktuellen Software geprüft werden. Selbst die Speichermedien müssen immer wieder gewechselt werden. Floppy-Disketten etwa gibt es schon lange nicht mehr.

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Gedrucktes Papier hingegen, das halte ewig und sei problemlos lagerbar. Und wer etwas sucht, nimmt das Dokument einfach zur Hand und liest. Kein mühsames Suchen eines Floppy-Laufwerks (hat noch jemand eins?), kein Hochfahren eines veralteten Systems. Die Lagerung von Papier sei höchst unproblematisch. Feuchtigkeit vermeiden. Fertig. Und selbst in einem modrigen Loch kann das gedruckte Papier, zumindest das Tagblatt, seine Form wahren und stoisch der Dinge harren, die da noch kommen mögen. Versuchen Sie das mal mit einem Tablet. (Gedruckte) Qualität setzt sich eben durch.

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