«Punk ist tot, Polka stirbt nie»

Im Mariaberg haben The Dreadnoughts am Samstag Folk-Musik mit Punkrock gemischt. Mit dabei: Die italienische Ska-Band Talco und über 180 Fans, die wohl alle ein zweites T-Shirt im Gepäck gebraucht haben.

Dominik Bärlocher
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Pogo, Punk und Polka: Die kanadischen Folk-Punker von The Dreadnoughts heizen dem Mariaberg ein. (Bild: Dominik Bärlocher)

Pogo, Punk und Polka: Die kanadischen Folk-Punker von The Dreadnoughts heizen dem Mariaberg ein. (Bild: Dominik Bärlocher)

Rorschach. Mit Mandoline, Violine und elektrischer Gitarre hat die kanadische Band The Dreadnoughts am Samstag im Rorschacher Kulturlokal Mariaberg Folk-Musik mit Punk-Einflüssen gespielt. «Punk ist tot, Polka stirbt nie», sagt Sänger Nicholas Smyth vor dem Konzert am Merchandise-Stand gleich beim Eingang des Lokals. Trotz des scheinbar toten Genres sind über 180 Konzertbesucher gekommen, zum Teil aus dem Fürstentum Lichtenstein oder von noch weiter weg.

Stagediving zur Bar

Es ist heiss, nachdem die erste Band Talco die Bühne verlassen hat. Die Luft ist stickig, der Boden klebrig. Brillen, Bildschirme von Handys und Kameraobjektive beschlagen innerhalb weniger Sekunden. Die ersten Fans haben ihre T-Shirts ausgezogen, stehen mit nacktem Oberkörper verschwitzt vor der Bühne. Viel Zeit zur Erholung bleibt aber nicht, denn anstelle aufwendigen Bühnenumbaus benutzen die Dreadnoughts das Schlagzeug ihrer Vorband und schliessen lediglich ihre Instrumente an die Verstärker an.

Innerhalb weniger Takte tanzen die Fans vor dem Bühnenraum. Im hinteren Bereich etwas harmloser, vor der Bühne bildet sich ein Moshpit. Darin wird ein Tanz aufgeführt, der daraus besteht, herumzuhüpfen und sich gegenseitig zu schubsen. Wer fällt, dem wird sofort wieder auf die Beine geholfen. Fans und Musiker üben sich im Stagediving und lassen sich von der Bühne zur Bar und zurücktragen – während sie auf eine Pauke hauen.

Zweites T-Shirt Pflicht

Während des Konzerts ist es feucht. Schweiss und Bier tropfen aus allen Richtungen auf die Kleider und die Haut. Bier wird geteilt. Wer Durst hat, der fragt einfach beim Nachbarn, ob er einen Schluck haben kann. Dabei wird gesudelt.

Wo vorher nur der Boden klebrig war, sind es die Fans spätestens nach dem Konzert auch. Niemand beschwert sich darüber. Fans wissen: Bei Punkkonzerten wird ein zweites T-Shirt mitgebracht oder eins gekauft. Dreckige Shirts werden ausgewrungen und verstaut. Mit den sauberen Kleidern am Leib machen sich die Zuschauer auf, aus dem heissen Mariaberg in die kalte Nacht.

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