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PROZESS: Vierjährige sollte zur Sexsklavin werden - Mutter vor St.Galler Gericht: "Ich liebe meine Tochter"

Eine Mutter, die ihre vierjährige Tochter zur Sexsklavin für ihren Liebhaber erziehen wollte, war an der Verhandlung am Kreisgericht St.Gallen geständig. Der Mann stritt die meisten der an ihn gerichteten Vorwürfe ab.
Claudia Schmid
Eine 31-Jährige Mutter wollte ihre Tochter zur Sexsklavin erziehen. (Bild: DPA)

Eine 31-Jährige Mutter wollte ihre Tochter zur Sexsklavin erziehen. (Bild: DPA)

Die 31-jährige Schweizerin befindet sich seit Herbst 2015 im vorzeitigen Strafvollzug und unterzieht sich seither einer Therapie. Sie könne heute nicht mehr verstehen, weshalb sie ihre Tochter sexuell missbraucht habe, erklärte sie in der Befragung des vorsitzenden Richters. Sie habe in einer verzerrten Realität gelebt, sei ihrem Liebhaber völlig hörig gewesen und habe wirklich geglaubt, dass ihr Handeln für das Kind gut sei.

Scham und Unverständnis

Die Beschuldigte bejahte sämtliche Vorwürfe, welche die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift gegen sie und ihren Liebhaber aufgelistet hatte. Die Beziehung zum Beschuldigten bezeichnete sie als obsessiv. Sie habe sich völlig auf ihn fixiert und gewollt, dass sie sich durch ihn aufgehoben und beschützt fühle. Als Mutter sei sie sehr unsicher gewesen und habe gedacht, er könne auch ihre Tochter beschützen und es sei gut, wenn ihr Kind auf sexuelle Handlungen mit ihm vorbereitet werde. Sie gab auch zu, vom Missbrauch Bilder gemacht und dem Beschuldigten geschickt zu haben. Das meiste sei auf Anweisung des Beschuldigten geschehen, einiges auf ihre Initiative hin, da sie ihn weiter an sich habe binden wollen.

Sie habe eindeutig ihre Fürsorgepflichten gegenüber ihrer Tochter verletzt, betonte die Frau weiter. Sie habe sie alleine gelassen, wenn sie Freier bedient habe, um dem Liebhaber Geld geben zu können. Heute wisse sie, was sie ihrer Tochter angetan habe. Sie schäme sich zutiefst. Es sei vielleicht schwer verständlich angesichts dessen, was geschehen sei, doch liebe sie ihre Tochter. Sie akzeptierte die Schadenersatz- und Genugtuungssumme, welche die Rechtsvertreterin des Opfers beantragte.

"Abstrahierte" Fantasien

Der 53-jährige Beschuldigte stritt die meisten Vorwürfe ab. Er und die Beschuldigte hätten eine intensive sexuelle Beziehung ausgelebt, in der Sadomasochismus eine Rolle gespielt habe. Mit dem sexuellen Missbrauch des Mädchens habe er nichts zu tun. Für diesen sei allein die Mutter verantwortlich. In den Chatnachrichten, die sie ausgetauscht hätten, habe er über keine realen Absichten geschrieben, sondern über "abstrahierte Fantasien". Die Frau habe ihm ungefragt Bilder von ihrer Tochter geschickt. Er habe sie nur nicht explizit zurückgewiesen, um ihre sexuelle Beziehung nicht zu gefährden. Er sei weder pädophil, noch interessiere er sich für pornografische Bilder mit Gewaltszenen.

Der Staatsanwalt bezeichnete die Unschuldsbeteuerungen des deutschen Staatsangehörigen als reine Schutzbehauptung. Bei diesem Straffall handle es sich um einen unvorstellbaren Kindmissbrauch, bei dem die Mutter und ihr Liebhaber das Kind als Sexspielzeug eingesetzt und missbraucht hätten. Der Mann sei ein eloquenter Redner, der mit diesem Talent versuche, von der Wahrheit abzulenken. Das Kind habe schwere psychische Schäden erlitten, betonte die Rechtsvertreterin des Mädchens.

Verteidiger fordert milde Strafe

Die Verteidigerin der Beschuldigten unterstützte die Anträge der Anklage, die für die Frau eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren und die Anordnung einer ambulanten Massnahme forderte. Das Verhalten der Beschuldigten sei zu bestrafen. Dies sehe sowohl sie als auch ihre Mandantin so.

Der Verteidiger des Mannes verlangte mehrere Freisprüche. Er sei zu einer bedingten Haftstrafe von zehn Monaten zu verurteilen. Die Sicht der Anklage, sein Mandant sei das Monster und die Frau ihm willenlos unterstellt, sei falsch. Der Beschuldigte sei zwar kein Unschuldslamm, doch habe er das Kind nie angerührt. Haupttäterin sei die Mutter. Der Staatsanwaltschaft warf der Verteidiger unzulässiges und voreingenommenes Verhalten im Untersuchungsverfahren und im Verfassen der Anklageschrift vor. Zudem bestritt er, dass die Frau sich tatsächlich in einem Abhängigkeitsverhältnis befunden habe.

Das Urteil des Kreisgerichts steht noch aus.

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