PROZESS: Vergewaltiger verlangt vor Kantonsgericht mildere Strafe

Ein 31-jähriger Mann soll eine Bekannte mit einer Nagelfeile bedroht und sie vergewaltigt haben. Im Berufungsprozess vor dem St.Galler Kantonsgericht verlangte er am Dienstag eine mildere Strafe.

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Der 31-jährige Täter soll eine Bekannte mit einer Nagelfeile bedroht und vergewaltigt haben. (Bild: Keystone/Symbolbild)

Der 31-jährige Täter soll eine Bekannte mit einer Nagelfeile bedroht und vergewaltigt haben. (Bild: Keystone/Symbolbild)

Das Kreisgericht Rheintal hatte den Schweizer Mitte 2016 zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Es schob diese Strafe aber auf und ordnete eine stationäre Therapie − auch «kleine Verwahrung» genannt − an. Der Verurteilte zog den Fall ans Kantonsgericht weiter. In der Verhandlung vom Dienstag verlangte der Mann eine mildere Haftstrafe und den Verzicht auf die «kleine Verwahrung». Die Vergewaltigung erklärte er mit seiner langjährigen Drogensucht. Bevor er sich mit seiner Zimmernachbarin traf, konsumierte er nach seinen Angaben ein amphetaminhaltiges Suchtmittel. Sie hätten zusammen Bier getrunken, bis es zum Streit gekommen sei. Aufgrund der Drogen sei er plötzlich zur Überzeugung gelangt, die Frau habe ihm sein Kokain gestohlen. Er bedrohte sie mit einer Nagelfeile und vergewaltigte sie schliesslich.

Er bereue den fatalen Fehler, erklärte der Mann dem Kantonsgericht. Die Vergewaltigung und seine Vorstrafen seien das Resultat seiner Sucht. Deshalb habe er sich nun von den Drogen losgesagt. Er wolle in Zukunft einer Arbeit nachgehen, die seinen Talenten entspreche, und den Kontakt zu seiner Familie pflegen. Er hoffe auf eine zweite Chance. Eine stationäre Massnahme sei für ihn nicht der richtige Weg. Der Beschuldigte musste sich auch verantworten, weil er sich gewaltsam Zugang zur Wohnung eines anderen Nachbarn verschaffte, bei dem sich das Vergewaltigungsopfer versteckt hatte. Der Verteidiger verlangte in diesem Fall Freisprüche. Es sei keine rechtsgültige Anzeige eingegangen.

Er beantragte eine Reduktion der Freiheitsstrafe auf dreieinhalb Jahre und den Verzicht auf die stationäre Massnahme. Mit 31 Jahren habe sein Mandat eingesehen, dass er sein Leben ändern müsse. In der Zwischenzeit habe ein tiefgreifender Wandel stattgefunden. Er trinke keinen Alkohol mehr und nehme keine Drogen.

Chancen nicht genutzt
Die Staatsanwältin plädierte auf Abweisung der Berufung. Für eine erfolgreiche ambulante Therapie habe der Mann eine ganze Reihe von Chancen gehabt, die er nicht genutzt habe. Nun brauche es eine stationäre Massnahme, damit die Rückfallgefahr vermindert werden könne. Das Urteil des Kantonsgerichts wird in den nächsten Tagen erwartet. (SDA-ATS/cis/ny)