PROZESS: Vergewaltiger muss in stationäre Therapie

Ein drogensüchtiger Mann muss in eine stationäre Therapie, weil er eine Bekannte mit einer Nagelfeile bedroht und vergewaltigt hatte. Der 31-Jährige wehrte sich vergeblich gegen die sogenannte «kleine Verwahrung».

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Gewalt in der Beziehung reisst tiefe Wunden auf. (Bild: Archiv/Ursula Häne (Symbolbild))

Gewalt in der Beziehung reisst tiefe Wunden auf. (Bild: Archiv/Ursula Häne (Symbolbild))

Der Beschuldigte gestand am Dienstag an der Berufungsverhandlung vor Kantonsgericht, dass er im September 2015 eine Bekannte mit einer Nagelfeile in der Hand mit dem Tod bedroht hatte. Er hatte sie unter Anwendung von körperlicher Gewalt zum Widerstand unfähig gemacht und gegen ihren Willen den Geschlechtsverkehr vollzogen.

Kleine Verwahrung

Das Kreisgericht Rheintal verurteilte den Schweizer zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Es schob diese Strafe aber auf und ordnete eine stationäre Therapie − auch «kleine Verwahrung» genannt − an. Der Verurteilte zog den Fall ans Kantonsgericht weiter und verlangte eine mildere Strafe und vor allem den Verzicht auf die stationäre Massnahme.

Das Kantonsgericht bestätigte das Urteil der Vorinstanz in den wesentlichen Punkten und verurteilte den 31-Jährigen wegen Vergewaltigung, Nötigung, Beschimpfung, Hausfriedensbruchs und weiterer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Wie das Gericht am Freitag mitteilte, wird eine stationäre Massnahme, die sogenannte «kleine Verwahrung», angeordnet. Der Beschuldigte erhält zudem eine Geldstrafe von fünf Tagessätzen zu je 10 Franken und eine Busse von 600 Franken.

Hohe Gerichtskosten

Die Gerichtskosten betragen rund 57'000 Franken. Den weitaus grösseren Teil muss der Beschuldigte zahlen. Rund 9'000 Franken übernimmt der Staat. Seinem Opfer muss er eine Genugtuung von 15'000 Franken und Schadenersatz von gut 400 Franken zahlen. (sda)