PROZESS: Rabiater Securitas will nicht ins Gefängnis

Ein ehemaliger Securitas, der bei der Arbeit und privat ausgerastet sein soll, musste sich in St.Gallen vor Gericht verantworten. Er bestritt mehrere der Vorwürfe, zeigte aber auch eine gewisse Reue. Das Urteil steht noch aus.

Claudia Schmid
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Ein ehemaliger Securitas musste sich vor Gericht verantworten. (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))

Ein ehemaliger Securitas musste sich vor Gericht verantworten. (Bild: ENNIO LEANZA (KEYSTONE))

Dem 37jährigen Italiener werden verschiedene Delikte vorgeworfen. Darunter fallen schwere Körperverletzung, Unterlassen der Nothilfe, falsche Anschuldigung, Sachbeschädigung, Drohung, Beschimpfung, sexuelle Nötigung, Pornografie und pflichtwidriges Verhalten bei Unfall. Die Staatsanwaltschaft forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren, eine Geldstrafe und eine Busse. Zudem sei eine vollzugsbegleitende Therapie anzuordnen. Die Verteidigung beantragte mehrere Freisprüche und als Sanktion eine bedingte Freiheitsstrafe von höchstens zehn Monaten.

Ehemalige Freundin beschimpft und malträtiert

Im April 2016 soll der Beschuldigte seine Ex-Freundin in alkoholisiertem Zustand mit einer Wasserflasche, einer Pfeffermühle aus Holz, Kleiderbügeln und einem Natel beworfen, sie an den Haaren nackt um das Haus herum gezerrt und ins Schlafzimmer geschleift haben. Er habe sie mit dem Fuss in ihren Oberkörper getreten, auf ihren Bauch gekniet, sie mit beiden Händen gewürgt und sexuell genötigt, erzählte die Frau am Donnerstag vor dem Kreisgericht St. Gallen. Zudem habe er sie mit Fäusten und offenen Händen geschlagen und mehrfach schlimm beschimpft. Sie sei überzeugt gewesen, er bringe sie um. Noch heute habe sie Alpträume. Das Opfer erlitt mehrere Verletzungen, unter anderem einen Nasenbeinbruch.

Der Beschuldigte erzählte eine andere Version der Dinge. Kaum sei er frühmorgens nach Hause gekommen habe sie ihm Ohrfeigen verpasst. Danach hätten sie sich gegenseitig beschimpft und geschlagen. Die Sache sei ziemlich aus dem Ruder gelaufen, doch habe er sie weder sexuell genötigt noch gegen ihren Willen festgehalten.

Vorfall bei Fahrgast-Kontrolle im Postauto

Der zweite Vorwurf betrifft einen Vorfall im Mai 2013. Der Beschuldigte war als Securitasmitarbeiter im Postauto von Roggwil nach St. Gallen unterwegs. Auf der Strecke soll er einem Fahrgast die Faust ins Gesicht geschlagen und ihm das Nasenbein gebrochen haben. Das Opfer gab an der Gerichtsverhandlung an, es sei bei der Billettkontrolle zu gegenseitigen verbalen Provokationen gekommen. Einer der beiden Securitasleute habe ihm schliesslich kurz vor einer Haltestelle in St. Gallen den Fausthieb versetzt und ihn aus dem Postauto geworfen.

Weder er noch sein Kollege hätten den Fahrgast geschlagen, erklärte der Beschuldigte. Sie hätten den renitenten Mann lediglich auf beiden Seiten gefasst und ihn aus dem Postauto geleitet. Dabei habe er keinerlei Verletzungen davongetragen.

Kündigung der Securitas erhalten

Geständig war der Mann, dass er 2012 einen Fussball-Fan fälschlich beschuldigt hat, ihn getreten zu haben. Er hatte als Securitasmann in der AFG-Arena gearbeitet. Das falsche Zeugnis habe er abgelegt, weil er sich durch andere habe beeinflussen lassen, begründete er sein Handeln. In Luzern soll er einem Fussballfan ins Gesicht geschlagen haben.

Im Herbst 2013 erhielt er die Kündigung von der Securitas AG. Er sei deshalb aufgewühlt gewesen und habe auf dem Weg in die Stadt St. Gallen eine Leitplanke touchiert. Weil er gedacht habe, es sei nichts beschädigt worden, habe er den Vorfall nicht der Polizei gemeldet. Es entspreche nicht der Wahrheit, dass er zum Zeitpunkt des Unfalls alkoholisiert gewesen sei. Erst nachher habe er ziemlich viel Bier in sich hineingeschüttet.

Bargäste geschlagen

Im Februar 2014 kam es zu einer Auseinandersetzung mit Gästen einer Gossauer Bar. Laut Anklage beschimpfte der Italiener drei deutsche Gäste und sprühte ihnen Pfefferspray ins Gesicht. Zweien soll er eine schwere Taschenlampe mehrfach auf den Kopf geschlagen und sich dann nicht um die Verletzten gekümmert haben. Er sei zuerst von ihnen mit Faustschlägen angegriffen worden und habe sich verteidigt, erklärte der Beschuldigte.

Heute würde er vieles gerne Ungeschehen machen, betonte der dreifache Vater. Er wolle künftig Konflikte mit dem Gesetz vermeiden und mehr Zeit für seine Kinder haben. Das Urteil des Kreisgerichts St. Gallen wird in der nächsten Woche erwartet.