Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

PROZESS: "Krass die Regeln verletzt": Goalie des FC Wil nach Foul verurteilt

Ein Goalie aus der Breitensportabteilung des FC Wil stand am Mittwoch wegen eines Fouls vor Gericht. Die Anklage lautete auf fahrlässige Körperverletzung. Das Gericht sprach den Mann schuldig.
Ab und an kommt es nach Fouls zu Gerichtsprozessen - so im Fall des Wil-Goalies. (Bild: Archiv/Keystone (Symbolbild))

Ab und an kommt es nach Fouls zu Gerichtsprozessen - so im Fall des Wil-Goalies. (Bild: Archiv/Keystone (Symbolbild))

Fahrlässige Körperverletzung: Gegen diesen Vorwurf musste sich ein Torhüter der Breitensportabteilung des FC Wil am Mittwoch vor dem Kreisgericht Wil in Flawil wehren. Der Mann hatte Ende Mai 2016 im Viertliga-Spiel Henau - Wil einen Gegner mit gestrecktem Bein am Knie verletzt. In der Partie kassierte der Mann eine gelbe Karte, zudem gab es einen Penalty gegen seine Mannschaft. Nach dem Schlusspfiff war die Sache für den Torhüter aber noch nicht ausgestanden: Er wurde wegen des Fouls vor Gericht gezogen.

Die Staatsanwaltschaft forderte für den Torhüter eine Geldstrafe von 300 Franken, eine Busse von 100 Franken sowie 555 Franken für Gebühren und besondere Auslagen. Das Gericht verurteilte den Mann am Mittwoch.


Mit gestrecktem Bein

Der Wiler Goalie versuchte in der fraglichen Aktion im Mai 2016, einen Ball mit dem Fuss abzuwehren. Der Henauer Angreifer seinerseits merkte, dass er den Ball nicht mehr erreichen konnte, und setzte zu einem Sprung an, um den Zusammenprall mit dem Torhüter zu vermeiden. Der Goalie traf den Stürmer jedoch mit gestrecktem Bein am rechten Knie in einer Höhe zwischen 60 und 90 Zentimetern über Boden und verletzte ihn.

Der verletzte Spieler musste nach dem Foul sofort ins Spital, sich dort einer Knieoperation unterziehen und für zehn Tage in der Klinik bleiben. Er war für drei Monate arbeitsunfähig und wird nie mehr Fussball spielen können. Im vergangenen Winter konnte der frühere Fussballer darüber hinaus weder ski- noch snowboardfahren. Zudem besteht ein hohes Arthrose-Risiko im rechten Knie. Dieses Jahr musste sich der Mann einer zweiten Operation unterzeihen, um sich die Platten und Schrauben entfernen zu lassen.

"Verletzung wäre vermeidbar gewesen"

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wusste der Wiler Torhüter um das von ihm ausgehende Verletzungsrisiko. "Durch eine andere Abwehraktion, namentlich durch Hineinrutschen mit den Händen voran, durch Hineinrutschen mit dem Fuss am Boden oder durch Zulassen eines Tores wäre die Verletzung vermeidbar gewesen", hiess es in der Anklageschrift.

Ein wichtiger Diskussionspunkt in der Hauptverhandlung vom Mittwochvormittag war, ob der Goalie bei der entsprechenden Aktion das Bein am Boden hatte oder – wie in der Anklageschrift erwähnt – 60 bis 90 Zentimeter über Boden. Der Goalie sagte, ein Bein sei am Boden gewesen, das andere maximal 30 Zentimeter ab Boden. Er habe den Ball berührt.


"Gäbe Hunderte solcher Fälle"

Verteidiger Lucien W. Valloni, Präsident der Schweizer Fussballgewerkschaft SAFP, zweifelte die Glaubwürdigkeit der Aussagen des Opfers an. Diese seien aus Frust erfolgt. Seinem Mandanten sei keine Fahrlässigkeit zu unterstellen. Der Schiedsrichter des Spiels habe ausgesagt, keine Verletzungsabsicht erkannt zu haben. "Eine Verurteilung würde dazu führen, dass es künftig Hunderte solcher Fälle geben wird und die Jungen nicht mehr Fussball spielen werden", sagte Valloni.

Die Staatsanwaltschaft hingegen argumentierte, ein Freispruch wäre "ein Freipass für üble Fouls". Der Beistand des Opfers seinerseits sprach von "krassem, regelwidrigem Verhalten" des Goalies und hielt am Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung fest - mit Erfolg, wie sich bei der Urteilseröffnung zeigte. Das Gericht sprach den Mann schuldig und verurteilte ihn in Übereinstimmung mit der Anklageschrift zu einer Geldstrafe von zehn Tagessätzen à 30 Franken, bedingt ausgesetzt auf zwei Jahre. Eine Busse muss der Mann nicht bezahlen, dem Opfer dafür aber Schadenersatz in der Höhe von 6111.10 Franken leisten. Die restlichen Forderungen des Opfers wurden auf den Zivilweg verwiesen.

"Einen Gump zu weit gegangen"

Der Torhüter habe bei seiner Aktion krass die Regeln verletzt, hiess es in der mündlichen Urteilsbegründung - er sei "einen Gump zu weit gegangen". Das Urteil ist nicht rechtskräftig, ob es angefochten wird, ist offen. (sdu./red.)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.