Provisorisch hat die Zukunft begonnen

Auch der gestrige Tag 2 seit der Verschiebung der ÖV-Haltestellen auf dem Bahnhofplatz ist geordnet verlaufen. Wie nicht anders zu erwarten war. Noch brauchen die Neuerungen mit den provisorischen Haltestellen Angewöhnungszeit.

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Wo an der Perronkante hält mein Bus? Gewusel an der provisorischen ÖV-Haltestelle auf der Rückseite der Hauptpost. (Bild: Reto Voneschen)

Wo an der Perronkante hält mein Bus? Gewusel an der provisorischen ÖV-Haltestelle auf der Rückseite der Hauptpost. (Bild: Reto Voneschen)

Auch der gestrige Tag 2 seit der Verschiebung der ÖV-Haltestellen auf dem Bahnhofplatz ist geordnet verlaufen. Wie nicht anders zu erwarten war. Noch brauchen die Neuerungen mit den provisorischen Haltestellen Angewöhnungszeit. Man sieht's in dem Fall sehr schön: Auch Menschen sind Gewohnheitstiere. Das Verlassen bekannter Trampelpfade fällt schwer. Die Änderung lieb gewonnener Gewohnheiten braucht Zeit.

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Im Fall der provisorischen ÖV-Haltestellen müssen sich nicht nur die Passagiere von Bus und Postauto umstellen. Auch einige Autolenker wären aufgefordert, beim Befahren der St. Leonhard-Strasse das Hirn einzuschalten und nicht der Gewohnheit, sondern der neuen Verkehrssignalisation zu folgen. Nur, um nicht auf die falsche Fahrspur, jene für die Busse, und damit in die provisorische Haltestelle zu geraten. Die Unaufmerksamkeit einzelner und nicht die Neuorganisation der Strasse bringt derzeit den Verkehrsfluss vor dem Neumarkt ab und zu ins Stocken.

Auch einzelne Velofahrer und ihre Gewohnheiten darf man hinterfragen: Ist es wirklich zielführend, zu Stosszeiten vor dem Neumarkt mit dem Drahtesel durch die Menschenmasse zu pflügen, die hier auf die Busse wartet? Die Antwort dürfte den allermeisten klar sein. Eine Ausnahme ist sicher jene Kampfradlerin, die gestern mittag ihren Bewegungsdrang mit dem E-Bike ausgerechnet auf diesem Trottoir ausleben musste.

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Eine Neuerung macht Buspassagieren zu schaffen. Die provisorischen Haltestellen auf der St. Leonhard-Strasse werden im Durchfluss-System betrieben. Dieses wird später auch auf dem umgestalteten Bahnhofplatz gelten. Hier hat mit den Provisorien also die Zukunft schon begonnen.

Die Busse warten in diesem System nicht mehr, sondern sie fahren nach dem Passagierwechsel sofort weiter. Und für die Linien gibt es keine festen Standplätze mehr. Busse und Postautos halten an ihrer Perronkante in der zufälligen Reihenfolge, wie sie daherkommen.

Das bedeutet für Passagiere an den provisorischen Haltestellen an der St. Leonhard-Strasse: Man muss immer im Blick haben, wo an der Perronkante das Vehikel, auf das man gerade wartet, halten wird. Tagträumereien oder intensive Beschäftigung mit dem Handy liegen nicht mehr drin, will man den Bus nicht verpassen.

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Für die, denen das neue Regime Mühe macht, gibt's Tips vom Fachmann. So mache es einem die Sache leichter, wenn man sich zentral in der Haltestelle aufstelle und sich nicht am Rand herumdrücke. Und es hilft, die Informationstafel mit den Ankunftszeiten im Blick zu behalten. Die noch fehlende vor dem Neumarkt soll bis heute Mittwoch montiert sein.

Und wer die Sache jetzt «auf kleinem Feuer» einmal üben will, bevor er sich ins grosse Getümmel am Hauptbahnhof stürzt, kann das an der ÖV-Haltestelle Bohl tun. Hier funktioniert nämlich das Durchfluss-System schon seit Jahr und Tag klaglos. (vre)