Projet urbain geht auf Strassen

Beim Projet urbain zur Entwicklung des Quartiers südwestlich des Rorschacher Stadtkerns beginnt auch bei den Aussenräumen die Umsetzung. Die Strassengestaltung – auch nach Vorschlägen von Bewohnern – ist entscheidungsreif.

Fritz Bichsel
Merken
Drucken
Teilen
Vorschlag für Strassen als Begegnungszone mit Platz für Leben und mehr Grün auf nicht mehr in Fahrbahn und Trottoirs unterteilten Flächen. (Bild: Ausschnitt aus dem Plan des Büros Strittmatter Partner)

Vorschlag für Strassen als Begegnungszone mit Platz für Leben und mehr Grün auf nicht mehr in Fahrbahn und Trottoirs unterteilten Flächen. (Bild: Ausschnitt aus dem Plan des Büros Strittmatter Partner)

RORSCHACH. Dieser Stadtteil entstand während der Industrialisierung vor gut einem Jahrhundert. Nun sollen Wohnraum modernisiert, Aussenräume ansprechend gestaltet und das soziale Leben gefördert werden. Damit es auch nach heutigen Ansprüchen attraktiv ist, hier zu leben.

«Ein Prozess, der Zeit braucht»

Bewohner können nun direkt im Quartier Ideen und Anliegen einbringen (siehe Kasten). Sie konnten ab Frühjahr 2009 auch in Arbeitsgruppen zu Verkehr und Aussenräumen mitwirken.

Dass viel Zeit verging bis zu Plänen und ersten Schritten, löste da und dort Zweifel oder Resignation aus. Projektleiter Florian Kessler vom Bereich Bau und Stadtentwicklung der Stadt sagt jedoch, diese Zeit sei nötig für Arbeit von Fachleuten, Gespräche mit Eigentümern der Liegenschaften – denen eine wichtige Rolle zukomme – und Prüfung der Vorschläge bis zur Verkehrspolizei.

Auch die Umsetzung dürfe man sich nicht kurzfristig vorstellen: «Quartierentwicklung mit Modernisierung von Wohnraum durch private Eigentümer ist ein Prozess über Jahre.»

Partizipation entscheidend

Für den baulichen Teil wurden Stadt und Quartier als Standort sowie die Bevölkerungsentwicklung und die Bausubstanz analysiert (Büros GSP, Zürich, und ERR Raumplaner, St.

Gallen), Varianten für die Gestaltung von Strassen und weiteren Flächen erarbeitet (Büro Strittmatter Partner, St. Gallen) und nun die Kosten für eine erste Bauetappe berechnet (Büro Wälli, Arbon).

Inzwischen konnten die Grundeigentümer informiert werden. Rund 40 nahmen teil, viele weitere bekundeten Interesse an Gesprächen.

Florian Kessler berichtet erfreut, dass sich auch Gruppen für zusammenhängende Teilgebiete ergaben, wo nun gemeinsam Veränderungen geplant werden können. Denn die Umsetzung der Pläne hänge stark davon ab, wo sich Eigentümer und Bevölkerung aktiv beteiligen. Dazu zeige sich oft, dass sich Leute nicht dem ganzen Stadtteil zugehörig fühlten – der wie weitere in Rorschach keinen Namen hat –, sondern als Bewohner einer Strasse. Als nächste sind nun wieder aktive Einwohner am Zug: Am 25.

Oktober wird die Planung mit den Mitgliedern der Arbeitsgruppen diskutiert. Anschliessend können sich alle Interessierten im Quartierbüro informieren.

Strassenraum anders nutzen

Bisher prägen rollender Verkehr und parkierte Fahrzeuge dieses dicht bebaute Quartier. Freiräume sind selten und auch an Parkplätzen herrscht Mangel. Platz liesse sich gewinnen durch Abbruch von Häusern, welche die Stadt dafür kauft.

Aus finanziellen Gründen steht aber eine andere Variante im Vordergrund: Den Strassenraum in der ganzen Breite von Haus zu Haus – Trottoirs, Fahrbahn und Abstellplätze – auf gleicher Höhe anlegen, diese Flächen als verkehrsberuhigte Begegnungszone gestalten mit mehr Platz für Leben im Strassenraum und eine andere Parkierordnung. Zusätzliches Grün mit Vorgärten und Bäumen, Sitzbänke, Pflästerungen und weiteres sollen diese Zone aufwerten.

Ziel: Bürgerversammlung 2011

Den Gesprächen mit Bewohnern und Eigentümern werden nach Auskunft des Projektleiters Anträge an den Stadtrat folgen. Ziel sei es, dass er der Bürgerversammlung 2011 den Kredit (unterhalb einer Million) beantragen könne. Bund und Kanton finanzieren 90 Prozent der Projektarbeit, die Umsetzung geht dann weitgehend auf Kosten der Stadt.