Problemlöser mit Prioritäten

45 Jahre hat Andreas Lutz bei der Schnider AG in Engelburg gearbeitet. Er richtete sich dabei nicht nach einem Plan, sondern nach der Priorität. Als langjähriger Mitarbeiter wurde er zum Problemlöser der sich stark wandelnden Firma.

Sebastian Schneider
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Andreas Lutz ist auch nach seiner Pensionierung immer wieder auf dem Areal der Schnider AG anzutreffen. (Bild: Ralph Ribi)

Andreas Lutz ist auch nach seiner Pensionierung immer wieder auf dem Areal der Schnider AG anzutreffen. (Bild: Ralph Ribi)

ENGELBURG. «Mädchen für alles», «Facility Manager», «Technischer Leiter», «Werkstattchef». Für Andreas Lutz' Tätigkeit im Engelburger Recycling- und Transportunternehmen Schnider AG gibt es keine wirkliche Bezeichnung. Selbst Geschäftsführer Reto Schnider kommt bei dieser Frage ins Grübeln. Andreas Lutz mauserte sich während jahrzehntelanger Mitarbeit zu einer der wichtigsten Arbeitskräfte im Unternehmen. Gab es irgendwo ein Problem, war er zur Stelle. Wurde über neue Anschaffungen nachgedacht, sprach Andreas Lutz mit. Vor 45 Jahren hat der heute 64-Jährige als Chauffeur bei der Schnider AG seine Arbeit aufgenommen. In diesem Sommer ist Lutz in den Ruhestand getreten – fast, jedenfalls.

Sorgsame Nachfolgeregelung

«Der Abgang von Andreas Lutz ist natürlich ein grosser Verlust», sagt Reto Schnider. Doch man habe sich auf diesen Sommer vorbereitet. «Wir klinkten Herrn Lutz ein Jahr vor seiner Pensionierung, so weit es ging, aus dem Tagesgeschäft aus.» Auf diese Weise konnten sich seine Nachfolger in ihre Aufgaben einarbeiten. Doch wenn beim neuen Leiter Recycling oder beim neuen Leiter Werkstatt und Unterhalt ein Problem auftrat, klopften sie bei Andreas Lutz an. Und diese Hilfe steht ihnen für eine Weile noch zur Verfügung: «Stundenweise helfe ich noch aus», sagt Lutz, der auf dem Firmenareal von seinen ehemaligen Arbeitskollegen freundlich gegrüsst wird.

Im Sommer wurde Lutz gebührend verabschiedet. Reto Schnider hat aber noch ein Geschenk für den Mitarbeiter, der seinerzeit von seinem Vater angestellt wurde: Ein Fotoalbum mit Aufnahmen aus guten alten Zeiten, die in Lutz viele Erinnerungen wachrufen. Immer wieder kommt der Pensionär zum Schluss: «Früher war es anders.»

Schnee auf dem Fahrersitz

Gerade bei einem Unternehmen wie der Schnider AG hat die Ausrüstung massgeblichen Einfluss auf die Arbeit. «Früher haben wir in der Lastwagenkabine gefroren. Es kam auch vor, dass es über Nacht auf den Sitz geschneit hat.» Und wenn man irgendwo steckengeblieben war, sich verfahren hatte oder sonst ein Problem aufgetaucht war, musste man laut Lutz eine Telefonkabine aufsuchen und so mit der Zentrale Kontakt aufnehmen.

Das Arbeiten sei strenger gewesen, die Einsätze länger. «Am Sonntagabend auf die Tour zu gehen und erst am Samstag wieder zurückzukommen, war keine Seltenheit», sagt Lutz, der seit über 40 Jahren mit seiner Frau in Engelburg lebt.

Firma mitgeprägt

Doch nicht nur der Komfort mit Navigationsgeräten, Smartphones und gut beheizter Fahrerkabine hat Veränderungen mit sich gebracht, auch die Firma hat sich während der Zeit mit Andreas Lutz stark gewandelt. «<Recycling?>, dieses Wort gab es früher gar nicht, es gab nur Abfall.» Erst in den 1980er-Jahren begann das Transportunternehmen mit dem Sortieren der Abfälle. Zu Beginn vor allem Papier und Karton, später auch Aushubmaterial, Eisen, Altholz, Glas, Kunststoff und Elektroschrott. Heute erstellt die Firma umfassende Entsorgungskonzepte, hat rund fünfzig Angestellte und betreibt sieben Werke.

Andreas Lutz war stets an der Weiterentwicklung der Firma beteiligt. «Bei grossen Entscheidung sprach er ein Wort mit», sagt Reto Schnider. Und wenn es um die Umsetzung ging, war Lutz der wichtigste Ansprechpartner. Nicht zuletzt, weil er sogar beim Aufbau neuer Werkhallen Hand anlegte. Lutz arbeitete nie nach Plan, sondern nach Priorität. Am Morgen wusste er jeweils nicht, was am Tag auf ihn als Problemlöser zukam. Doch mit der Zeit hat sich Andreas Lutz auch ein starkes Selbstvertrauen erarbeitet. «Da ich schon als Neuankömmling stets auf mich allein gestellt war, lernte ich, Probleme eigenständig zu lösen. <Geht nicht!>, das gibt es bei mir nicht.»

Und was macht Andreas Lutz mit all der Zeit, die ihm jetzt als Pensionär zur Verfügung steht? «Wieder mehr Töff fahren. Doch zuerst freue ich mich einmal, einfach Zeit zu haben und morgens nicht mehr früh aufstehen zu müssen.»