PROBEN: Mit grossen Schritten zum Fest

Im Rahmen einer Sonderwoche bereiten sich die rund 300 Kinder der Primarschule Hebel-Bach in St. Georgen auf das Kinderfest vor. Sie basteln, tanzen und lernen, wie man richtig marschiert.

Luca Ghiselli
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Hand in Hand: Die Grundstufe übt unter Anleitung von Lehrerin Patricia Rütsche fürs Kinderfest.

Hand in Hand: Die Grundstufe übt unter Anleitung von Lehrerin Patricia Rütsche fürs Kinderfest.

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

An diesem Morgen ist etwas anders als sonst, auf dem Pausenplatz des Schulhauses Hebel in St. Georgen. Kaum ertönt die Pausenglocke, gehen die rund 300 Schülerinnen und Schüler nicht etwa zurück ins Haus, sondern bleiben im Freien. Klassenweise stellen sich die Schüler in Reih und Glied auf. «Merkt euch, wer neben, hinter und vor euch steht», sagt eine Lehrerin. An der Sonderwoche fürs Kinderfest wird nicht nur der Auftritt vorbereitet, sondern auch das richtige Marschieren am Umzug geübt.

Die Vorbereitungen für das Kinderfest gehen an den städtischen Schulen in die heisse Phase. Während in einigen Schulhäusern bereits vor Ostern im Rahmen einer Sonderwoche Bewegungsabläufe einstudiert wurden, wird es nun in St. Georgen ernst. Es ist der erste Morgen der Sonderwoche im Hebel-Schulhaus und das Programm ist dicht gedrängt. Erster möglicher Durchführungstermin für das Kinderfest ist bereits der 16. Mai. Es bleiben also gerade einmal sechs Wochen, um das Bühnenprogramm auf die Beine zu stellen. Dafür zuständig sind Patricia Rütsche und Manuel Looser. Während die Fünft- und Sechstklässler noch draussen auf dem Pausenplatz das richtige Marschieren üben, sind die beiden Primarlehrer bereits mit der Grundstufe in der Turnhalle beschäftigt.

Im Kreis durch die Turnhalle rennen

Rund 100 Meter vom Pausenplatz entfernt hört man die Musik und die Rufe der Kinder bis auf die Quartierstrasse. «Die Übung ist in vollem Gang», sagt der Hauswart, während er mit einem Nachbar plaudert. Im Gang der Turnhalle liegen die Schulsachen und Jacken, und drinnen geht die Post ab. Die Erst- und Zweitklässler rennen wild durcheinander – und auch gegeneinander. Aus dem anfänglichen Chaos soll bald Struktur entstehen. So sieht es zumindest die Choreografie vor, die Rütsche und Looser vorbereitet haben. Stoppt die Musik, bilden die Kinder mehrere Kreise: Im inneren Rund die Buben, im äusseren Kreis die Mädchen. Die einen rennen im Uhrzeigersinn, die anderen dagegen. Patricia Rütsche lässt die Abläufe immer wieder üben. «Es ist kein Wettrennen», sagt sie. Es sei nicht wichtig, sich möglichst schnell im Kreis zu drehen. «Wichtig ist nur, dass ihr euch nicht loslasst.» Bereits nach wenigen Wiederholungen sind die Fortschritte beträchtlich. Doch noch ist der Weg zum gelungenen Auftritt auf der Kinderfest-Bühne lang. Drei verschiedene Choreografien werden bis im Mai hier einstudiert –für Erst- und Zweitklässler, Dritt- und Viertklässler genauso wie für die fünfte und sechste Stufe.

Nicht nur in der Turnhalle, auch im Schulhaus selbst ist inzwischen die Kinderfest-Sonderwoche angelaufen. In verschiedenen Ateliers werden die Requisiten für den Auftritt angefertigt. Oben im Dachgeschoss schneiden Primarschüler Schablonen mit einem Cutter aus. Was daraus später entsteht? «Das wissen wir selber noch nicht genau», sagt eine Schülerin und lacht. Der Lehrer klärt auf: Die Schablonen dienen als Vorlage für die Bemalung von Tragesäcken.

Schneiden und nähen im Atelier

Ein Stockwerk weiter unten sind Kinder unter der Anleitung von Lehrerin Ramona Koller gerade damit beschäftigt, bunte Stoffe zuzuschneiden und zu nähen. Afrotücher sollen es einmal werden. «Das ist aber schief, das müsst ihr nochmals abmessen», sagt Koller zu einem ihrer Schüler. Die Kinder machen alles selbst, und doch ist die Sonderwoche für die Lehrkräfte anspruchsvoll. Koller kommt kaum dazu, die einzelnen Arbeitsschritte zu überwachen. «Ihr müsst nicht alles zeigen kommen. Ihr könnt auch selbst kontrollieren, ob es stimmt», sagt sie zu den Schülern.

Und während im Schulzimmer die ganze Woche lang die Nähmaschine weiterrattert; im Werkkeller die Fahnenstangen geschnitzt und geschliffen werden; auf dem Pausenplatz Laufproben stattfinden, starten oben auf dem anderen Stadthügel, dem Rosenberg, die Aufbauarbeiten für das grosse Fest. Diese Woche wurden die ersten Pflöcke eingeschlagen –frühestens in 40 Tagen kann es dann frühmorgens wieder heissen: «S‘isch.»