PRIVATISIERUNG: Den Kappelhof nach wie vor ernst nehmen

Mit einem klaren Ja wurde der Ausgliederung des Alterszentrums Kappelhof zugestimmt. Der hohe Einfluss Wittenbachs bleibt, sagt Fredi Widmer.

Angelina Donati
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Ab 2018 ist das Alterszentrum eine Aktiengesellschaft. (Bild: Urs Bucher)

Ab 2018 ist das Alterszentrum eine Aktiengesellschaft. (Bild: Urs Bucher)

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch

Als umstritten konnte die Vorlage im Vorfeld zwar nicht bezeichnet werden. Dennoch gab es kritische Stimmen und Zweifel, ob denn nun das Alterszentrum Kappelhof in Wittenbach aus der Verwaltung ausgeklammert und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden soll. Wittenbachs Gemeindepräsident Fredi Widmer hatte laut eigenen Aussagen auf Zustimmung der Stimmbürger gehofft. Ob des deutlichen Resultats – 1871 Ja-Stimmen oder rund 75 Prozent – war er gestern auf Anfrage dementsprechend erleichtert. «Aufgrund der Gespräche und der Fragen, die es in den vergangenen Wochen in der Bevölkerung gab, bin ich von einer Annahme ausgegangen. Zumal es ja auch stets konstruktiv-kritische Dialoge waren.»

Gemeinnützig, nicht gewinnorientiert

Der Gemeindepräsident ist überzeugt, dass die Ausgliederung des Kappelhofs Sinn macht und es der richtige Weg ist. Die Vorteile würden eindeutig überwiegen. Zum einen lasse die neue Betriebsform unternehmerisch betrachtet mehr Spielraum zu, und zum anderen stehe der Finanzierung des Hauses 4 nichts im Wege. Kurzum: Das Alterszentrum erhalte mit der Umwandlung die notwendige unternehmerische Selbstständigkeit und Flexibilität, um sich im Markt wettbewerbsfähig zu behaupten.

Auch für Kappelhof-Leiter Ralf Kock ist der Entscheid richtig, Skepsis sei zwar nachvollziehbar und unbegründet. «Bereits gemachte Erfahrungen zeigen, dass für die Bewohner die Leistungen weiterhin preiswert und in gewohnter Qualität angeboten werden können», schreibt er in einem Communiqué. Als alleinige Aktionärin der Gesellschaft und als Verwaltungsratsmitglied halte die Gemeinde die Zügel weiterhin in der Hand. Das betont auch Fredi Widmer: «Der hohe Einfluss bleibt bestehen. Den Kappelhof nehmen wir nach wie vor ernst.» Die Alterszentrum Kappelhof AG sei als gemeinnützige Aktiengesellschaft zu verstehen und nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet.

Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft wird per 1. Januar 2018 vollzogen. Die Gemeinde Wittenbach stellt dabei das Aktienkapital von fünf Millionen Franken – also 20 Prozent der gesamten Investitionen des Kappelhofs, wie Widmer erläutert. Auch wird ein verzinsliches und rückzahlbares Darlehen von voraussichtlich 7,3 Millionen Franken gewährt. Betriebsdefizite würden jedoch keine mehr übernommen. «Gemäss der Finanzplanung kann der Betrieb ab 2018 kostendeckend geführt werden», sagt Widmer.

Nach der Abstimmung von gestern Sonntag muss die Gemeindeordnung noch geändert werden, was nach dem deutlichen Ja eine formale Angelegenheit sein dürfte. Die Stimmbürger befinden darüber an der Bürgerversammlung im Mai.