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Priorisiert, nicht ausgespielt

Leserbriefe
Hugo Wehrli

Mit dem emotionalen Slogan, man solle die Verkehrsmittel nicht gegeneinander ausspielen, werben die Befürworter für die sogenannte Mobilitäts-Initiative. Nur, wie man Verkehrsmittel gegeneinander aufhetzt und das dann zum eigenen Vorteil nutzt, müsste mir zuerst noch jemand plausibel erklären. Vielmehr meinen die Befürworter, wenn sie von Ausspielen reden, wohl die Priorisierung des öffentlichen, des Langsam- und des Fussverkehrs gegenüber dem Auto, wie sie das bestehende Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung in der Stadt St. Gallen vorschreibt. Aber das tönt halt nicht so negativ. Im Gegenteil, es ist ein Erfolgsmodell. Seit es das Reglement für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung gibt, hat der motorisierte Individualverkehr in der Stadt kaum mehr zugenommen. In der Folge gab’s auch nicht mehr Stau. Ganz anders würde sich der Verkehr entwickeln, wenn wir der Mobilitäts-Initiative – ich selber nenne sie lieber Stau-Initiative – zustimmen würden. Die Priorisierung würde wieder aufgehoben, der motorisierte Individualverkehr würde wieder zunehmen, und damit auch die Zahl der Staustunden.

Die Wohn- und Lebensqualität hängt wesentlich von der Verkehrsbelastung ab. Niemand will an einer stark befahrenen Strasse wohnen oder einkaufen. Setzen wir deshalb weiterhin auf die Priorisierung von öffentlichem, Langsam- und Fussverkehr. St. Gallen ist mit der nachhaltigen Verkehrspolitik auf dem richtigen Weg. Schicken wir am 4. März die sogenannte Mobilitäts-Initiative bachab.

Hugo Wehrli

Schneebergstr. 59a, 9000 St. Gallen

Was bringt uns diese Initiative?

Ich wohne seit bald 30 Jahren in der Stadt St. Gallen und bewege mich darin zu Fuss, mit dem Velo, mit dem Auto und mit dem Bus. Aus Erfahrung weiss ich, dass ich mit dem Velo am schnellsten vorwärts komme, wenn ich nicht grad nach Rotmonten oder St. Georgen muss und das Wetter, die Begleitung oder das Gepäck es zulassen. Mit dem Auto komme ich überall hin. Ich brauche es für den Querverkehr und manchmal auch aus Bequemlichkeit, um in die Altstadt zu kommen. Mit den verschiedenen Parkgaragen rund um die Altstadt ist das kein Problem. Entgegen anders lautenden Behauptungen ist die Innenstadt bestens erreichbar, wie auch die gut bevölkerten Gassen an den verkaufsstarken Wochentagen beweisen.

Wo hapert es aber? Wenn ich mit dem Bus von der Achslen ins Zil will, ist es eine gefühlte Weltreise, während es mit dem Auto oder mit dem Velo vielleicht fünf Minuten sind. Aber auch, wenn ich mit Kind und Kegel mit dem Bus in die Badi Rotmonten möchte, stehen die Fahrzeit und der Umsteigeaufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zur Fahrdistanz. Oder wenn ich von der Arbeit nach Hause will, haben die Busse der Linien 1, 4 und 7 in den Hauptverkehrszeiten regelmässig massive Verspätungen, weil sie im Autoverkehr stecken bleiben. Um gewisse Strecken in vernünftiger Zeit zurückzulegen, kann ich nicht auf den Bus ausweichen, sondern bin zwingend aufs Auto oder das Velo angewiesen.

Von Wahlfreiheit zwischen den Verkehrsträgern, wie sie die Mobilitäts-Initiative verspricht, kann da keine Rede sein. Die Defizite im städtischen Verkehr liegen weiter klar beim öffentlichen Verkehr, sicher aber nicht bei den Autos. Um den öffentlichen Verkehr zu fördern müssen wir das bestehende Verkehrs­reglement nicht ändern, weil es – im Gegensatz zur Mobilitäts-Initiative – die Prioritäten schon dort setzt, wo es Defizite zu beseitigen gilt: beim öV sowie beim Velo- und Fussgängerverkehr. Deshalb lehne ich die Mobilitäts-Initiative ab.

Thomas Unseld

Kublystrasse 4, 9016 St. Gallen

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