POSTKARTENGRÜSSEPOSTKARTENGRÜSSEPOSTKARTENGRÜSSEPOSTKARTENGRÜSSEPOSTKARTENGRÜSSEPOSTKARTENGRÜSSE: Liebe Grüsse

War es früher gang und gäbe, Postkarten aus dem Wohnort oder aus dem Ausland zu verschicken, wird diese Art von Gruss immer seltener. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Angelina Donati
Drucken
Teilen
Ausschnitt einer Postkarte aus alten Zeiten: Dieser Gruss aus Mörschwil wurde 1899 an eine Familie aus St. Gallen verschickt. (Bild: Fotos: Sammlung Adrian Peterhans)

Ausschnitt einer Postkarte aus alten Zeiten: Dieser Gruss aus Mörschwil wurde 1899 an eine Familie aus St. Gallen verschickt. (Bild: Fotos: Sammlung Adrian Peterhans)

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch

Sie sind ein rares Gut: Post- und Ansichtskarten aus alten Zeiten. Längst sind sie auch in den Gemeinden nicht mehr erhältlich, wie viele Gemeinden rund um St. Gallen auf Anfrage mitteilen. Nur sehr spärlich werde ausserdem von Bürgern danach gefragt, etwa in Berg SG, Häggenschwil, Andwil oder Gossau. Dabei waren die Sujets, alleine aus Mörschwil, schier unendlich an der Zahl, wie sich anhand einer privaten Sammlung zeigt. Beinahe jedes Haus und jeder Brunnen diente als Motiv, teils mehrfach.

In der heutigen digitalen Zeit scheint diese Art von Gruss fast ausgedient zu haben. Auch war es früher eine Frage der Kosten, erklärt der Mörschwiler Historiker Karl Eschenmoser. So wurden um 1900 Postkarten aus ganz anderen Gründen verschickt als die heute bekannten Ansichtskarten. «Die eigentlichen Postkarten benutzte man, um mitzuteilen, wann man zu Hause eintreffen wird, oder um einen Treffpunkt bekannt zu geben», sagt Eschenmoser. Weil bis zu dreimal täglich ausgeliefert wurde, waren die Botschaften brandaktuell. Auch war diese Art von Mitteilung viel günstiger, als einen Brief zu versenden oder zu telefonieren. Trotzdem musste sich der Schreiber äusserst kurz fassen: Denn nur auf der Vorderseite, wo ohnehin meistens bereits ein Sujet platziert war, fanden ein paar handgeschriebene Zeilen Platz. Die Rückseite war alleine für die Empfängeradresse bestimmt. Weil die Karten jeweils vorfrankiert und unschlagbar günstig erhältlich waren, machten sich dies auch Vereine zu Nutze und versendeten so Einladungen zu Versammlungen oder zu Ausflügen.

Ein Kompromiss gefunden

Bei den Ansichtskarten hingegen ist das Augenmerk auf das Sujet gerichtet. Auf subtile Art und Weise wird so auch gerne den ­Daheimgebliebenen mitgeteilt, welch schöne Zeit man doch grad an einem Ort verbringt. Während die anderen zu Hause schuften und womöglich im Regenwetter sitzen, fühlt man sich selbst in einem Hoch. Die «lieben Grüsse» am Ende der Karte sind schon fast ein Hohn. «Schöne Ansichtskarten gibt es immer weniger an der Zahl», sagt Karl Eschenmoser. Nicht zuletzt auch wegen der Liberalisierung des Postmarktes. So brauche man im Ausland teils viel Geduld um an Briefmarken zu kommen. Und natürlich habe die Entwicklung auch mit den Smartphones und Facebook zu tun. Heute wird flugs mit Selfies ausgedrückt, wo man sich aufhält und wie man sich fühlt. Ein Gruss via Chat oder Mail ist nicht nur praktisch kostenlos, sondern auch der Aufwand dabei ist schwindend klein.

Ganz ausgedient haben die Ansichtskarten dennoch nicht: Noch halten sie sich hartnäckig. Versendet werden sie heute gern auch in einer anderen Form. Eine Art Kompromiss zwischen herkömmlichem und digitalem Versand. Bei verschiedenen Anbietern wird online ein persönliches Bild hochgeladen, das dann mit einer Botschaft auf der Rückseite versandt wird und den Empfänger in gedruckter Form erreicht. «Die Qualität der Fotos lässt sich wahrhaftig sehen. Ein Nachteil ist aber wohl der Text. Weil er nicht handgeschrieben ist, kann es schnell vorkommen, dass man die Karte als Werbung wahrnimmt und wegwirft», sagt Eschenmoser. Das Resultat bleibt aber auch bei dieser zeitgemässen Variante dasselbe: Der Empfänger hat einen handfesten und individuellen Gruss erhalten, dem er mit grosser Sicherheit einen besonderen Platz in seinem Daheim einräumt.

Immer seltener werden Ansichtskarten verschickt. Grund genug, die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Den Sommer über versendet die Stadtredaktion Grüsse von speziellen Orten aus der Region. Sei es eine schöne Aussicht, ein ruhiges Plätzchen an der ­Sitter, ein Naturschauspiel oder ein bekanntes Haus: Jedes Sujet erzählt seine ganz eigene Geschichte. (red)