POSTKARTENGRÜSSE: Von der Galerie zur Wohngemeinschaft

Liebe Grüsse

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Das «Bürgli» an der Bahnhofstrasse 8 ist aus Gossau nicht wegzudenken. Das imposante Haus im Heimatstil steht direkt an der Strasse, steile Giebel, ein Eck-Erker, Prunkportal und dekoratives Riegelwerk machen es, sagen die Besitzer Rosi und René David, «zu einem beliebten Fotosujet». Seit 16 Jahren wohnen die beiden mit ihren drei Kindern im «Bürg­li». Die vielen Zimmer des Hauses nutzte die Familie bis vor drei Jahren, um schwererziehbare Jugendliche in ihre Familie aufzunehmen. Inzwischen ist aus dem Haus eine Wohngemeinschaft geworden, die im Garten Kaninchen, Hühner, einen Hahn und Meerschweinchen hält.

Erbaut wurde das «Bürgli» 1903 während zweier Jahre. Der bekannte St. Galler Architekt August Hardegger baute die repräsentative Villa für den Goss­auer Administrationsrat Clemens Sager. Danach blieb das Gebäude in Privatbesitz. 1973 wurde in der Villa eine Galerie eröffnet, deren Name noch immer auf der Fassade prangt. Die von Ehepaar Leo und Cécile Brunschwiler gegründete Bürgli-Galerie war zu jener Zeit besonders bedeutsam, da Gossau vom Kloster und der Stadt St. Gallen abhängig war und sich jahrhundertelang kaum kulturelles Leben in Gossau entwickeln konnte.

Im Inneren des über hundertjährigen Hauses wurden im Laufe der Jahre mehrmals Renovationsarbeiten vorgenommen, das Äussere der denkmalgeschützten Villa blieb erhalten. Die Familie David solidarisiert sich religiös und politisch mit Israel. Jedes Jahr fahren die Christen nach Israel, wo die Tochter seit kurzem in einem Kibbuz lebt. Aus diesem Grund hängt die israelische Flagge über dem aufwendigen Sandsteinportal im Renaissancestil zwischen den Flaggen von St. Gallen und der Schweiz. (lin)

Immer seltener werden Ansichtskarten verschickt. Grund genug, die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Den Sommer über versendet die Stadtredaktion Grüsse von speziellen Orten aus der Region. Sei es eine schöne Aussicht, ein ruhiges Plätzchen, ein Naturschauspiel oder ein bekanntes Haus: Jedes Sujet erzählt seine ganz eigene Geschichte. (red)