Postkartengrüsse nach 20 Jahren

Nach mehr als 20 Jahren können in Waldkirch und Bernhardzell wieder Postkarten mit Fotografien der beiden Dörfer gekauft werden. Dass die Nachfrage nach wie vor klein und der Gewinn nebensächlich ist, spielt dabei keine Rolle.

Fernando Trabadelo
Drucken
Teilen

WALDKIRCH. Vor nicht allzu langer Zeit teilte man seine Ferienfotos nicht auf sozialen Netzwerken und verschickte seine Grüsse per SMS, sondern schrieb eine Postkarte. Deren Verwendung ist seither regelrecht eingebrochen. Doch seit wenigen Wochen werden diese «Relikte» aus der Vergangenheit sowohl im Volg Waldkirch als auch im Dorfladen Bernhardzell und im Gemeindehaus wieder zum Verkauf angeboten. Eine grössere Nachfrage besteht laut Gemeindepräsident Franz Müller allerdings nicht.

Gewinn ist Nebensache

Lange ist es her, seit in Waldkirch und Bernhardzell die letzte Postkarte mit lokalem Sujet den Besitzer gewechselt hat. «Vor mehr als 20 Jahren haben wir die letzte Ansichtskarte verkauft», sagt Franz Müller. Auf Nachdrucke der alten Motive habe man damals bewusst verzichtet: «Es war einfach kein grosses Bedürfnis mehr danach vorhanden», sagt er.

Jetzt, wo moderne Technologien den Postkarten- und Briefverkehr ablösen, wird dieses «antiquierte» Kommunikationsmedium wieder angeboten. «Beim Verkauf von Postkarten geht es für uns nicht darum, Gewinne einzustreichen», sagt Müller. Auch richte man sich nicht an Touristen, welche die Gemeinde ohnehin kaum besuchen. Vielmehr verfolge die Gemeinde das Ziel, mit diesen Postkarten Werbung für sich zu machen und den Einwohnern ein Erinnerungsstück anzubieten.

«Der Wunsch war da»

«Immer wieder wurden wir von den Einwohnern auf die fehlenden Postkarten aufmerksam gemacht», sagt Müller. Die Sehnsucht nach Erinnerungsstücken an die beiden Dörfer sei bei der Bevölkerung gross gewesen. «Die eingesessenen Einwohner wünschten sich ein schönes Bild, das sie zu Hause aufhängen oder ihren Freunden zulassen kommen können», sagt er. Sowohl Neuzuzüger als auch der Waldkircher Posthalter äusserten denselben Wunsch nach einem Souvenir: «Wir wurden von der Poststelle im Dorf kontaktiert und auf die Möglichkeit angesprochen, nach mehr als 20 Jahren wieder Karten mit Ausschnitten aus der Landschaft anzubieten», sagt Müller.

Luftaufnahmen müssen reichen

Historische Gebäude und namhafte Orte, welche Waldkirch und Bernhardzell ihren Charakter verleihen, sind auf den Postkarten nicht abgebildet. Zur Auswahl stehen jeweils zwei Sujets. Beides Luftaufnahmen der Dörfer. «Vor einiger Zeit haben wir diese Flugaufnahmen anfertigen lassen», sagt Müller. Um den Wunsch der Einwohner nach Postkarten zu erfüllen, konnte man auf diese Aufnahmen zurückgreifen. Weitere Sujets seien laut Müller im Moment nicht vorgesehen. Die Nachfrage würde zusätzliche Kosten nicht rechtfertigen.

Ein Stück Heimat kaufen

In die Produktion der Postkarten hat die Gemeinde rund 1000 Franken investiert. Jeweils 1000 Exemplare, die Waldkirch aus der Höhe zeigen, sind gedruckt worden. Von Bernhardzell sind 500 Stück hergestellt worden. Für einen Franken werden die Kärtchen zum Verkauf angeboten.

Obwohl die beiden Dörfer von Touristen selten besucht und Postkarten in der heutigen Zeit immer seltener versendet werden, kommt das neue Angebot bei alteingesessenen Dorfbewohnern und Neuzuzügern gut an. Die Einwohner seien erfreut darüber, dass sie im «Dorflädeli» oder bei der Gemeinde endlich wieder «ein Stück Heimat» kaufen können, sagt Müller.

Von den Dörfern Waldkirch (links) und Bernhardzell (rechts) werden seit kurzem Luftaufnahmen als Postkarten angeboten. (Bilder: pd/Gemeinde Waldkirch)

Von den Dörfern Waldkirch (links) und Bernhardzell (rechts) werden seit kurzem Luftaufnahmen als Postkarten angeboten. (Bilder: pd/Gemeinde Waldkirch)