POSTKARTENGRÜSSE: Folterwerkzeuge und Geschenkartikel

Liebe Grüsse

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Drei Tiere zieren das Wappen auf der Südseite des Schlosses Oberberg, das auf dem Hügel hinter dem Breitfeld in Gossau thront. Der Bär steht als Symbol für die Abtei St. Gallen, die Dogge für das Toggenburg. Der Hahn ist das Wappentier des St. Galler Fürstabts Diethelm Blarer, der das Schloss 1545 vergrössern und erhöhen liess. Zuvor stand auf dem Hügel nur ein einfacher Turm mit hölzernem Wohnblock, der um 1250 erbaut wurde. Das Fundament ruhte auf Findlingen aus der Umgebung, die bis heu­te sichtbar sind. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts hat sich an der Aussenfassade des Schlosses nur wenig verändert, doch das Innere wurde im Laufe der bewegten Geschichte immer wieder neuen Bedürfnissen angepasst: Zu Beginn diente der Bau als Sitz von Obervögten und als Gericht, weshalb auch ein ­Gefängnis und eine Folterkammer nötig waren. 1812 wurde das Schloss öffentlich versteigert. Es wurde als Käserei, Lithografie­anstalt, Stickerei und schliesslich als Restaurant genutzt. Vor 1923 wurden gemäss Historiker Karl Schmuki viele Kulturgüter unter ihrem Wert verkauft. Eine neu­gegründete Genossenschaft erwarb das Schloss 1924 für 20 000 Franken, um das Wahrzeichen zu restaurieren und in den Besitz der Öffentlichkeit zu überführen.

Die Bemühungen der Genossenschaft wurden 1955 durch ein Feuer zunichte gemacht. Wegen einer Zigarette brannten die oberen Stockwerke nieder, drei alte Holzdecken, ein Steckborner Kachelofen aus dem Jahr 1771 und andere Sammlerstücke wurden zerstört. Eine Angestellte, die ­ im obersten Stock schlief, konn­te sich durch einen beherzten Sprung aus 15 Metern retten. Drei Jahre später erfolgte die Wiedereröffnung, der originale Zustand wurde mit Hilfe von alten Plänen so gut wie möglich wiederher­gestellt.

2004 wurde aus der Genossenschaft ein Förderverein, der den Bau eines Aussenlifts an der Nordseite ermöglichte. Seitdem ist das Schloss für jedermann zugänglich. Später wurde das Söldnerhaus renoviert und das Gartenrestaurant erschlossen. Auch ein Totalumbau der Restaurantküche wurde 2012 möglich. Erst im vergangenen Jahr wurde ein interaktives Museum im Schloss gestaltet, das den Besuchern ­einen Einblick in die Geschichte des Gebäudes vermittelt.

Nach dem Rundgang kann man sich im Restaurant oder in der Gartenbeiz verpflegen. Eine Kapelle, mehrere Bankettsäle sowie Seminarräume können für Anlässe gemietet werden. Zudem ist das ganze Schloss voller Dekorations- und Geschenkartikel, die im Schlossladen gekauft werden können. Das Schloss Oberberg hat in den Jahrhunderten seit ­seiner Erbauung viel erlebt, auch wenn man es ihm von aussen kaum ansieht. (lin)

Immer seltener werden Ansichtskarten verschickt. Grund genug, die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Den Sommer über versendet die Stadtredaktion Grüsse von speziellen Orten aus der Region. Sei es eine schöne Aussicht, ein ruhiges Plätzchen, ein Naturschauspiel oder ein bekanntes Haus: Jedes Sujet erzählt seine ganz eigene Geschichte. (red)