POLIZEICHEF: Ein neuer Sheriff in der Stadt

Seit Anfang Mai ist Remo Breitenmoser der neue Polizeichef von Gossau. Er will eine Polizei, mit der die Bevölkerung gerne zusammenarbeitet. Sein Weg dahin führt über Austausch und Präsenz im öffentlichen Raum.

Nina Rudnicki
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Remo Breitenmoser in Gossau, seiner neuen Wirkungsstätte. Zuvor war er bei der Autobahnpolizei. (Bild: Daniel Dorrer)

Remo Breitenmoser in Gossau, seiner neuen Wirkungsstätte. Zuvor war er bei der Autobahnpolizei. (Bild: Daniel Dorrer)

GOSSAU. «Der Kontakt mit der Bevölkerung und den Amtsstellen ist für mich etwas vom Wichtigsten», sagt Remo Breitenmoser. Der 41-Jährige ist der neue Postenchef der Polizeistation in Gossau. Dorthin hat er anfangs Mai von der Mobilen Polizei in Oberbüren gewechselt. Wie ein paar Klicks im Internet zeigen, hat er bereits dort auf Kommunikation und Austausch mit der Bevölkerung gesetzt. «Wir müssen unsere Arbeit gegenüber dem Volk transparenter machen», hatte er erst im September auf die Frage eines Journalisten geantwortet, der am Tag der offenen Tür in Oberbüren wissen wollte, was der Polizei denn ein solcher Anlass bringe. Es finden sich online auch Artikel, die berichten, wie Breitenmoser in seiner damaligen Funktion als Gruppenchef der Mobilen Polizei Oberbüren Senioren und Schüler durch den Polizeistützpunkt führte. Diesen Austausch mit der Bevölkerung möchte Breitenmoser nun auch in Gossau stärken. «Denn nur wenn die Menschen wissen, wie wir arbeiten, können sie uns helfen», sagt er. «Etwa, dass wir, um ein komisches Fahrzeug möglichst schnell ausfindig machen zu können, Autotyp und Autonummer benötigen.» Sein Motto sei: Miteinander gegen Verbrechen.

An drei Tagen rund um die Uhr

Nach Gossau hat es Breitenmoser wegen der neuen Herausforderungen gezogen. Einerseits führt er nun ein Team von 16 Mitarbeitenden statt wie früher fünf. Andererseits ist Gossau als urbaner Vorort von St. Gallen längst in der 24-Stunden-Gesellschaft angekommen. «Von Donnerstagabend bis Sonntagmorgen müssten wir rund um die Uhr mit Einsätzen wegen Ruhestörung, Vandalismus oder Schlägereien rechnen», sagt er. Denn Gossau sei mit seinen Bars und Clubs Anziehungspunkt für die Bevölkerung aus den umliegenden ländlichen Gemeinden. Gerade am Wochenende, wenn viel getrunken oder auch Drogen konsumiert werden, könne eine harmlose Situation wie eine kleine Streiterei schnell mal ausser Kontrolle geraten. «Auch deswegen ist es wichtig, dass uns die Bevölkerung im öffentlichen Raum sieht», sagt er. «Die Bewohner fühlen sich sicherer, wenn Polizeipatrouillen unterwegs sind.» In diesem Zusammenhang erwähnt Breitenmoser auch immer wieder die Prävention. «Wenn wir Kiffer-Plätze in der Nähe von Schulhäusern oder Kindergärten aufsuchen und die Jugendlichen aktiv kontrollieren, hat das eine abschreckende Wirkung», sagt er. Dasselbe gelte auch für Littering, also das achtlose Wegwerfen von Abfällen. «Wenn jene Leute verstehen, dass das so einfach nicht geht und verboten ist, habe ich meine Aufgabe erfüllt.»

Von Unfällen fasziniert

Der Umgang und Kontakt mit Menschen gehören für Breitenmoser denn auch zu den guten Erlebnissen als Polizist. «Obwohl es natürlich auch eine Herausforderung ist. Gerade wenn man an einen Unfallort kommt und sich dann sowohl mit der Sicht des Verursachers als auch jener des Unschuldigen auseinandersetzen muss», sagt er. Aber gerade aus diesem Grund habe er sich mit 28 Jahren entschlossen, sich bei der Stadtpolizei St. Gallen zu bewerben. Davor war Breitenmoser in der Elektrobranche tätig. Nach einigen Jahren bei der Stadtpolizei wechselte er zur Autobahnpolizei nach Oberbüren. Weil er vom Unfallwesen und dem Strafrecht schon immer fasziniert gewesen sei. Natürlich hätten ihn Einsätze mit schweren Unfällen anfangs belastet. «Aber man lernt und bekommt Routine», sagt er. Ins Detail geht er nicht. Auch bei privaten Fragen gibt sich Breitenmoser zurückhaltend. Er erzählt, dass er im Toggenburg aufwuchs, heute in Niederhelfenschwil lebt sowie verheiratet und Familienvater ist. Und dass er seinen Ausgleich beim Sport findet. Aber das ist es dann mit den Informationen. Beim Abschied sagt er mit einem Augenzwinkern: «Normalerweise bin ich derjenige, der die Fragen stellt.»

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